Börse am Nachmittag: Dax massiv unter Druck - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Dax massiv unter Druck

Der Kurssturz in Asien zwingt auch den Dax in die Knie. Lediglich der leicht fallende Ölpreis sorgt dafür, dass sich der Dax über der Marke von 3800 Punkten hält. Die Händler bleiben nervös.
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Hamburg - Der hohe Ölpreis und die nahende Zinserhöhung in den USA setzen die weltweiten Börsen immer stärker unter Druck. Die Erholung auf dem US-Arbeitsmarkt sowie die guten Konjunkturdaten quittieren die Börsen mit deftigen Kursabschlägen: Anleger befürchten, dass die Zinsen bereits im Juni steigen und den zuletzt eher sorglosen Konsum der US-Bürger bremsen könnten.

Höhere Zinsen könnten auch ein empfindlicher Dämpfer für die Wachstumsmärkte in Asien sein. Viele Investoren, die zuletzt in China und Japan investiert hatten, dürften wieder umschichten und einen Teil des Geldes wieder in den USA investieren, so die Spekulation. Sowohl der japanische Nikkei als auch der Hang Seng in China brachen am Montag ein.

Verluste an der Wall Street erwartet

Am Freitag hatten Dow Jones   und Nasdaq Composite   im späten Handel bereits deutlich nachgegeben, und auch die US-Futures deuteten kurz vor Handelsbeginn in New York auf einen schwächeren Beginn hin. Der Nasdaq notiert wieder unter der Marke von 2000 Punkten und dürfte in den ersten Handelsminuten weiter nachgeben.

Saudi-Arabien stabilisiert den Dax

Der Dax   nahm die schwachen Vorgaben aus Asien auf und rutschte am Montag innerhalb der ersten beiden Handelsstunden um drei Prozent auf 3780 Punkte. Bei 3780 Punkten verläuft die charttechnisch wichtige 200-Tage-Linie im Dax, die der Index vorerst noch verteidigte.

Der Index profitierte am Mittag jedoch von leicht fallenden Ölpreisen, da Saudi-Arabien angesichts des Preisanstiegs nun die Förderung erhöhen will. Da sich erste Käufer nun wieder in den Markt wagen und die 200-Tage-Linie vorerst verteidigt ist, konnte der Dax  seine Verluste bis 15 Uhr auf 2,1 Prozent reduzieren.

Allianz angezählt

Zu den schwächsten Werten gehörten am Montag die Allianz, Tui   und Lufthansa   mit Verlusten zwischen drei und vier Prozent. Allianz litt ebenso wie die Münchener Rück besonders unter der allgemeinen Schwäche des Marktes, die den Wert der Beteiligungen der Finanzkonzerne mindert.

Auch die Aktien der Deutschen Bank   gaben deutlich nach. Vorstandschefs Josef Ackermann setzt indessen weiterhin auf Übernahmen, um den Abstand zu den Spitzenbanken aus den USA aus Großbritannien zu verringern. Spekulationen, die Deutsche Bank könnte noch vor dem Börsengang der Postbank die Postbank mehrheitlich übernehmen, erhielten dadurch neue Nahrung.

Bayer: Hoher Ölpreis belastet

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer   hat wie bereits auf der Hauptversammlung Ende April angedeutet im ersten Quartal Umsatz und Ergebnis vor Sonderposten etwa stabil gehalten. Im Vergleich zum Vorjahr verringerte sich das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) vor Sonderposten von 841 Millionen im Vorjahr auf 827 Millionen Euro, teilte der Konzern am frühen Montagmorgen in Leverkusen mit. Allerdings lastet der hohe Ölpreis auf dem Konzern.

Die Aktie von Bayer   konnte einen Teil ihrer Verluste wieder wettmachen, nachdem Saudi-Arabien eine Erhöhung der Fördermenge angekündigt und damit für leicht fallende Ölpreise gesorgt hatte.

Lufthansa deutlich unter Druck

Im Blickpunkt steht auch die Lufthansa  : Im Laufe der Woche wird die Airline die Zahlen für das erste Quartal vorlegen. Am Montag stehen die April-Verkehrszahlen an.

2003 hatte die größte deutsche Fluggesellschaft vor allem auf Grund außerplanmäßiger Abschreibungen einen Konzernverlust von 984 Millionen Euro eingeflogen. Für 2004 rechnet die Airline aber mit der Rückkehr in die Gewinnzone. Trotz der hohen Ölpreise ist der Vorstandschef für das eigene Geschäft zuversichtlich. "In unseren Ergebnisprognosen ist der hohe Ölpreis schon enthalten", sagte Mayrhuber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Anleger scheinen davon noch nicht so überzeugt.

Börsenbeben in Japan

Japan trägt seinen Teil zur Verunsicherung bei. Der Nikkei brach um 4,8 Prozent auf rund 10.884 Punkte ein, der größte Tagesverlust seit dem 23. Oktober 2003.

Der breiter gefasste Topix-Index stürzte sogar um 5,7 Prozent auf 1085 Zähler ab, was dem höchsten prozentualen Verlust seit den Anschlägen vom 11. September 2001 entspricht.

Auslöser der Talfahrt an den Aktienbörsen waren die Spekulationen auf eine baldige Zinserhöhung in den USA. Viele Analysten halten es nun für möglich, dass die US-Notenbank (Fed) schon bei ihrer nächsten Sitzung Ende Juni die Zinsen anheben könnte.

Umschichtungen drohen

Diese Spekulationen haben viele US-Investoren veranlasst, ihr Geld aus dem asiatischen Raum wieder abzuziehen, sagten Händler. Vor allem Japan war in den vergangenen Monaten beliebtes Ziel kapitalkräftiger Anleger aus dem Ausland.

Angesichts eines 46-Jahrestiefs von einem Prozent beim US-Leitzins und guten Exportmöglichkeiten nach China und den USA schienen Nippon-Anlagen eine sichere Sache. Mit einer US-Zinserhöhung könnten künftig Dollar-Investitionen jedoch wieder interessanter werden. Zudem ist die Gefahr groß, dass durch die Zinserhöhung das rasante Wachstum in der Region Asien gebremst wird.

NTT Docomo verliert zweistellig

"Sorgen um den steigenden Ölpreis, der ein 13-Jahres-Hoch erreichte, lösten den starken Kursrutsch aus", sagte Masanobu Takahashi, Stratege bei Ichiyoshi Securities. Größter Verlierer in Japan war NTT DoCoMo: Die Aktie brach in Tokio um 13,4 Prozent ein, nachdem der weltweit zweitgrößte Mobilfunkanbieter einen rückläufigen operativen Gewinn und fallende Umsätze für das abgelaufene Geschäftsjahr gemeldet hat.