Börse am Nachmittag Autotitel an der Spitze
Frankfurt am Main - Nach einem kurzen Ausflug ins Plus kehrte der Dax bis 18 Uhr wieder in den grünen Bereich zurück und nahm um 1,4 Prozent auf 5165 Punkte zu. Am Neuen Markt präsentierte sich der Nemax 50 etwas freundlicher mit 1013 Zählern - ein Plus von 1,9 Prozent.
In den USA pendelten die Börsen nervös um die Schlussmarke vom vorigen Handelsstag. Der Dow Jones notierte mit 1,8 Prozent im Plus auf 10.129 Punkten, die Nasdaq verlor leicht auf 1821 Zähler.
Die besser als erwartet ausgefallenen Zahlen zum US-Einkaufsmanagerindex NAPM haben die Stimmung am Nachmittag deutlich gehoben, konnte die Märkte jedoch nicht aus ihrer Lethargie reißen.
Zumal auch der Markt in Europa nervös auf die düsteren Geschäftsaussichten des schwedischen Telekom-Ausrüster Ericsson regierte. Der Konzern gehe in diesem und im kommenden Jahr von weiter sinkenden Infrastrukturausgaben der Branche aus und erwarte bei Mobilfunksystemen allenfalls ein geringes Wachstum, hieß es. Auch nehme der Markt das neue GPRS-Netz langsamer auf als erwartet. Klare Anzeichen für eine Verbesserung seien derzeit nicht zu erkennen. "Das dämpft die Rallye bei den Telekom-, Medien- und Technologieaktien", sagte ein Aktienstratege einer großen deutschen Bank.
Eine Elefantenhochzeit hatte noch am Morgen für Furore gesorgt, doch sie konnte die Märkte nur für einen kurzen Moment beflügeln. Hewlett-Packard übernimmt Compaq für rund 25 Milliarden Dollar in Aktien. Damit entsteht ein Computer-Gigant, der fast an Branchenführer IBM heranreicht. Die HP-Aktie gab in Frankfurt deutlich nach, während Compaq zeitweise zweistellig anzog.
Autowerte fahren vorn
Autotitel führten am Nachmittag den Dax an. BMW-Aktien legten trotz des Rückrufs beim BMW-Mini um 5,03 Prozent auf 36,97 Euro zu. Die Titel von DaimlerChrysler und Volkswagen notierten jeweils 4,5 beziehungsweise 4,6 Prozent fester: Volkswagen hat im August in Nordamerika trotz des schwachen Automarkts 13 Prozent mehr Fahrzeuge verkauft als vor einem Jahr, und bei DaimlerChrysler werden heute Absatzzahlen erwartet. Zudem hilft der schwache Euro. Nach Informationen von "manager-magazin.de" soll der ehemalige BMW-Chef Bernd Pischetsrieder am Freitag vom VW-Aufsichtsrat zum Nachfolger von VW-CEO Ferdinand Piëch bestimmt werden.
Neben den Autotiteln legte auch die Aktie des Pharmakonzerns Schering deutlich zu und verteuerte sich um 2,7 Prozent auf 59,40 Euro. Nach Einschätzung von Analysten werde Schering als Anteilseigner davon profitieren, wenn Bayer die Pflanzenschutzsparte CropScience von Aventis kauft.
Die T-Aktie hat ihre Gewinne wieder vollständig abgegeben und notierte am Nachmittag nahezu unverändert auf 16,45 Euro. Zum Handelsstart notierte der Titel noch mit knapp vier Prozent im Plus. Der Verkauf der restlichen zwei Drittel des TV-Kabelnetzes der Deutsche Telekom an den US-Konzern Liberty Media ist perfekt. Der Kaufpreis (5,5 Milliarden Euro) wird aber nur zum Teil in bar bezahlt - Börsianer befürchten, dass die Schuldentilgung der Telekom damit schleppender verläuft als erhofft.
Infineon, Siemens und Epcos gaben einen Großteil ihrer Gewinne wieder ab, präsentierten sich aber weiterhin freundlich. Der Softwarehersteller SAP gab nach dem Kurssturz am Montag im frühen Handel um weitere 1,5 Prozent nach, kletterte im weiteren Verlauf aber wieder nahe dem Vortagesschlusskurs von 141,20 Euro. Anleger befürchten, der Konzern werde am 18. Oktober schlechtere Zahlen als erwartet vorlegen. Zudem belasteten Gerüchte, SAP werde eine Wandelanleihe begeben.
Neuordnung im Stoxx
Die Schwäche der Telekomwerte drückt sich auch in der Neuordnung der Stoxx-Indizes aus. Der französische Baustoffhersteller Saint Gobain wird den niederländischen Telefonkonzern KPN im Euro Stoxx 50 ersetzen. Im Stoxx 50 räumt der Telekomausrüster Marconi seinen Platz für den Konsumgüterhersteller Unilever. Auch die France Telecom nimmt Abschied aus dem Stoxx Index: Für den Telekomkonzern rückt der Wasserversorger Suez auf, teilte Stoxx Limited in der Nacht zu Dienstag mit.
Neuer Markt: Kabelnetz-Deal stärkt Primacom
Auch der Neue Markt konnte von den Nachrichten aus den USA nur kurz profitieren. Im Nemax 50 verzeichnete immerhin der Netzbetreiber Primacom deutliche Zuwächse. "Der Abschluss des Verkaufs hat die Aktie beflügelt, weil Liberty Gerüchten zufolge auch Primacom übernehmen will", sagte ein Händler. Die Papiere gewannen rund 27,8 Prozent auf 5,01 Euro. Am Ende des Nemax 50 notierte SAP SI mit Verlusten von rund 2,9 Prozent auf 20 Euro.
Die Titel der Constantin Film haben die Gewinnerliste des Nemax 50 angeführt. Das Papier stieg um über 11,11 Prozent auf 10,50 Euro. Das Papier des Filmverleihers profitierte von den am Dienstag veröffentlichten Kinobesucherzahlen. Danach haben bereits 6,3 Millionen Zuschauer den Constantin-Film "Der Schuh des Manitu" gesehen. "Eine Millionen Besucher bedeuten fünf Millionen Mark Umsatz für den Filmverleiher", sagte ein Medien-Analyst. Der Film sei der zweit erfolgreichste deutsche Film aller Zeiten, ergänzte ein anderer Börsianer. Auch in Österreich laufe der Film "ausgesprochen gut".
Kurs des Euro gefallen
Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,8868 (Montag: 0,9072) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1804 (2,1559) Mark.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6197 (0,6235) Pfund, 107,10 (107,92) Yen und 1,5151 (1,5156) Schweizer Franken fest.