Börse am Nachmittag Dax rutscht ins Minus
Frankfurt am Main - "Der Börsenhandel in Frankfurt verhält sich wie der 53. Bundesstaat der USA," sagte ein Händler in München. Im Schlepptau einer unentschlossenen Wall Street gab der Dax seine Gewinne wieder ab und notierte um 17.15 Uhr auf 5332 Punkten, ein Minus von 0,2 Prozent. Das Tageshoch wurde am Morgen bei 5378 Punkten gemessen. Am Neuen Markt schrumpften auch die Gewinne im Nemax 50 leicht, der Auswahlindex hielt sich jedoch noch mit rund einem Prozent im Plus bei 961 Zählern. Der MDax der mittelgroßen Aktiengesellschaften behauptete sich mit einem Minus von 0,1 Prozent auf 4514 Zähler nur knapp.
In den USA präsentierten sich die Börsen im frühen Handel nervös. Der Dow Jones notierte nach einer Handelsstunde leicht schwächer auf 10.294 Punkten. Die Nasdaq stieg um 0,4 Prozent auf 1824 Zähler.
Kurz nach Handelsbeginn äußerte sich US-Notenbankpräsidenten Alan Greenspan verhalten optimistisch zu den Aussichten der US-Konjunktur. "Die Stärke der wirtschaftlichen Erholung, die auf dem Weg ist, muss noch geklärt werden", sagte Greenspan in Washington bei seiner mit Spannung erwarteten Anhörung vor dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuss beider Kammern des Kongresses.
Der Notenbankchef warnte, ein deutlicher und dauerhafter Anstieg der Ölpreise könne weit reichende Konsequenzen haben. Es gebe ermutigende Zeichen für einen Anstieg des Endverbrauchs, der als entscheidend für eine dauerhafte Erholung der Wirtschaft gilt, sagte Greenspan weiter.
Positiv wirkten sich die Quartalszahlen großer US-Technologiekonzerne aus. "Der Markt reagiert positiv auf die Zahlen aus den USA", sagte Aktienhändler Norbert Empting vom Börsenmakler Schnigge. "Enttäuschungen gab es nicht."
Aber nicht nur Technologietitel, sondern auch Old-Economy-Werte wie Coca-Cola , Johnson & Johnson und der Automobil-Gigant General Motors meldeten steigende Umsätze und übertrafen die Gewinnerwartungen. Im Techsektor hoben die Ergebnisse von Texas Instruments, Novellus und Philips die Laune der Anleger.
Erfüllte Analystenschätzungen und die Aussicht auf steigende Umsätze haben dem Chiphersteller Intel ordentliche Kursgewinne beschert. Die Aktie stieg um über fünf Prozent und notierte oberhalb der 31-Dollar-Marke. Am Tag nach der Wahrheit hagelte es Analystenkommentare - viele davon vor allem für die Zukunft wohlwollend: Zwar sei das zweite Quartal traditionell das schwächste des Jahres, erklärte Merrill Lynch. Die Analysten seien dennoch überzeugt, dass niedrige Lagerbestände und neue Produkte das Wachstum auch im zweiten Quartal weiter ansteigen lassen. Daher haben die Experten die Gewinnreihe angehoben. Sie rechnen für das Jahr 2002 mit einem Gewinn pro Aktie in Höhe von 77 US-Cent und von 98 Cent im Jahre 2003.
Die steigenden Umsätze lassen darauf hoffen, dass die Nachfrage endlich anzieht. Die Zeichen für eine gute Gesamtbilanz stünden nun nicht schlecht, sagte ein US-Analyst. Nach den Zahlen für das erste Quartal schwinde nämlich die Sorge vor dem zweiten, da Intel sich nicht pessimistisch für das zweite Jahresviertel geäußert habe.
Techtitel im Dax steigen kräftig
Epcos führt die Gewinnerliste an
Epcos-Titel verteidigten trotz der zurückgehenden Indexstände ihre Kursgewinne. Die Aktien des Herstellers elektronischer Bauelemente kletterten um knapp 3,2 Prozent auf 53,01 Euro, während das Kursplus bei Infineon auf 0,4 Prozent zurückging. Die Aktie des Chipherstellers kostete damit 24,30 Euro. "Die Auftragslage der Technologieunternehmen, besonders im Chipbereich, wird besser", sagte Gunther Kramert, Analyst bei der BHF Bank mit Blick auf die US-Quartalszahlen. "Auch die Kostensenkungen greifen jetzt und verbessern die Margen." Hinzu komme, dass sich die meisten Firmen nur sehr vorsichtige Ziele gesetzt hätten.
