Börse am Nachmittag Deutsche Börsen geben nach
Frankfurt am Main Der Dax rutschte kurz nach Eröffnung der Wall Street deutlich nach unten, reduzierte seine Verluste im weiteren Verlauf aber wieder. Um 16.30 Uhr notierte der Blue-Chip-Index nur noch mit 0,2 Prozent im Minus auf 4744 Punkten. Am Neuen Markt gab der Nemax 50 um 2,5 Prozent auf 1082 Zähler nach.
In den USA präsentierten sich die Börsen unentschlossen. Der Dow Jones eröffnete im Minus und notierte nach einer Handelsstunde rund 0,5 Prozent schwächer bei 9396 Punkten. Die Nasdaq kletterte kurzfristig ins Plus, fiel dann aber wieder auf die Vortagesschlusslinie knapp unter der 1800-Punkte-Marke zurück.
Der Augen der Händler in Frankfurt und New York sind auf den geldpolitischen Ausschuss der US-Notenbank gerichtet, der heute tagt. Marktbeobachter erwarten, dass Fed-Chef Alan Greenspan aufgrund der schwachen Konjunkturdaten gegen 20.15 Uhr (MEZ) eine Zinssenkung um 50 Basispunkte bekannt geben wird. Einige Experten argumentieren jedoch, dass die Fed für den Fall einer weiteren Abkühlung noch Pfeile im Köcher behalten wolle und die Zinsen daher zunächst nur um einen Viertel Prozentpunkt senken werde. Dies könnte jedoch Kurseinbrüche an der Börse zur Folge haben, da eine Senkung um 50 Basispunkte bereits eingepreist sei, heißt es am Markt.
Neueste Arbeitsmarktdaten haben dagegen die Stimmung in Frankfurt getrübt: Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist auch im Oktober saisonbereinigt weiter gestiegen. Im Vergleich zum Vormonat nahm die um jahreszeitliche Sondereinflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl um 27.000 auf 3,915 Millionen zu, berichtete die Bundesanstalt für Arbeit am Dienstag in Nürnberg.
Unter den Technologiewerten sorgten die Cisco-Zahlen vom Vortag weiterhin für Kursgewinne. Der weltgrößte Netzwerkausrüster hat einen Pro-Forma-Gewinn von vier Cent pro Aktie, nach 18 Cent im gleichen Quartal des Vorjahres gemeldet. Analysten hatten noch schwächere Ergebnisse erwartet und im Durchschnitt nur mit zwei Cent Gewinn pro Aktie gerechnet. Siemens , Epcos und Infineon notierten deutlich im Plus.
Die stärksten Gewinne unter den Tech-Titeln fuhr die SAP-Aktie ein, die rund vier Prozent auf 128,91 Euro zulegte. "SAP will seine Produkte neu sortieren und über das Internet verkaufen", kommentierte ein Händler den deutlichen Kursanstieg von SAP. Zudem plane das Softwareunternehmen, seine Produkte für die Konkurrenz kompatibel zu machen.
Die Dax-Gewinnerliste wurde angeführt von Adidas Salomon . Der Sportartikelhersteller meldete eine Gewinnsteigerung von neun Prozent und lag damit im Rahmen der Erwartungen der Analysten. Anlegern gibt Hoffnung, dass das Geschäft in den USA sich entspannter zeigt als in den Vorquartalen. Die Aktie verteuerte sich um 4,2 Prozent auf 64,80 Euro.
Nachdem am Vortag die drei deutschen Großbanken die Verschmelzung ihrer Hypothekentöchter auf die Deutsche Hyp bekannt gegeben hatten, entwickelten sich die Finanzwerte uneinheitlich. Die Aktien der Deutsche-Bank und des Finanzdienstleisters MLP legten leicht zu, während die Commerzbank sowie die Versicherer Allianz und Münchener Rück unter Abgabedruck gerieten.
Defensive Werte wie die Versorger RWE und Eon sowie der Logistiker Deutsche Post gaben bis zum Nachmittag deutlich nach.
Auch die Titel von DaimlerChrysler notierten rund 1,6 Prozent schwächer und fielen wieder unter die Marke von 40 Euro: Der Absatz von Importfahrzeugen in Japan ist im Oktober im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,2 Prozent auf 18.996 Einheiten gesunken. Im Gegensatz zu BMW und Audi verzeichneten Mercedes Benz und Chrysler ein Absatzminus.
Neuer Markt nach Konjunkturdaten schwächer
Die feste Nasdaq und die Zahlen von Cisco hatten für einen festen Start am Neuen Markt gesorgt. Nach Bekanntgabe der Arbeitslosenzahlen gab der Index jedoch wieder nach und baute nach Eröffnung der Nasdaq sein Minus aus.
Die T-Online -Aktie ist deutlich ins Minus gerutscht und notierte zuletzt mehr als fünf Prozent schwächer auf 9,83 Euro. Im frühen Handel kletterte das Papier noch um knapp vier Prozent, nachdem der Konzern seine Geschäftszahlen bekannt gegeben hatte, die über den Erwartungen der Analysten lagen. T-Online hat in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres den Umsatz auf 809 Millionen Euro (von 543 Millionen Euro) gesteigert. Der Verlust sei von 57 Millionen Euro im zweiten Quartal auf 35 Millionen Euro im dritten Quartal verringert worden, hieß es.
Die Aktien von Adva notierten am Nachmittag leicht im Minus, nachdem der Netzwerkausrüster schlechte Zahlen veröffentlicht hat. Im dritten Quartal weitete Adva seinen Pro-Forma-Verlust von 0,1 Millionen Euro im Vorjahr auf 0,6 Millionen aus. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 16,9 Prozent auf 23,2 Millionen Euro.
Die Aktien des angeschlagenen Multimedia-Unternehmens Metabox reduzierten ihre Verluste auf ein Minus von 8,8 Prozent auf 0,82 Euro. Am Vortag waren die Papiere zum Handelsschluss um 59,38 Prozent auf 1,02 Euro geklettert. Metabox hatte am Vorabend seinen Insolvenzantrag zurückgezogen, nachdem das Wirtschaftsministerium Niedersachsen dem Unternehmen eine Landesbürgschaft in Aussicht gestellt hatte.
Kurs des Euro unverändert
Die Europäische Zentralbank (EZB) ließ den Referenzkurs des Euro bei 0,8961 Dollar. Der Dollar kostete damit 2,1826 Mark. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6152 (0,6162) Pfund, 108,46 (109,30) Yen und 1,4715 (1,4713) Schweizer Franken fest.