Börse am Nachmittag Dax hält sich wacker
Frankfurt am Main - Am vorletzten Verfallstermin des Jahres hat sich der Dax am Freitag stabil oberhalb der psychologisch bedeutsamen Marke von 3000 Punkten etabliert. Damit ist die steile Abwärtsfahrt an der Frankfurter Börse zunächst zu Ende. Nach Angaben von Händlern versuchen Marktteilnehmer, den Index über der im frühen Handel nur kurzzeitig gefallenen Marke zu halten.
Bis 16 Uhr kletterte der Dax um zwei Prozent auf 3067 Punkte. Die Nebenwerte stiegen durchschnittlich um 0,6 Prozent auf 2997 Zähler. Am Neuen Markt präsentierte sich der Nemax 50 nur knapp im Plus auf 399 Zählern.
Am großen Verfallstag kam es in der Mittagsauktion, in der Index-Optionen und -Futures an der Eurex verfallen sind, nach Händlerangaben nicht zu dramatischen Veränderungen, aber erwartungsgemäß zu sehr hohen Umsätzen. In der Schlussauktion laufen nun noch die Optionen auf einzelne Aktien aus. Dabei könne es noch einmal zu stärkeren Kursschwankungen kommen, sagte ein Aktienhändler. Der große Verfallstag mit dem Auslaufen von Optionen und Futures wird im Börsenjargon als "dreifacher Hexensabbat" bezeichnet.
"Der Markt ist stark überverkauft", hieß es im Handelsraum der Frankfurter Sparkasse. Trotzdem bedeute der aktuell stabile Dax keine Entwarnung, sagten Händler: "Sollte der Dow Jones unter 7950 Punkte fallen, geht es auch bei uns weiter abwärts", sagte ein Händler. Der Dow Jones war am Donnerstag erstmals seit zwei Monaten unter 8000 Punkte gefallen.
Unterstützt durch den optimistischen Ausblick des US-Telekomausrüsters Qualcomm behauptete sich die Wall Street im frühen Handel. Der Dow Jones kletterte innerhalb der ersten halben Handelsstunde um 0,1 Prozent auf 7949 Punkte. Der Nasdaq notierte auf 1221 Zählern, ein Plus von 0,4 Prozent.
Qualcomm hatte am Vorabend gemeldet, er rechne im ersten Quartal des kommenden Geschäftsjahres mit einer deutlich höheren Nachfrage nach so genannten MSM-Chips für Mobilfunktelefone. Der Absatz werde "deutlich" über der Marke von 20 Millionen Stück liegen.
Allianz führt den Dax an
Eine sehr feste Allianz-Aktie präsentierte sich mit einem Plus von über acht Prozent bei 98,69 Euro und setzte sich damit an die Spitze der Dax-Gewinnerliste. "Diese Aktie ist total unterbewertet", sagte ein Händler. Nachdem die Allianz in den vergangenen Tagen stark verloren habe, könne der Wert heute noch bis 100 Euro laufen, prophezeite er.
Der DaimlerChrysler-Konzern baut das Nutzfahrzeuggeschäft in Asien aus. Die Stuttgarter übernehmen für 760 Millionen Euro 43 Prozent der Lkw-Sparte des japanischen Autobauers Mitsubishi Motors . Auch beteiligen sie sich zur Hälfte an der neuen Nutzfahrzeugtochter des koreanischen Hyundai-Konzerns . "Langfristig gesehen ist das ein gelungener Einstieg in Asien", resümierte ein Händler. Die Aktie von DaimlerChrysler reagierte mit einem Plus von 1,7 Prozent auf 38,10 Euro.
Die T-Aktie lag ebenfalls im grünen Bereich. Händler begründeten das Plus von über fünf Prozent auf 9,90 Euro mit einer plötzlich zurückgezogenen Beschwerde des AGES-Konsortiums gegen die Vergabe des Maut-Systems für Lastwagen auf deutschen Autobahnen.
SAP ein "ausgebombter Wert"
Die Aktien des Softwareherstellers SAP profitierten von einer technischen Reaktion und kletterten auf 55,90 Euro, ein Plus von 5,5 Prozent. "SAP gehört zu den ausgebombten Werten, die jetzt rein technisch gekauft werden", sagte Kristin Wenk, Händlerin von Schröder Münchmeyer Hengst. Stefan Buchholz, Händler der DZ Bank, sieht bei SAP Spielraum bis zu einem Kurs von 59 Euro, falls der Wert die Marke von 57 Euro überschreitet. Das würde starke Kaufsignale auslösen, sagte Buchholz. Bei 50 Euro sieht Buchholz eine untere Trendkanalbegrenzung. SAP sei stark überverkauft und der Chart ein "Trauerspiel".