"SAP-Aktionäre sehen nach den steigenden Kursen der vergangenen Tage in den Quartalszahlen jetzt einen Grund zum Verkauf," sagte ein Händler in Frankfurt. Mit einem Verlust von 3,1 Prozent auf 154,60 Euro notierte die Aktie deutlich schwächer. Am Donnerstag werden die Walldorfer die Bilanz für das erste Quartal vorlegen.
Nach der Dividendenzahlung notierte die Volkswagen-Aktie um 3,6 Prozent leichter auf 58,73 Euro. "Am Vortag mussten sich die Optionsscheinhändler bei einem Kurs über 60 Euro eindecken und das wird nun korrigiert," sagte ein Börsianer.
Studie empfiehlt Schering
Schering-Papiere verteuerten sich um 1,8 Prozent auf 66,49 Euro. Das Multiple-Sklerose(MS)-Medikament Betaferon/Betaseron des Pharmakonzerns ist Erkenntnissen einer zweijährigen Studie zufolge effektiver als das Konkurrenzprodukt des US-Konzerns Biogen.
Die Entscheidung der Europäischen Kommission, die Übernahme der Aventis-Pflanzensparte CropScience durch Bayer unter umfangreichen Auflagen zu genehmigen, wirkte sich positiv auf den Aktienkurs aus. Die Bayer-Papiere stiegen um 0,2 Prozent auf 40,07 Euro.
Barilla will kein höheres Angebot für Kamps vorlegen
Im MDax verloren Kamps-Anteile knapp zwei Prozent auf 12,55 Euro. Der italienische Nudelhersteller Barilla wird nach eigenen Angaben ihr Übernahmeangebot für die Düsseldorfer Großbäckerei von zwölf Euro je Kamps-Aktie nicht aufstocken und einem Medienbericht zufolge ihr Angebot zurückziehen, falls es einen "Weißen Ritter" gebe. Unter Weißen Rittern versteht man Unternehmen, die feindliche Übernahmen verhindern. Aktienhändler Empting sagte, sollte es keine Aufstockung oder ein konkurrierendes Angebot für Kamps geben, werde die Aktie wieder deutlich nachgeben.
Am Neuen Markt stiegen Adva-Papiere um mehr als fünf Prozent auf 3,57 Euro. Die Fujitsu-Tochter Fujitsu Network Communications wird künftig in Nordamerika Produkte des Netzwerkanbieters vertreiben.
Euro auf Drei-Monatshoch - Nikkei mit Rückenwind
Tokios Börse tendiert nach Wall-Street-Gewinnen fest
Beflügelt von positiven Vorgaben der Wall Street hat die Aktienbörse in Tokio am Mittwoch fester geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte legte kräftig um 197,05 Punkte oder 1,7 Prozent auf 11.543 Punkte zu. Der breit angelegte Topix stieg um 11,45 Punkte oder 1,1 Prozent auf 1089 Zähler.
Kurs des Euro gestiegen
Der Kurs des Euro ist am Mittwoch gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8880 (Dienstag: 0,8803) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1261 (1,1360) Euro.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6148 (0,6126) Pfund, 115,97 (115,73) Yen und 1,4707 (1,4695) Schweizer Franken fest.
Damit hat der Euro ein Drei-Monatshoch erreicht. Nach Auffassung von Händlern verteilen Anleger im Vorfeld der Anhörung des Präsidenten der US-Notenbank (Fed) ihre Portfolios um. Der starke Kursanstieg von US-Aktien am Vortag habe zu den Dollarverlusten beigetragen. Da die Titel von US-Kapitalanlagen jetzt sehr teuer seien, suchten die Investoren andere Anlagemöglichkeiten für ihr Geld, sagte Rob Hayward von ABN Amro.
Zudem seien technische Faktoren für die Euro-Gewinne verantwortlich. "Der Dollar testet gerade den unteren Bereich seiner aktuellen Spanne", sagte Hayward weiter. Das ermutige kurzfristig orientierte Anleger zu Stopp-Los-Verkäufen. Von dem Fed-Chef erwarteten die Marktexperten keinen großen Richtungswechsel in seiner Strategie. "Er wird wahrscheinlich eine vorsichtig optimistische Einschätzung der Wirtschaft abgeben", sagte Shahab Jalinoos, Währungsstratege bei UBS Warburg.
Der Yen setzte seine leichte Aufwärtsbewegung gegenüber dem Dollar fort. Nach Händleraussagen, halte sich die japanische Regierung womöglich nur angesichts des bevorstehenden Treffens der G7-Gruppe am kommenden Wochenende mit öffentlichen Kommentaren zurück. "Es besteht der Eindruck, dass das Finanzministerium den Yen nicht zu offensichtlich herunterreden will, um möglicher Kritik aus der G7-Gruppe zu entgehen", sagte ein US-Händler.