Börse am Nachmittag: BASF leidet unter Gewinnwarnung - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag BASF leidet unter Gewinnwarnung

Die deutschen Aktienmärkte notieren nach Handelsbeginn an der Wall Street wieder fester. Preussag und die HypoVereinsbank legen deutlich zu. BASF bleibt dagegen nach einer Gewinnwarnung unter Druck.
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Frankfurt am Main - Der Dax hat nach Eröffnung der Wall Street wieder angezogen und notierte um 16.30 Uhr rund 0,9 Prozent fester auf 4552 Zählern. Am Neuen Markt kletterte der Nemax 50 um 2,6 Prozent auf 1023 Punkte.

Die US-Börsen eröffneten zwar im Minus, präsentierten sich nach einer Handelsstunde jedoch wieder freundlich. Der Dow Jones stieg um 0,4 Prozent auf 9237 Punkte, die Nasdaq stand bei 1687 Zählern, ein Plus von einem Prozent. In New York warten Händler wieder auf eine Reihe wichtiger Quartalszahlen. Heute stehen noch an: American Express, Moody's und Vitesse Semiconductor. Von der Konjunkturseite werden noch die Frühindikatoren für den Monat September erwartet.

Bereits vor Börseneröffnung hatte SBC Communications Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt, die etwas unter den Erwartungen der Analysten lagen. Etwas über den Erwartungen lagen die Zahlen bei Minnesota Mining & Manufacturing (3M). Der Gewinn von Sonderfaktoren war im dritten Quartal zwar von 1,25 Dollar auf 1,10 Dollar gefallen, jedoch hatten die Analysten beim Mischkonzern im Durchschnitt lediglich mit 1,09 Dollar gerechnet.

In Frankfurt verlief der Handel ruhig, sagten Händler. Ingo Nix, Aktienhändler bei Schröder Münchmeyer Hengst, rechnet angesichts der anstehenden Flut von Geschäftszahlen mit einer Zurückhaltung der Anleger. Lebhaften Handel werde es nur in jenen Werten geben, die gerade Zahlen präsentierten. Ansonsten werde abgewartet. Risikofreudige Anleger sorgten bei Infineon und den Aktien des Neuen Marktes für Kursbewegung.

Gewinnwarnung von BASF drückt die Chemiewerte

Im Mittelpunkt des Handelsgeschehens in Frankfurt standen die Papiere von BASF   . Das Papier war mit einem Kursabschlag von drei Prozent auf 36,89 Euro größter Verlierer im Dax. Auslöser für den Kursrutsch war eine Äußerung des Vorstandsvorsitzenden Jürgen Strube. In einem Interview hatte Strube erklärt, der Konzern werde wegen der weltweiten Konjunkturschwäche die angekündigte Steigerung des Ergebnisses nicht erreichen. Analysten kommentierten die Ankündigung als "waschechte Gewinnwarnung". Im Sog der BASF-Aktie fielen auch die Titel von Bayer  , die rund 1,5 Prozent nachgaben.

Die Angst vor einer möglicherweise noch in dieser Woche anstehenden Gewinnwarnung drückte nach Angaben von Händlern auch die Papiere der Deutschen Bank   , die 1,8 Prozent auf 58,29 Euro nachgaben. Auch ein Bericht des SPIEGEL , wonach die zwei US-Töchter der Bank in diesem Jahr massive Verluste von bis zu 600 Millionen Markt erwarten würden, sorgte für schlechte Stimmung auf dem Parkett.

Die Gewinnerliste wurde von Preussag   und der HypoVereinsbank   angeführt. Die Aktien der Münchener Bank legten um 3,1 Prozent auf 34,16 Euro zu, nachdem das Gerücht über einer mögliche Übernahme durch die Münchener Rück bereits am Freitag für Aufsehen gesorgt hatte. Für die Anteilsscheine des Tourismuskonzerns ging es um 3,6 Prozent auf 27,70 Euro aufwärts. Nach Ansicht eines Händlers legten die Aktien bei geringem Volumen zu, während bis zu einem Preis von 28 Euro kaum Aktien in den Orderbüchern zum Verkauf stünden. Schon bei geringer Nachfrage könnten die Kurse deshalb in einem ausgetrockneten Markt kräftig anziehen. Die Preussag-Aktie sei kein breit gestreutes Papier, fügte er hinzu. Es würden sich einzelne institutionelle Anleger wieder für den Wert interessieren.

Die Technologiewerte präsentierten sich nach einem verhaltenen Start im weiteren Handelsverlauf fester. Infineon-Titel   (plus 2,5 Prozent auf 16,40 Euro) legten deutlich zu. Aber auch die Aktien von SAP   (plus 1,4 Prozent auf 112,80 Euro), Epcos   (plus 1,1 Prozent auf 48,34 Euro) und Siemens   (plus 0,1 Prozent auf 49,35 Euro) zeigten sich freundlich.

