Börse am Nachmittag: Die Angst bleibt - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Die Angst bleibt

Die US-Börsen fallen nach einem festen Start ab drücken die Stimmung in Frankfurt. Dort stehen Pharma- und Chemietitel im Mittelpunkt des Interesses. Der Nemax verharrt im Minus.
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Frankfurt am Main - Die amerikanischen Aktienmärkte haben am Mittwoch fest eröffnet, fielen dann aber bis wieder ab. Der Dow Jones pendelte gegen 16.30 Uhr um seinen Vortagesschluss von 9709 Punkten. Der Nasdaq Composite stand noch mit 0,2 Prozent auf 1886 Punkten im Plus. Der Dax stand bei plus 0,5 Prozent oder 5068 Zählern. Der Nemax 50 fiel mit 0,1 Prozent in die Verlustzone auf 1152 Punkte.

Die amerikanischen Anleger sehen im Laufe des Börsentages einer Flut von Quartalszahlen entgegen. Bereits vor Handelsbeginn veröffentlichten unter anderem Boeing, DuPont, Exxon Mobil, und Merrill Lynch ihre Bilanzen.

Das Investmenthaus Merrill Lynch  verbuchte im vierten Quartal vor Sonderposten einen Gewinn von 51 Cent. Analysten hatten nur einen Gewinn von 48 Cent je Aktie prognostiziert. Der Nettoverlust im vierten Quartal lag bei 1,26 Mrd. Dollar bzw. 1,51 Dollar pro Aktie gegenüber einem Gewinn von 877 Millionen Dollar bzw. 93 Cents pro Aktie im Vorjahr.

Der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer   hat Umsatz und Gewinn im vierten Quartal deutlich gesteigert und die hohen Erwartungen der Analysten getroffen. Pfizer meldete ein Plus von 21 Prozent beim operativen Gewinn. Der Gewinn pro Aktie habe bei 34 Cent pro Aktie gelegen, teilte Pfizer mit. Analysten hatten Gewinne zwischen 33 und 38 Cent pro Aktie erwartet. Der Umsatz kletterte um 12 Prozent auf neun Milliarden Dollar.

Der Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing   hat im vierten Quartal mit einem Gewinn von 0,90 Cent je Aktie die Erwartungen der Analysten erfüllt. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte der Gewinn je Aktie 1,01 Dollar betragen. Die Schätzungen der von Thomson Financial/First Call befragten Finanzexperten hatten zwischen 0,82 bis 1,03 US-Dollar gelegen.

Einen deutlichen Gewinneinbruch verbuchte der Chemiekonzern DuPont. Der Gewinn je Aktie fiel im vierten Quartal von 47 US-Cent im Vorjahreszeitraum auf 12 Cent. Die Schätzungen der befragten Analysten hatten von 7 Cent bis 12 Cent gereicht.

Der Ölkonzern Exxon Mobil   verbuchte vor Sonderfaktoren einen Gewinn von 42 Cent, im Vorjahresquartal waren es noch 73 gewesen. Die Analysten hatten mit einem Gewinn von 41 Cent je Aktie gerechnet.

Der Mobilfunk- und Chiphersteller Motorola   hat gestern nach US-Börsenschluss für das vierte Quartal einen Verlust gemeldet, der jedoch geringer als erwartet war. Der Konzern wies einen Verlust von 4 Cent je Aktie aus dem laufenden Geschäft aus. Analysten hatten jedoch mit einem Verlust von 5 Cent je Anteilsschein gerechnet.

Pharmatitel gefragt - Bayer in den Startlöchern

Händler sprachen von dünnen Umsätzen. Der Markt warte auf die Rede des US-Notenbankchefs Alan Greenspan. "Greenspan wird am Donnerstag seine jüngste Rede richtig stellen", sagte Aktienhändler Knut Hochwald von der Hamburger Sparkasse. Marktteilnehmer hattendiese negativ aufgenommen, woraufhin die Aktienmärkte deutliche Kursverluste verbucht hatten.

Die Liste der Kursgewinner führte die Aktie des Berliner Pharmakonzerns Schering   an. Der Titel kletterte um noch um mehr als sieben Prozent auf 63,74 Euro. Die Analysten des US-Investmenthauses Goldman Sachs hatten das Papier auf "Market Outperformer" heraufgestuft. Demnach rechnen die Branchenexperten mit einer überdurchschnittlichen Kursentwicklung.

