Börse am Nachmittag Die Angst geht um
Frankfurt am Main - Der Dax hat seine Verluste zum Nachmittag ausgebaut und verlor bis 16.30 Uhr knapp 1,8 Prozent auf 4783 Punkte. Damit ist auch die charttechnisch wichtige Unterstützung bei 4870 Zählern gefallen. Der Nemax 50 bröckelte um 4,7 Prozent auf 948 Punkte ab. Im Januar 1998, zum Start des Auswahlindexes, hatte der Nemax 50 bei 979 Punkten notiert.
In den USA haben die Börsen tief im roten Bereich eröffnet. Der Dow Jones notierte nach einer Handelsstunde auf 9826 Punkten, ein Minus von 0,8 Prozent. Die Nasdaq gab 1,6 Prozent auf 1775 Zähler nach. Auslöser für die schlechte Stimmung: Mögliche Bilanztricks bei den Branchenriesen IBM und Cisco Systems.
Händler in Frankfurt sprachen von einem leicht unterdurchschnittlichen Handelsvolumen. "Momenten sind kleine Verkäufe gepaart mit einer großen Angst vor negativen Unternehmensnachrichten", sagte Aktienhändler Knut Hochwald von der Hamburgischen Sparkasse.
Volkswagen peilt Rekord an
Der Volkswagen-Konzern hat seinen Gewinn 2001 nach eigenen Angaben auf ein weiteres Rekordniveau gesteigert. Wie Europas größter Automobilkonzern am Nachmittag im Anschluss an eine Vorstandssitzung in Wolfsburg mitteilte, erhöhte sich der Vorsteuergewinn im Gesamtjahr ohne Aufwendungen für die Altautorichtlinie um 8,1 Prozent auf 4,532 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern stieg um 18,6 Prozent auf 4,409 Milliarden Euro. Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt einen Vorsteuergewinn von 4,512 Milliarden Euro erwartet. Den Umsatz steigerte VW den Angaben zufolge um 6,5 Prozent auf 88,54 Milliarden Euro. Die Aktie hat nach Bekanntgabe der Zahlen ihre Verluste deutlich reduzieren können und notierte auf 51,53 Euro, ein Minus von 0,3 Prozent.
Einen Tag vor Bekanntgabe der Zahlen für das Geschäftsjahr 2001 gab auch die Aktie des Autoherstellers DaimlerChrysler deutlich nach. Der Titel verbilligte sich um 3,7 Prozent auf 41,00 Euro. Marktgerüchte über einen höheren Verlust bei der US-Sparte Chrysler drückten auf den Kurs, sagte ein Händler einer Frankfurter Großbank.
Unter Abgabedruck stand die Aktie der Deutschen Bank , die um 4,2 Prozent auf 64,97 Euro verlor. "Die Fortis-Zahlen belasten die Finanztitel", begründete Aktienhändler Frank Albrecht von M.M. Warburg Investment Research die Verluste. Die niederländisch-belgische Finanzgruppe erwartet 2001 wegen höherer Risikovorsorge einen um sieben Prozent niedrigeren Reingewinne als im Jahr zuvor. Mehrere Analysten hatten sich zudem negativ über den Titel geäußert.
Commerzbank legt weiter zu
Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählte die Aktie der Commerzbank , die sich um 0,3 Prozent auf 18,48 Euro verteuerte. Am Montag überraschte die Beteiligungsgesellschaft WCM den Markt mit der Aufstockung des Commerzbank-Anteils von einem auf fünfeinhalb Prozent.
Das Papier des Halbleiterherstellers Infineon legte 1,7 Prozent auf 25,83 Euro zu. "Der DRAM-Preis ist in der Nacht auf fast vier Dollar gestiegen", sagte Hochwald. So teuer waren die Chips zuletzt im Mai 2001. Langsam nähere man sich den Produktionskosten, sagte er und fügte hinzu: "Vielleicht können mit Chips bald wieder Gewinne gemacht werden."
Lufthansa auf Höhenflug
Trotz eines Verbots von Niedrigflugpreisen auf der Strecke Frankfurt am Main-Berlin hat die Lufthansa-Aktie 1,6 Prozent auf 17,41 Euro gewonnen. Die Preise lägen unter Kosten und zielten auf eine Verdrängung des Konkurrenten Germania, teilte das Kartellamt am Dienstag mit. "Die Entscheidung ist keine Überraschung", sagte ein Analyst. Ein Frankfurter Händler stimmte der Einschätzung zu: "Der Einspruch des Kartellamts hat sich bereits vorher angedeutet." Vor allem für Geschäftsleute bleibe die Lufthansa auf Grund der deutlich größeren Anzahl an Verbindungen zwischen den beiden Städten attraktiver, zumal diese Passagiere nicht so sehr auf günstige Flugpreise achten müssten. Das letzte Wort sei allerdings noch nicht gesprochen. Schließlich habe Lufthansa bereits angekündigt, gegen ein Verbot gerichtlich vorgehen zu wollen. Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty hatte angekündigt: "Wir werden die Verfügung mit allen rechtlichen Mitteln angreifen, um unsere Position im Wettbewerbsumfeld nicht zu gefährden."
Die Aktien der Deutschen Telekom gaben nach ihrer gestrigen Erholung erneut nach und rutschten auf 15,25 Euro, ein Minus von 0,9 Prozent. Analysten von Goldman Sachs haben die T-Aktie auf ihrer Empfehlungsliste belassen und die Gewinn-Prognose erhöht. Das Kurspotenzial gaben die US-Investmentbanker mit mindestens 20 Prozent an.
