Börse am Nachmittag Dax profitiert von US-Börsen
Frankfurt am Main Der Dax hat von der behaupteten Eröffnung der Wall Street profitiert und seine Verluste wieder deutlich reduziert. Der Blue-Chip-Index notierte um 16 Uhr nur noch 0,7 Prozent schwächer bei 5884 Punkten. Zuvor war der Index bereits auf 5812 Zähler gefallen. Der Nemax 50 gab 3,6 Prozent auf 1424 Punkte ab.
Entgegen den schwachen Futures und negativer Analystenstimmen behaupteten sich die US-Börsen im frühen Handel. Innerhalb der ersten halben Handelsstunde legte der Dow Jones 0,5 Prozent auf 10.647 Punkte zu. Die Nasdaq kletterte um ebenfalls 0,5 Prozent auf 2002 Zähler.
Dabei war die Nachrichtenlage in New York eher düster: So hatte der Netzwerkkonzern Tellbas eine drastische Gewinn- und Umsatzwarnung ausgegeben, Terradyne gab Entlassungen bekannt und United Airlines erwartet für das laufende Quartal einen zweistelligen prozentualen Umsatzrückgang.
Im Zuge der Infineon-Gewinnwarnung hat zudem noch das renommierte Investmenthaus Lehman Brothers die Prognosen für die Chiphersteller Advanced Micro Devices (AMD) und Intel gesenkt.
Der Flut negativer Stimmen konnte sich der deutsche Aktienmarkt entziehen, vor allem die High-Techs gerieten wieder unter Druck. "Die Umsätze in den Technologiewerten sind sehr hoch", sagte ein Händler. Die Gewinnwarnung von Infineon kam überraschend und zöge die gesamte Branche deutlich ins Minus. Ansonsten warteten die Marktteilnehmer auf die Rede des US-Notenbank-Chefs Alan Greenspan vor dem Bankenausschuss. Darin erhoffen sie sich Aufschluss über die am kommenden Mittwoch erwartete Zinssenkung.
Die kurze Gewinnerliste im Dax wurde am Nachmittag von Metro angeführt. Die Aktie gewann 2,5 Prozent auf 42,88 Euro. Der größte Handelskonzern Deutschlands hatte zuvor bekannt gegeben, im Jahr 2001 auch bei einer stagnierenden Konjunktur ein Konzern-Umsatzplus von sieben Prozent anzusteuern.
Die Aktien von Infineon erlebten einen rabenschwarzen Tag, fielen zuletzt um 13,9 Prozent auf 30,10 Euro und lagen damit deutlich unter dem Emissionspreis von 35 Euro im März 2000. Analysten zeigten sich insbesondere von dem Ausmaß der Gewinnwarnung überrascht.
Der Kahlschlag bei anderen Technologietiteln ging indes weiter. Siemens-Titel verbilligten sich um 5,2 Prozent auf 70,75 Euro. Die Aktien von Epcos notierten 3,8 Prozent schwächer auf 63,05 Euro. Dabei hatte der Vorstand mit Blick auf den fallenden Kurs gegen Mittag noch die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr bekräftigt. Der Aktie indes half dies nicht. Die Papiere von SAP konnten ihre Verlust noch halbwegs begrenzen und standen nach dem Höhenflug der vergangenen beiden Tage zuletzt mit 0,8 Prozent auf 164,30 Euro im Minus.
Zu den Verlierern zählte auch die Lufthansa. Am Tag der Hauptversammlung gab der Titel zuletzt um mehr als drei Prozent nach auf 18,85 Euro. Die Aktie wurde nicht zuletzt durch die Umsatzwarnung der US-Fluggesellschaft United Airlines gedrückt.
Die Lufthansa will sich trotz schwerer Turbulenzen durch die teure Tarifeinigung mit den Piloten und die nachlassende Weltkonjunktur im Wettbewerb behaupten. Vorstandschef Jürgen Weber kündigte an, dass die Rentabilität einzelner Strecken unter die Lupe genommen werde. Es sei ein "Ausweis der Offenheit", dass die Gewinnerwartung für dieses Jahr von einer Milliarde Euro auf 700 bis 750 Millionen Euro gesenkt worden sei.
Wachstumswerte taumeln nach unten
Die Stimmung am Neuen Markt blieb auch nach Eröffnung der US-Börsen schlecht. Im Gütesegment Nemax 50 retteten sich lediglich drei Werte ins Plus. Nur die Aktien von Comroad (plus 7,4 Prozent auf 9,40 Euro), Highlight Communications (plus fünf Prozent auf 4,19 Euro) und Kinowelt (plus 0,4 Prozent auf 2,55 Euro) trotzen dem massiven Abwärtstrend.
Infolge der Gewinnwarnung von Infineon rutschten die Aktien von Chipbrokern ab. ACG-Anteilsscheine verloren 10,7 Prozent auf 17,40 Euro. CE Consumer-Aktien gaben rund elf Prozent auf 7,03 Euro nach.
Schwächster im Nemax 50 waren die Aktien von Morphosys, die zuletzt mehr als 17,1 Prozent auf 41,45 Euro stürzten. "Die Aktie fällt wegen der aktuellen Unsicherheiten um das Winter-II-Patent", sagte Thomas Höger, Biotechnologie-Analyst der DG Bank. Cambridge Antibody Technologie (CAT) habe dieses Patent in den USA erhalten und Morphosys nach Meldung von Nachrichtenagenturen verklagt. Obwohl niemand wisse, was das Patent umfasse und wogegen CAT klagen würde, sorge die Nachricht für Verunsicherung, sagte Höger.
Allerdings kursieren seit gestern auch Gerüchte in Frankfurt, dass ein großer Neuer-Markt-Fonds sich zusehends von der Aktie trennen würde. Ins Gespräch gebracht werden hier die Fonds von Bernd Förtsch, der nach Informationen der "Welt" Berater von insgesamt elf Universal- und Hauck-&-Auffhäuser-Fonds ist.
Kurs des Euro gefallen
Der Kurs des Euro ist am Mittwoch gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,8513 ( Dienstag: 0,8563) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,2975 (2,2840) Mark.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6110 (0,6132) Pfund, 105,00 (105,43) Yen und 1,5248 (1,5300) Schweizer Franken fest.