Börse am Nachmittag DaimlerChrysler prescht vor
New York / Frankfurt am Main Der Dow Jones konnte nach schwachem Start seine Verluste reduzieren und pendelte nach 45 Handelsminuten um den Vortagesschluss von 10.142 Punkten. Der Nasdaq Composite setzte mit einem Verlust von 0,4 Prozent auf 1752 Punkte seine Talfahrt fort.
Die optmistische Prognose des französisch-italienischen Elektronikkonzerns STMicroelectronics konnte zunächst für keinen Stimmungsumschwung in der Technologiebranche sorgen. Das Unternehmen erwartet nach einem Umsatz- und Gewinneinbruch im ersten Quartal 2001 wieder ein deutliche Besserung beim Absatz. Die Börsianer an der Wall Street warten im Tagesverlauf auf die Daten des Internet-Versandhauses Amazon.com, und auch hier dürften die Zahlen eher trübe sein. Nach schwarzen Zahlen im vierten Quartal 2001 dürfte das Unternehmen nach Einschätzung von Branchenexperten im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres wieder in die Verlustzone gerutscht sein.
Pessimistische Geschäftsaussichten und schwache Quartalszahlen der Telekomkonzerne WorldCom und Ericsson hatten bereits am Montag die Wall Street belastet. Der Glasfaser-Hersteller Corning wies Montag nach Börsenschluss einen Verlust für das erste Quartal von zehn Cent je Aktie aus. Auch der Halbleiter-Spezialist Altera konnte die Analystenerwartungen leicht übertreffen, gab aber dennoch zum Auftakt nach. Nach Händlerangaben sind die Anleger weiterhin besorgt über die schwachen Ergebnisse der Telekommunikationsunternehmen.
Dax weitet Verluste aus
Der Dax weitete nach Handelsstart in den USA seine Verluste auf 0,5 Prozent auf 5180 Punkte aus. Auch die Wachstumswerte im Nemax 50 rutschten um weitere 0,7 Prozent auf 880 Punkte ab: Mit der Zurücknahme der Delisting-Regeln hat sich die Deutsche Börse erneut blamiert und unter Beweis gestellt, dass sie dem Vertrauensverlust des Segmentes kaum etwas entgegenzusetzen hat. Auch beim Skandal-Unternehmen Comroad weiten sich die Betrügereien auf die Jahre 1999 bis 2000 aus. "So ist der Neue Markt nicht mehr zu retten", kommentierte ein Händler.
Verluste bei den Chemiewerten und der T-Aktie belasteten den Dax. Das Papier der Deutschen Telekom fiel nach Bekanntgabe der Zahlen zuletzt um knapp zwei Prozent auf 16,38 Euro ab. Die Telekom strebt im laufenden Geschäftsjahr weitere Zuwächse beim Umsatz und beim operativen Ergebnis an, rechnet aber weiter mit Belastungen durch Zinsaufwand und Abschreibungen. Der Schuldenberg ist im ersten Quartal auf rund 67 Milliarden Euro angestiegen. Immerhin steuert die US-Tochter Voicestream erstmals ein positives Ebitda bei.
Bayer unter Druck
Die Papiere von Bayer gaben drei Tage vor der Hauptversammlung um mehr als drei Prozent nach. Die Aktie litt auch unter dem verhaltenen Ausblick des Schweizer Konkurrenten Syngenta. Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer will bis zum Ende des laufenden Jahres entscheiden, wie die Zukunft seiner Pharmasparte aussehen soll. Im Pharma-Bereich sucht Bayer seit längerem nach Partnern. Die Verluste bei Bayer belasteten auch BASF , die 2,6 Prozent verloren.
Infineon besser als erwartet
Die Aktien von Infineon waren mit einem Verlust von 0,9 Prozent noch stärkster Technologiewert. Der Halbleiterhersteller hat zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2001/02 (30. September) wegen gestiegener Nachfrage und höherer Preise das Minus vor Steuern und Zinsen von 564 Millionen Euro auf 178 Millionen Euro reduziert. Damit übertraf der Konzern die Erwartungen der meisten Analysten. Für die kommenden Monate gab sich Infineon aber nur vorsichtig optimistisch. Epcos und Siemens gaben ebenso wie SAP deutlich nach.
DaimlerChrysler profitiert von Airbus
Gewinner im Dax waren bis zum Nachmittag die defensiven Werte Schering , Henkel und DaimlerChrysler mit Zuwächsen zwischen 1,2 und 2,1 Prozent. Beim Pharmakonzern Schering erwarten Anleger am Freitag offenbar gute Quartalszahlen. Das milliardenschwere Airbus-Projekt kommt offenbar voran, so dass DaimlerChrysler und die Beteiligung EADS profitierten.
MDax: Kamps und Barilla einig
Europas führender Großbäcker Kamps gibt seinen Widerstand gegen die Übernahme durch den weltweit größten Pasta-Hersteller Barilla auf. Kamps und Barilla einigten sich unmittelbar vor der Hauptversammlung des Düsseldorfer Konzerns auf ein erhöhtes Angebot von 12,50 Euro je Kamps-Aktie durch Barilla. Zuletzt notierte die Aktie bei 12,41 Euro. Vor Handelsbeginn hatte der Backkonzern seine Geschäftszahlen vorgelegt.
Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport hat im abgelaufenen Jahr einen Gewinn je Aktie von 1,12 Euro erzielt. Analysten hatten zuvor ein Ergebnis zwischen 1,27 und 1,70 Euro erwartet. Die ebenfalls im M-Dax notierte Aktie rutschte knapp zwei Prozent in die Verlustzone.
Penny Stocks triumphieren über Deutsche Börse
Die Chancen für eine Bereinigung des Neuen Marktes sinken weiterhin. Nach einer Entscheidung des Oberlandesgerichtes Frankfurt zu Gunsten der "Penny Stocks" hat die Deutsche Börse ihre Delisting-Regeln ausgesetzt. Weiterhin stellte sich am Nachmittag heraus, dass das inzwischen aus dem Neuen Markt entfernte Skandal-Unternehmen Comroad seit Jahren systematisch Bilanzen gefälscht hat. "So hat der Neue Markt keine Chance. Die Deutsche Börse zeigt sich ohnmächtig, und Investoren verabschieden sich im großen Stil", kommentierte ein Börsianer.
Thiel-Aktie findet keinen Boden
Auch bei Thiel Logistik setzte sich die Talfahrt fort. Das Unternehmen gehörte gemeinsam mit Senator mit einem Verlust von zehn Prozent zu den schwächsten Werten im Index. Trotz der Beteuerung von Unternehmenschef Günter Thiel, die Bilanzen seien in Ordnung, verabschieden sich weitere Investoren.
Zu den Gewinnern im Nemax 50 gehörten viele Biotechnologiewerte. Evotec , MorphoSys und MediGene verzeichneten Zugewinne zwischen 5,1 und 3,5 Prozent.
Der Euro notierte am Nachmittag weiter knapp unter 0,89 Dollar. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 0,8872 (Montag: 0,8882) Dollar festgesetzt.