Börse am Nachmittag: Der Dax geht durch die Decke - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Der Dax geht durch die Decke

Die Aktienmärkte machen am Dienstag ihre herben Verluste von gestern mehr als wett. Der Dow Jones schießt zwischenzeitlich mehr als 300 Punkte nach oben, der Dax legt über zweihundert Punkte zu.
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New York/Frankfurt am Main - Nach den deutlichen Kursabschlägen der Vortage - der Dow Jones Industrials hatte innerhalb von drei Handelstagen rund 700 Punkte nachgegeben - kletterte der Index um 287 Punkte (4,2 Prozent) auf 8323 Zähler, während der Nasdaq Composite vier Prozent auf 1254 Punkte zulegte.

Die europäischen Indizes schossen ebenfalls in die Höhe. Der Dax gewann in der pitze fast acht Prozent auf 3593 Zähler. Der Eurostoxx 50 klettert um 4,5 Prozent auf 2639 Punkte. Der Nemax 50 legt 0,5 Prozent auf 490 Zähler zu.

Händler betonten, dass es sich um eine kurzfristige technische Gegenreaktion handeln könnte. Die Nasdaq hatte am Montag ein Fünfjahrestief getestet, der Dax folgte am Dienstag Vormittag mit einem Neuen Fünfjahrestief. Nun sind Schnäppchenjäger unterwegs.

Schafft Cisco zwölf Cent Gewinn?

Experten rechnen bei Cisco mit Gewinn- und Umsatzsteigerungen im vierten Quartal. Die von First Call/Thomson Financial befragten Analysten erwarten, dass der Gewinn je Aktie (EPS) im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum auf zwölf US-Cent gestiegen ist. Der Umsatz wird bei 4,9 Milliarden US-Dollar (Vorjahreszeitraum: 4,3 Milliarden Dollar) erwartet. Die Aktie von Cisco  legte zum Auftakt rund zwei Prozent zu.

Dax erholt sich von Fünfjahrestief - immense Volatilität

Deutliche Gewinne bei Autotiteln, Versicherern und Technologiewerten haben den Deutschen Aktienindex nach einem schwachen Start wieder ins Plus gezogen. Am Vormittag war der Dax noch auf 3235 Zähler und damit auf den tiefsten Stand seit April 1997 gerutscht. Nach der festen Eröffnung in New York kletterte der Index wieder um 4,5 Prozent ins Plus und notierte bei 3479 Punkten: Die Volatilität im Index ist derzeit höher als noch im September 2001.

Ein Frankfurter Händler erklärte die Kursgewinne mit einer "technischen Erholung, die schnell wieder verpuffen könnte". Die Probleme wie Finanzskandale, gedämpfte Konjunkturaussichten und das schwindende Vertrauen der Anleger seien nicht aus der Welt. Noch immer spekuliere der Markt auf einen so genannten "Double Dip", einen erneuten Rückfall der US-Volkswirtschaft in die Rezession. Hinzu komme die Kriegsgefahr im Irak.

Einstiegspreise bei Versicherern?

Die Versicherer zählten zu den größten Gewinnern im Dax. Die Allianz   und die Münchener Rück   legten jeweils rund fünf Prozent zu. Anleger nutzten offenbar die vermeintlich niedrigen Kurse zum Kauf, sagten Händler.

Auch die Aktie von Siemens   verteuerte sich um mehr als fünf Prozent und kletterte über 43 Euro. Die Analysten von JP Morgan haben zwar ihre Siemens-Gewinnschätzungen für die Jahre 2003 und 2004 deutlich gesenkt, an dem Kursziel von 62 Euro jedoch festgehalten.

Autowerte erholen sich – BMW ungebrochen optimistisch

Auch die Autowerte standen nach ihren herben Verlusten der Vortage wieder im Plus: BMW   gewannen 6,11 Prozent auf 39,05 Euro. BMW-Chef Helmut Panke rechnet trotz der Konjunkturschwäche in den USA und Europa für dieses Jahr mit höheren Absatzzahlen. BMW will die Jahreskapazität seines US-Werkes in South Carolina von 120.000 auf 150.000 Stück erhöhen, sagte Panke in einem Interview mit dem "Wall Street Journal". Auch DaimlerChrysler   stiegen um 5,5 Prozent auf 41,28 Euro. Volkswagen   verteuerten sich um 5,1 auf 45,19 Euro.

Commerzbank schreibt schwarze Zahlen

Die Aktie der Commerzbank   präsentierte sich nach einem schwachen Auftakt zuletzt wieder freundlich. Zuvor hatten Spekulationen den Titel belastet, wonach die Frankfurter Bank für das zweite Quartal gerade noch schwarze Zahlen geschrieben hätte und möglicherweise von ihrem Gewinnziel für das Gesamtjahr abrücken müsste.

BASF legt deutlich zu

Auch die BASF-Aktie   legte um mehr als drei Prozent zu. Der weltweit größte Chemiekonzern hat seinen Gewinn im zweiten Quartal merklich erhöht. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" wird das Ludwigshafener Unternehmen am Donnerstag ein Betriebsergebnis vor Sonderposten um die 800 Millionen Euro bekannt geben. Im zweiten Quartal 2001 hatte BASF bei einem Umsatz von 8,33 Milliarden Euro ein Ergebnis von 751 Millionen Euro erwirtschaftet.

Pfeiffer enttäuscht, Morphosys bestätigt Prognose

Die Gewinnerliste im Nemax 50 wurde angeführt von Medigene   und der Aktie von Morphosys  , die sich um rund acht Prozent auf 20,07 Euro verteuerte. Dabei hat Morphosys im zweiten Quartal seinen Verlust vor Zinsen und Steuern von 439.525 auf 6,469 Millionen Euro stärker als von Analysten erwartet ausgeweitet. Die Umsatzerlöse fielen von 5,189 Millionen auf 4,647 Millionen Euro. Gleichzeitig bestätigte das auf die Entwicklung von therapeutischen Antikörpern spezialisierte Unternehmen jedoch die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr 2002.

Die Aktie von Pfeiffer Vacuum   stürzte am Morgen um sieben Prozent auf 18,60 Euro ab, erholte sich am Nachmittag jedoch deutlich. Der Hersteller von Vakuumpumpen wird seine eigene Prognose eines Umsatzwachstums um zwölf Prozent in diesem Jahr voraussichtlich verfehlen. Trotz neuer Produkte und verstärkter Vertriebsaktivität wirke sich der anhaltenden konjunkturellen Schwäche aus, teilte das Unternehmen mit. Der Umsatz werde sich mit einer Schwankungsbreite von plus/minus fünf Prozent auf Vorjahresniveau bewegen, hieß es.

Euro fällt unter die Marke von 97 US-Cent

Sorgen über die Konjunkturaussichten in Europa haben den Euro deutlich unter die Marke von 0,97 Dollar gedrückt. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete gegen 15.30 Uhr 0,9679 Dollar. Am Montag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs noch bei 0,9836 festgelegt. Ein Dollar kostete damit 1,0167 (Freitag: 1,0129) Euro.