Börse am Nachmittag: Dax bricht ein - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Dax bricht ein

Die kräftige Zinssenkung der Fed ist an den US-Börsen verpufft. Die ruhige Hand der EZB schickt den Dax in den Keller. In New York geben Cisco und Intel deutlich nach, und in Frankfurt beziehen Technologie- und Finanzwerte Prügel.
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New York / Frankfurt am Main – Ein schwacher Start der US-Börsen sowie die Enttäuschung darüber, dass die EZB trotz der aggressiven Zinssenkung der Fed am Vortag die Leitzinsen in der Eurozone unverändert gelassen hat, hat den Dax am Donnerstag in den Keller geschickt. Der Index baute seine Verluste im Gleichschritt mit den US-Börsen aus und fiel bis 17 Uhr um 5,0 Prozent auf 3139 Zähler. Der Nemax 50 gab 4,5 Prozent auf 426 Punkte ab.

Technologie- und Finanzwerte unter Druck

Zu den größten Verlierern gehörten Technologie- und Finanzwerte. Die größten Verluste im Dax verbuchten Epcos  , MLP   und die HypoVereinsbank   mit Verlusten zwischen 4,9 und 6,5 Prozent. Auch Allianz   und Deutsche Bank   tendierten sehr schwach.

Lediglich die Pharmawerte Fresenius Medical Care   und Schering konnten sich dem schwachen Trend entgegen stemmen und tendierten knapp behauptet.

In New York bauten Dow Jones (minus 1,4 Prozent) und Nasdaq Composite (minus 2,3 Prozent) ihre Verluste weiter aus. Einen Tag nach der überraschend deutlichen Zinssenkung durch die US-Notenbank von 1,75 auf 1,25 Prozent sorgen Gewinnmitnahmen, die Angst vor einem baldigen Militärschlag gegen den Irak und der zurückhaltende Ausblick von Cisco Systems   für eine schwache Tendenz. Die Fed hatte ihren aggressiven Zinsschritt unter anderem mit "geopolitischen Risiken" begründet.

Cisco erwartet schwaches viertes Quartal

Der weltgrößte Netzwerkausrüster Cisco   startete mit Verlusten. Der Konzern hat am Mittwoch nach Börsenschluss Quartalszahlen veröffentlicht, die über den Erwartungen lagen. Allerdings enttäuschte der Ausblick des Unternehmens die Anleger: Cisco rechnet damit, dass der Umsatz im vierten Quartal "bestenfalls stagnieren" wird. Auch der Chiphersteller Intel   gab zum Auftakt deutlich nach: Analysten äußerten sich skeptisch, dass sich die Chippreise rasch erholen würden.

Nach dem Anstieg von mehr als 1000 Punkten im Dow während der vergangenen vier Wochen wird die Luft nach oben langsam dünn. Anleger warten zudem auf die Quartalsergebnisse des Unterhaltungskonzerns Walt Disney   heute im Laufe des Tages. Außerdem steht die US-Mineralölgesellschaft ExxonMobil   im Fokus der Anleger: Der Konzern will bis 2010 insgesamt rund 100 Milliarden US-Dollar in die Erdölförderung investieren.

Märkte warten auch auf neue US-Konjunkturdaten

Offenbar hat die aggressive Zinssenkung durch die Fed die Zweifel der Investoren am Zustand der Konjunktur verstärkt. "Jetzt dürfte jedem klar sein, dass die US-Konjunkturerholung auf wackeligen Beinen steht", kommentierte ein Händler. Die Produktivität ist im dritten Quartal um vier Prozent gestiegen, nach 5,3 Prozent im Vorjahreszeitraum. Außerdem werden um 16 Uhr die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe veröffentlicht.

Dax baut Verluste aus

Dax baut Verluste aus

Der Dax hat seinen Abwärtstrend am Nachmittag beschleunigt und fiel wieder unter 3200 Punkte, nachdem er gestern zu Handelsbeginn noch über die Marke von 3400 Punkten gestiegen war. "Eine Korrektur war überfällig – nun muss die Entscheidung der EZB als Anlass herhalten", sagte ein Händler.

Die Entscheidung der EZB setzte am Nachmittag auch die Finanzwerte HypoVereinsbank  , Deutsche Bank   und Allianz   unter Druck. Die Technologiewerte, allen voran Epcos  , Infineon   und Siemens  , litten vor allem unter dem schwachen Cisco-Ausblick und den Verlusten an der Nasdaq.

Gewinnmitnahmen drücken Adidas

Im Fokus standen die Aktien von Adidas Salomon  , die trotz guter Quartalszahlen an Wert verloren. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen. Adidas Salomon hat im dritten Quartal erneut den Gewinn gesteigert und damit die Erwartungen der Analysten übertroffen. In den vier Vorwochen hatte das Papier jedoch bereits mehr als zwanzig Prozent zugelegt.

Der Kurs der Deutsche Post   gab um rund zwei Prozent nach. Goldman Sachs hatte seine Gewinnprognose für das kommende Jahr kräftig gesenkt. Zudem erwartet die US-Investmentbank, dass Post-Chef Zumwinkel seine Gewinnprognose für 2005 um 15 Prozent verfehlen wird.

Metro nach Heraufstufung behauptet

Eine Heraufstufung hat die Aktien des Einzelhandelskonzerns Metro   am Donnerstag gestützt. Das Papier gewann zeitweilig ein Prozent hinzu und pendelte anschließend um den Vortagesschluss. Händler verwiesen auf eine Heraufstufung durch UBS Warburg.

Mobilcom: Schmid-Theater geht weiter

Neuer Markt: Aixtron und Lambda enttäuschen

Angesichts deutlicher Zurückhaltung seiner Kunden hat der Hersteller von Chipmaschinen, Aixtron  , zum dritten Mal in diesem Jahr seine Ergebniserwartung für das Gesamtjahr gesenkt. Das Unternehmen verbuchte im dritten Quartal zudem deutlich weniger Umsatz und Gewinn. Auf mittlere Sicht zeigte sich Aixtron indes zuversichtlich, teilte das Unternehmen am Mittwoch nach Börsenschluss mit. Die Aktie von Aixtron   gab zweistellig nach.

Der Hersteller von UV-Lasern Lambda Physik   hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2002 (30. September) seine selbst gesteckten Umsatz- und Gewinnziele verfehlt. Die Erlöse hätten mit 98,5 Millionen Euro knapp unter den avisierten 100 Millionen Euro gelegen. Das entspreche gegenüber dem Rekordergebnis des Vorjahres einen Rückgang um 29 Prozent. Angesichts der anhaltenden Schwäche in der Halbleiterindustrie rechnet Lambda Physik mit einer verhaltenen ersten Hälfte des neuen Geschäftsjahres 2003. Die Aktie fiel um mehr als fünf Prozent.

MobilCom: Schmid-Theater geht weiter

MobilCom   wird am Donnerstag keinen Antrag auf Insolvenz stellen. "Wir haben noch ein bisschen Luft", sagte Sprecher Matthias Quaritsch auf Anfrage. Die Verhandlungen zwischen MobilCom-Gründer Gerhard Schmid und der Bundesregierung sind am Donnerstag unterdessen wieder aufgenommen worden. Offen ist nach Angaben aus Verhandlungskreisen weiterhin die Frage, wer als Treuhänder für das Aktienpaket von Schmid fungieren soll. An der Börse verzeichnete der Kurs von MobilCom einen Verlust von rund drei Prozent auf fünf Euro.

Euro weiter über Parität

Der Referenzkurs des Euro ist am Donnerstag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 1,0013 (Mittwoch: 0,9955) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9987 (1,0045) Euro.