Börse am Nachmittag Dax springt über 6000 Punkte
Frankfurt am Main Zum Wochenausklang hellt sich die Stimmung in Frankfurt auf. Der Dax kletterte bis 14.30 Uhr um 0,8 Prozent auf 6017 Punkte. Am Neuen Markt legte der Nemax 50 ein Prozent auf 1430 Zähler zu. Positive Vorzeichen trugen auch die Futures in New York und deuteten damit eine freundliche Eröffnung der Wall Street an.
Mit einem satten Kursaufschlag von über vier Prozent auf 26,93 Euro knüpfte die T-Aktie an die gute Performance des Vortages an. Am Markt gewinnen die Telekomtitel nach den Diskussionen um Schulden und UMTS-Lizenzen langsam wieder an Stärke. Bei hohen Umsätzen deckten sich in- und ausländische Fondsgesellschaften mit der T-Aktie ein. Zudem kursierten Übernahmegerüchte am Markt. Eine Fusion zwischen der niederländischen Telefongesellschaft KPN und der belgischen Belgacom wird nach Ansicht der niederländischen Zeitung "Het Financieele Dagblad" nur ein erster Schritt zu weiteren Konsolidierungen sein.
Unter Abgabedruck litten dagegen die Titel von Siemens, die nach einem kurzen Hoch am Morgen 0,6 Prozent auf 71,25 Euro abgaben. Das gestrige Analystentreffen hat die institutionellen Anleger scheinbar nicht überzeugt. Zwar konnte der Münchener Elektronikkonzern Gerüchte um eine Gewinnwarnung zerstreuen, doch äußerten sich Analysten eher verhalten: Der Technologiekonzern werde bei den Investoren Überzeugungsarbeit leisten müssen, dass es sich bei der positiven Entwicklung nicht nur um eine kurzfristige Angelegenheit handele, hieß es bei Goldman Sachs.
Die Titel der Konzerntochter Infineon notierten mit einem Kursabschlag von 2,1 Prozent auf 27,96 Euro ebenfalls am Dax-Ende. Epcos konnte sich nach der langen Talfahrt wieder erholen und stieg um vier Prozent auf 64,38 Euro.
Die SAP-Aktie verlor 3,6 Prozent auf 160,03 Euro und war damit der schwächste Wert im Dax. Die Walldorfer Softwareschmiede hatte am Morgen bekannt gegeben, mit einer Investition von 225 Millionen Dollar ihren Anteil an der US-amerikanischen Commerce One auf 20 Prozent aufstocken.
Die Versicherungswerte Allianz (plus 2,4 Prozent auf 346,19 Euro) und Münchener Rück (plus 2,8 Prozent auf 333,17 Euro) konnten an die gute Performance vom Donnerstag anschließen.
Autowerte notierten uneinheitlich. Während sich die Anteilsscheine von DaimlerChrysler (plus 1,1 Prozent auf 53,79 Euro) und Volkswagen (plus 0,4 Prozent auf 54,47 Euro) freundlich präsentierten, gaben BMW um 1,4 Prozent auf 38,24 Euro nach.
Kabel New Media stürzt ab
Der Neue Markt hat die Hiobsbotschaften vom Morgen gut verdaut. "Alles Schlechte ist in den Kursen drin, jetzt macht sich ein bisschen Zuversicht für das zweite Halbjahr breit", sagte ein Händler. "Der Aixtron-Schock und die ganzen schlechten Nachrichten der letzten Zeit sind durch." Zum Halbjahresultimo würden noch "die Titel, die niemand haben will", verkauft. Ansonsten gebe es "typische Freitagsumsätze".
Vor Börseneröffnung schockten Kabel New Media und Sunburst Merchandising mit neuen Schreckensmeldungen: Kabel hat einen Zahlungsstopp veranlasst, nachdem die Verhandlungen mit einem Investor abgebrochen wurden. Damit gerät die Internetagentur in finanzielle Schieflage, die Pleite rückt näher. Die Reaktion der Börse war erwartungsgemäß hart. Der eh schon ausgebombte Aktienkurs verlor mehr als 50 Prozent und dümpelte unter der 50-Cent-Marke. Zu den Hochzeiten des Internet-Booms markierte das Papier einen Höchststand von über 80 Euro.
Der schon bekannte Skandalfall Sunburst Merchandising geht in die nächste Runde: Das Amtsgericht Osnabrück wird am 1. Juli 2001 über den Antrag des Unternehmens auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens entscheiden. Der vorläufige Insolvenzverwalter komme in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass die Voraussetzungen für die Eröffnung vorliegen, teilte Sunburst mit. Die Anleger haben das Vertrauen verloren: Die Aktie verlor 37,8 Prozent und fiel auf 0,33 Euro.
Die Aktien von D. Logistics verloren bei hohen Umsätzen 6,7 Prozent auf 14,60 Euro. Händlern zufolge würden sich institutionelle Anleger von dem Papier trennen. Gewinner im Nemax 50 waren die Titel von Lion Bioscience, die annähernd zehn Prozent auf 34,50 Euro zulegten.
Mit einer positiven Nachricht hat Comroad an der Börse einen positiven Eindruck hinterlassen. Das Unternehmen hat sich mit 25 Prozent an der Regensburger Socratec, einem Anbieter von Spezialanwendungen für Verkehrstelematik, beteiligt. Die Aktie stieg um 4,3 Prozent auf 10,30 Euro.
Euro fällt unter 85 Cent
Der Euro hat sich schwächer präsentiert. Gegen 14 Uhr notierte die europäische Gemeinschaftswährung bei 0,8478 Dollar und damit unter der Marke von 0,85 Dollar. Am Vortag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 0,8511 (Mittwoch: 0,8622) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 2,2980 (2,2684) Mark.
Es gebe am Markt die Stimmung, dass die US-Notenbank Fed die richtigen Maßnahmen treffe, um die Wirtschaft zu beleben, begründete Tom Benfer von der Bank of Montreal die Kursgewinne des Dollar. Positiv sei vor allem aufgenommen worden, dass die Fed die Tür für weitere Zinssenkungen in ihrer Begründung noch nicht zugeschlagen habe.