Die Aktien der RWE haben von einer Heraufstufung durch Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW) von "Halten" auf "Hinzufügen" kaum profitieren können. "Es ist zuviel verbrannte Erde geschaffen worden, da reagieren die Anleger nicht mehr auf Empfehlungen", sagte ein Börsenhändler. Der Wert lag am Nachmittag nur 0,9 Prozent bei 31,31 Euro im Plus. DrKW nennt in einer Analyse vom Freitag 42 Euro als ein neues Preisziel für RWE. Der Essener Energiekonzern habe sich strategisch neu positioniert und durch den Verkauf von Heidelberger Druck und Hochtief die Umstrukturierung abgeschlossen.
Altana vor dem Dax-Aufstieg gesucht
Die ab Montag dem Dax angehörenden Aktien des Pharmakonzerns Altana stiegen um zwei Prozent auf 42,74 Euro. "Die Papiere waren in der Auktion auffällig stark gesucht", sagte ein Händler. Altana wird nach einer Entscheidung der Börse Degussa im Dax ersetzen.
Die Aktie von Jenoptik gehörte zu den größten Gewinnern im MDax. Sie verteuerte sich um über elf Prozent auf 11,61 Euro. Zuvor wurde bekannt gegeben, dass das Thüringer Unternehmen einen Millionenauftrag von der Allianz erhalten hatte.
MobilCom führt den Nemax 50 an
Am Neuen Markt führte die Aktie von MobilCom mit einem Kursaufschlag von annähernd 20 Prozent auf 2,16 Euro die Nemax-50-Gewinnerliste an. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hatte am Morgen einen Pressebericht zurückgewiesen, nach dem MobilCom keine Kredite über die bislang zugesagten 50 Millionen Euro hinaus erhält. "Die bankübliche Prüfung der Kredite über 270 Millionen Euro ist noch nicht abgeschlossen", sagte eine KfW-Sprecherin am Freitag in Frankfurt.
Die Aktie des Biotechnologieunternehmens Farmatic reagierte mit einem Kurssturz von 50 Prozent auf die am Donnerstagabend herausgegebene Gewinnwarnung. Wie das Unternehmen in einer Pflichtmitteilung bekannt gab, geht der Vorstand nunmehr wegen deutlich geringerer Umsätze von roten Zahlen im operativen Geschäft aus. Man rechnet für das laufende Geschäftsjahr nun mit einem Betriebsergebnis (Ebit) in Höhe von minus 15,4 Millionen Euro nach zuvor plus drei Millionen Euro. Die Umsätze würden deutlich geringer ausfallen als bisher angenommen.
Gewinnmitnahmen drücken den Nikkei, Euro unter 0,98 Dollar gefallen
Gewinnmitnahmen drücken den Nikkei ins Minus
Die Aktienbörse in Tokio hat am Freitag schwach geschlossen. Der Nikkei-225-Index büßte 188,54 Punkte oder zwei Prozent ein und schloss beim Stand von 9481 Zählern. Der breit angelegte Topix gab ebenfalls deutlich um 16,38 Punkte oder 1,7 Prozent nach und ging beim Stand von 926 Zählern in ein verlängertes Wochenende. Tokios Börse bleibt am Montag wegen eines Feiertags geschlossen.
Die Reaktion der japanischen Börse auf den angekündigten Aktienkauf der Zentralbank sei am Vortag übertrieben gewesen, sagte Michael Leichsenring von Tsubasa Securities. Nachdem klar geworden sei, dass die Regierung keine dramatischen Reformmaßnahmen ergreifen werde, sei es deshalb zu Gewinnmitnahmen gekommen.
Bankentitel unter Druck
Bankenwerte, die Gewinner des Vortags, zeigten sich schwächer. Mizuho verloren 25.000 auf 262.000 Yen, Mitsubishi Tokyo Financial gaben 41.000 auf 825.000 Yen ab und Sumitomo Mitsui Banking büßten 17 auf 637 Yen ein.
Die Verluste der US-Börsen an der Wall Street drückten auf die Kurse der Zulieferer für die Halbleiterindustrie. Rohm verbilligten sich um 670 auf 14.250 Yen, Nikon sanken um 53 auf 1001 Yen und Advantest gaben um 270 auf 5030 Yen ab.
Euro unter 0,98 Dollar gefallen
Der Kurs des Euro ist am Freitag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,9790 (Donnerstag: 0,9814) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0215 (1,0190) Euro.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6333 (0,6314) britische Pfund, 120,66 (118,85) japanische Yen und 1,4662 (1,4678) Schweizer Franken fest.