Börse am Nachmittag: BMW gibt Gas - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag BMW gibt Gas

Der Dax konnte nach einem kurzen Einbruch am Nachmittag wieder deutlich zulegen. BMW macht einen großen Satz nach vorn im Dax. Auch andere Autowerte legen zu. Lufthansa dagegen verharrt im Sinkflug.
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Frankfurt am Main - In Erwartung der Zinsentscheidung der US-Notenbank haben die amerikanischen Börsen im Plus eröffnet. Der Dow Jones stand gegen 16.45 Uhr mit 0,2 Prozent im Plus auf 8853 Zähler. Der Nasdaq Composite notierte rund ein Prozent fester auf 1493 Punkte. Indes wird ein Militärschlag gegen das Taliban-Regime immer wahrscheinlicher. Der britische Premier Toni Blair erklärte: Ziel der Militäraktionen werde es sein, die Terroristenlager und die Streitkräfte der Taliban auszuschalten. Dabei werde man "alles Menschenmögliche tun", um Zivilisten zu schonen. Es gebe jedoch keine Alternative zu einer militärischen Antwort.

Der Dax rutschte zeitweilig in die Verlustzone, konnte sich zuletzt aber auf plus 1,0 Prozent oder 4282 Zähler berappeln. Der Nemax 50 rutschte mit 0,2 Prozent auf 777 Zähler ins Minus. Anleger agierten vor der Zinsentscheidung vorsichtig, hieß es am Markt.

Cropscience-Verkauf abgeschlossen

Neben Autotiteln gaben defensive Werte im Dax gaben den Ton an. Schering   gehörte weiter mit Kursaufschlägen von rund drei Prozent zu den Gewinnern. Bayer   (minus 0,36 Prozent auf 30,37 Euro) hat die Pflanzenschutzsparte CropScience für 7,25 Milliarden Euro gekauft und damit die teuerste Investition seiner Unternehmensgeschichte über die Bühne gebracht. An dem Pflanzenschutzhersteller waren Aventis mit 76 Prozent und Schering mit 24 Prozent beteiligt - für Schering bedeutet dies einen Erlös von rund 1,5 Milliarden Euro. Bayer gab dagegen weiter nach: Das Unternehmen hat bekannt gegeben, auf Grund der Belastungen durch Lipobay weitere 1250 Stellen zu streichen.

Neben Schering gehörten Adidas   , Henkel   und Fresenius   zu den Gewinnern. Pharma-Aktien sind trotz vergleichsweise hoher Bewertungen in unsicheren Zeiten gesucht, meinte ein Händler.

Infineon verliert weiter

Die Aktie des Chipherstellers Infineon   gehörte gemeinsam mit Lufthansa   zu den größten Verlierern im Dax. Infineon notierte zeitweise unter 12 Euro. Lufthansa-Papiere fielen auf 9,76 Euro: ein Abschlag von 7,31 Prozent. Händler machten die Gewinnwarnung des Computerherstellers Compaq für die erneuten Verluste bei Infineon verantwortlich. "Es herrscht enorme Unsicherheit im Halbleitersektor", sagte Ingolf Böhle von Delbrück Asset Management.

Wie unsicher der Markt sei, habe die negative Reaktion der Anleger auf den Kapazitätsabbau bei Infineon gezeigt. Am Montag hatte das Unternehmen Kurzarbeit in München und Regensburg bekannt gegeben. Der Preisverfall bei den ohnehin billigen DRam-Speicherelementen belaste weiterhin den Sektor.

Swissair am Boden, Lufthansa unter Druck

Lufthansa wurde am Dienstag von dem Debakel bei Swissair belastet. Die Schweizer Fluggesellschaft musste den Verkehr teilweise unterbrechen. In London wurden wegen Zahlungsverzug zwei Maschinen beschlagnahmt.

Autowerte konnten sich wieder aus der Verlustzone befreien. BMW   machte einen großen Satz auf plus 2,88 Prozent bei 28,98 Euro. DaimlerChrysler   kletterte auf plus 2,25 Prozent bei 34,56 Euro. Volkswagen   steigen um 0,53 Prozent.

Die T-Aktie gab zuletzt knapp 0,4 Prozent nach. Die Deutsche Telekom will einem Pressebericht zufolge große Teile der Verlust bringenden Tochter DeTe Immobilien verkaufen. Käufer von 75 Prozent der Sparte Immobilienbewirtschaftung (Facility Management) sei das Londoner Unternehmen Trammell, Crow Savills (TCS), meldet die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Unternehmenskreise.

Neuer Markt knapp behauptet

Mit dem Internet-Dienstleister Kabel New Media wird die erste Pleitefirma vom Neuen Markt gestrichen. Als Gründe nannte die Deutsche Börse am Dienstag die Eröffnung des Insolvenzverfahrens sowie Verstöße gegen Börsenregeln. Der Rauswurf des Hamburger Unternehmens erfolge zum 2. November. Die Zulassung zum Geregelten Markt sei von dieser Entscheidung unberührt. Die Aktie war zuletzt noch acht Euro-Cent wert.

Seit dieser Woche gelten am Neuen Markt verschärfte Regeln. Sie ermöglichen nach bestimmten Fristen die Streichung von Billig-Aktien unter einem Euro und insolventen Firmen.

Im Nemax 50 standen MorphoSys   (plus 19 Prozent auf 39,35 Euro) und MediGene   (plus zehn Prozent auf 11,39 Euro) in der Spitze des Index. MediGene hat unter anderem von einer Kooperation mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum profitiert. Aixtron   legte zuletzt noch 1,70 Prozent auf 17,40 Euro zu. Der Hersteller von Anlagen zur Produktion von Verbindungshalbleitern wird nach den Worten von Vorstand Kim Schindelhauer Ziele im Jahr 2001 erreichen.

Zinssenkung erwartet

Die Entscheidung des Offenmarktausschusses (FOMC) der US-Notenbank Fed soll heute um 20.15 Uhr deutscher Zeit bekannt gegeben werden. Sollte die Erwartung der Analysten eintreten, wird der entscheidende Zinssatz für Tagesgeld erneut um 50 Basispunkte auf dann 2,5 Prozent gesenkt werden.

Es wäre die neunte Zinssenkung in den USA in diesem Jahr. Für den Rest des Jahres rechnen Marktteilnehmer darüber hinaus mit einer weiteren Zinssenkung. Bis zum Dezember könnte der Leitzins in den USA auf 2,0 Prozent gesenkt werden und damit den tiefsten Stand seit den 1980er Jahren erreichen.

Euro

Der Kurs des Euro ist am Montag leicht gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,9189 (Montag: 0,9125) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1284 (2,1434) Mark. Zuletzt gab der Euro auf 0,9174 Dollar nach.