SAP-Chef Hasso Plattner hatte im Gespräch mit dem "Tagesspiegel" (Montagausgabe) angesichts der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung Entlassungen beim größten deutschen Softwarekonzern nicht mehr ausgeschlossen. In der vergangenen Woche hatte SAP parallel zur Vorlage enttäuschender Quartalszahlen seine Umsatz- und Gewinnprognosen für das Geschäftsjahr 2001 nach unter revidiert.

Volkswagen-Aktien   gewannen rund ein Prozent hinzu. Vorstandschef Ferdinand Piëch zeigte sich trotz der Anschläge vom 11. September optimistisch für das Gesamtjahr. "Bisher liegen wir konzernweit im Verkauf rund 2,1 Prozent über dem Vorjahr", sagte er der Tageszeitung "Die Welt". Im September hatte VW bei der Vorlage der Konzernzahlen allerdings für die ersten acht Monate 2001 noch einen Zuwachs von 2,7 Prozent auf 3,48 Millionen verkaufte Fahrzeuge ausgewiesen. Demnach habe VW in den vergangenen Wochen offenbar Absatzeinbußen hinnehmen müssen, merkte die Nachrichtenagentur Reuters kritisch an.

Unverändert notierten die Aktien von DaimlerChrysler   . Der Konzern legt am Dienstag seine Quartalszahlen vor. BMW-Anteilsscheine   drehten ins Plus und legten 2,5 Prozent auf 34 Euro zu.

Lufthansa schließt einen Erlöseinbruch im vierten Quartal in der Größenordnung von bis zu 500 Millionen Euro nicht aus. Nicht kommentieren wollte die Lufthansa einen Bericht der "Frankfurter Allgemeine Zeitung", wonach das geplante Kostensenkungsprogramm einen Umfang von 300 Millionen Mark haben soll. Die Aktie notierte rund zwei Prozent schwächer auf 11,66 Euro.

Neuer Markt behauptet sein Plus

Die Eröffnung der US-Börsen hat dem Neuen Markt kaum Impulse gegeben. Händler in Frankfurt monierten geringe Umsätze und kaum Eigenleben der Wachstumsbörse. Der Indexanstieg liege an wenigen Schwergewichten, sagte ein Händler, warnte jedoch, dass bei diesen das Aufwärtspotenzial aber begrenzt sei.

Die Gewinnwarnung des Chipkartenbrokers ACG   kam für einige Börsianer nicht überraschend: "Von seinen Prognosen hat das Unternehmen schon einige zurückgenommen", sagte ein Händler. Nach einem schwachen Start drehte die Aktie ins Plus und kletterte zuletzt sogar um mehr als 1,5 Prozent auf 3,95 Euro. "Der Aktienkurs ist schon so weit unten, dass ACG eigentlich nur noch einen Optionsschein darstellt", begründete ein anderer Händler den Kursgewinn. Professionelle Anleger würden aber schon seit langem "die Finger von der Aktie lassen", hieß es.

Der Komponentenhersteller Balda   hat seine Umsatzerlöse im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 5,4 Prozent auf 40,8 Millionen Euro gesteigert. Wie das Unternehmen am Montag bekannt gab, konnte auch das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 3,2 Millionen Euro im zweiten Quartal auf 3,7 Millionen Euro im dritten Quartal verbessert werden. Das Papier gab im Handelsverlauf einen Teil seiner Gewinne wieder ab, notierte mit 7,92 Euro aber noch mit mehr als fünf Prozent im Plus.

Die Papiere des Biotechnologieunternehmens November stiegen um 22,6 Prozent auf 7,60 Euro. Das Erlanger Unternehmen kann laut Presseberichten seine Technologie jetzt auch zur Bekämpfung von Markenpiraterie einsetzen. "Wir haben die Technologie in der vergangenen Woche auf einer Messe in Amsterdam vorgestellt und eine gute Resonanz gehabt", sagte Vorstandsvorsitzender Wolf M. Bertling zu dpa-AFX. Aktienhändler warnten davor, dass die Gewinne im Tagesverlauf wieder mitgenommen werden könnten.

Die Aktien des Softwareanbieters WapMe Systems verloren unter hohen Umsätzen rund 60 Prozent ihres Wertes und notierten auf 4,55 Euro. Mitte September hatten die Titel auf einem Jahrestief bei drei Euro notiert und waren durch Übernahmegerüchte bis auf 22,49 Euro getrieben worden. "Wer bei solchen Werten, dann doch Geld verliert, den kann ich nicht bemitleiden", sagte ein Händler.

Kurs des Euro gefallen

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs des Euro auf 0,8969 (Freitag: 0,9009) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2, 1807 (2,1710) Mark.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6270 (0,6249) Pfund, 109,18 (109,10) Yen und 1,4754 (1,4777) Schweizer Franken fest.