Bayer   gewannen 2,45 Prozent auf 36,37 Euro: Bayer will mit einer neuen Konzernstruktur Kosten in dreistelliger Millionenhöhe sparen, sagte der designierte Vorstandsvorsitzende Werner Wenning. Die Ankündigung kam rechtzeitig vor dem Start an der NYSE am morgigen Donnerstag.

SAP steigert Umsatz

Der Softwarehersteller SAP   hat mit seinen Zahlen die Anleger überzeugt, während sich in die zunächst positiv aufgenommene Bilanz von Siemens   erste Zweifel mischten. Die Warnung des Investmenthauses Merrill Lynch, im Hightechsektor drohe eine erneute Überbewertung, führt nun zu gezieltem Stockpicking.

SAP notierte 2,44 Prozent im Plus auf knapp 160 Euro. Der größte europäische Softwarekonzern hat seine Umsatz- und Ergebniszahlen für das vierte Quartal und das Geschäftsjahr 2001 übertroffen. Die Investmentbank CSFB und Merrill Lynch empfahlen die Aktie zum Kauf.

Leise Zweifel an Siemens

Bei Siemens   bleiben Investoren dagegen unentschlossen. Der Elektronikkonzern hatte am Morgen zeitweise um vier Prozent zugelegt, die Gewinne schmolzen aber auf zuletzt 0,90 Prozent. Der Konzern hat das Ergebnis im Vergleich zum Vorquartal kräftig gesteigert und die Erwartungen der Analysten übertroffen. Vor allem in der Netzwerksparte hätten viele ein schlechteres Ergebnis erwartet, hieß es bei den Experten. Das Sorgenkind ICN habe den Verlust verringert, teilte Siemens mit.

Rennen um UMTS: T-Mobile verzichtet auf Schnellschuss

Das Papier der Deutsche Telekom   gab ebenso wie der Bauelemente-Hersteller Epcos   am Nachmittag noch rund 0,70 Prozent ab. Die Telekom-Tochter T-Mobile will in Deutschland ein Dreivierteljahr später als der Hauptkonkurrent Vodafone D2 mit UMTS-Diensten auf den Markt kommen. René Obermann, Europachef der T-Mobile International AG, nannte am Dienstagabend in Bonn das dritte Quartal 2003 als den kommerziellen Starttermin. Vodafone D2 hatte angekündigt, bereits im Herbst 2002 mit UMTS-Diensten anzutreten.

Sparkurs bei Preussag, Katerstimmung bei Infineon

Zu den schwächsten im Dax zählten Preussag   mit einem Verlust von 1,79 Prozent auf 33 Euro, der allerdings schon deutlich höher gelegen hatte. Der Tourismus-Konzern mit den Marken TUI, Hapag-Lloyd und Airtours bereitet sich nach einem Bericht des "Handelsblatt" auf einen markanten Einbruch des Reisemarktes vor und will angeblich bis zu 2000 Stellen sparen.

Auch der Chiphersteller Infineon   geriet einen Tag nach der Hauptversammlung unter Druck. Infineon-Chef Ulrich Schumacher hatte Analysten nicht widersprochen, die für das laufende Jahr mit einem Milliardenverlust des Chipherstellers rechnen.

Trotz der positiven US-Konjunkturdaten konnte sich der Nemax 50 noch nicht von den schwachen Vorgaben der Nasdaq lösen. Die konjunkturellen Frühindikatoren für die USA sind im Dezember mit 1,2 Prozent deutlich stärker gestiegen sind als von Volkswirten erwartet. Analysten hatten nur mit einem Anstieg von 0,7 Prozent gerechnet.

Die Aktie des Filmrechtehändlers Highlight   gab zuletzt knapp zwölf Prozent nach. Das Spiel der Zocker vor der Entscheidung der UEFA über die Vergabe der Rechte an der Fußball Champions League geht weiter. "Das ist eine Wette, die am Donnerstag um 12.15 Uhr entschieden wird", sagte ein Händler.

Die Aktie von SAP SI   (plus 1,90 Prozent) profitierte von den guten SAP-Zahlen. Auch Die Papiere der Telefonauskunft Telegate   (plus 14,75 Prozent auf 2,49 Euro) stiegen, nachdem das Unternehmen den Rechtsstreit mit dem Automobilhersteller BMW um die Werbung auf den Formel Eins Fahrzeugen beigelegt hat.

Deutliche Gewinne verbuchten am Nachmittag im Nemax 50 EM.TV   , der Online-Broker ConSors   sowie T-Online   , die zwischen 7,30 und 4,10 Prozent kletterten.

Euro legt zu

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8856 (Dienstag: 0,8830) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1292 (1,1325) Euro.