MDax: Deutsche Börse heraufgestuft - WCM verliert leicht
Deutsche Börse übertrifft Erwartungen
Die Deutsche Börse hat im abgelaufenen Geschäftsjahr ihren Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert und damit Analysten-Erwartungen übertroffen. Zum Ergebniswachstum trugen vor allem die Segmente Eurex und Informationsprodukte bei, wie die Börse am Montagabend in Frankfurt mitteilte. Der Umsatz der Gruppe sei auf 760,3 Millionen Euro gestiegen nach 648,9 Millionen Euro im Vorjahr, teilte die im MDax gelistete Gesellschaft in Frankfurt mit. Die Aktie kletterte gegen den schwachen Gesamttrend um mehr als zwei Prozent auf 44,60 Euro, nachdem auch die Deutsche Bank den Titel auf "Kauf" heraufgestuft hatte.
Auch der Arzneimittelhersteller Schwarz Pharma hat am Dienstag Zahlen vorgelegt, die über den Erwartungen lagen. Das Unternehmen steigerte den Jahresüberschuss 2001 von 13,6 auf 40,5 Millionen Euro. Die Aktie legte um 6,2 Prozent auf 35,80 Euro zu.
WCM verliert leicht
Die WCM-Aktie fiel um 2,3 Prozent auf 10,78 Euro. Die Beteiligungsgesellschaft ist nach eigenen Angaben nicht an einer Übernahme der Commerzbank oder an einer Einflussnahme auf das operative Geschäft des Geldhauses interessiert. Das Engagement sei auf mehrere Jahre angelegt, sagte WCM Vorstandschef Roland Flach am Dienstag. "Eine Übernahme der Commerzbank steht nicht zur Diskussion."
Neuer Markt: Vertrauen zerstört - Mobilcom unter Druck - D.Logistics erholt sich
Kein Vertrauen mehr in den Neuen Markt
"Die 1000-Punkte-Marke interessiert hier jetzt keinen mehr", sagte ein Händler. "Die meisten Anleger gehen jetzt erstmal raus und schauen, was da weiter passiert." "Das Vertrauen ist total raus", ergänzte ein weiterer Börsenkenner in Frankfurt. Bei nur dürftigen Umsätzen litten auch große Titel wie etwa T-Online , die um 4,3 Prozent auf 11,45 Euro abgaben. Qiagen sackten einen Tag vor Bekanntgabe ihrer Zahlen bei vergleichsweise hohen Umsätzen den sechsten Tag in Folge. Das Papier des niederländischen Biotechnologieunternehmens gab um 5,7 Prozent auf 17,34 Euro ab. In den letzten fünf Handelstagen hat das Papier rund fünf Euro verloren.
Die beiden größten Verlierer des Vortages hielten sich bis zum Mittag konstant an der Spitze des Nemax 50. Comroad-Titel gewannen 6,7 Prozent auf vier Euro. Das Papier sackte bis zum Schlussgong am Vortag um mehr als 35 Prozent, weil der britische Partner Skynet Telematics Vergleich musste. Zudem schwelen erneut die Gerüchte über Bilanzfälschungen im Markt. "Heute sind da die Zocker am Werk", sagte der Händler. Das Vertrauen der Anleger sei schon lange nicht mehr da. "Die Zahlen passen bei denen doch absolut nicht zusammen", sagte ein Händler. Am 26. März will Comroad die Vorwürfe widerlegen. "Das haben die schon mal angekündigt und nichts ist passiert, wenn das diesmal wieder so sein wird, dann geht der Kurs erst recht nach unten", sagte der Händler.
Auch D.Logistics-Papiere gewannen 7,6 Prozent auf 3,25 Euro. Die Aktie hatte am Vortag mehr als 45 Prozent verloren, nachdem das Logistik-Unternehmen nur wenige Tage nach dem Rücktritt seines Gründers Detlef Hübner seine Ergebnisprognose von 30 Millionen Euro auf null bis vier Millionen gesenkt hatte.
Mobilcom nach negativen Analystenkommentaren unter Druck
Die Anteilsscheine von Mobilcom verbilligten sich um 8,6 Prozent auf 15,70 Euro. Die Privatbank Merck Finck hatte das Papier am Morgen auf "Verkaufen" herabgestuft, nachdem sich der Finanzierungs-Streit des Unternehmens mit seinem Großaktionär France Telecom zugespitzt hatte und vorerst in dem Rücktritt des einzigen France-Telecom-Vertreters im Mobilcom-Vorstand, Vianney Hennes, gegipfelt war. Merck Finck Analyst Joachim Koller schließt nicht aus, dass sich das Mobilcom-Papier zum Pennystock entwickeln könnte.
Trintech verloren nach Zahlen: Der Titel sackte um 14,8 Prozent auf 1,33 Euro. Der IT-Dienstleister für den elektronischen Zahlungsverkehr hatte im vierten Quartal 2001 seine Verluste zwar gegenüber dem Vorjahr nach vorläufigen Berechnungen auf zwei bis drei Millionen Dollar verringert, die eigenen Umsatzerwartungen mit voraussichtlich 15 bis 16 Millionen Dollar aber verfehlt.
Euro schwächer - Nikkei erneut unter 10.000 Punkten
Euro-Kurs gefallen
Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs des Euro am Dienstag bei 0,8692 (Montag: 0,8715) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1505 (1,1474) Euro. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6101 (0,6098) Pfund, 116,30 (115,68) Yen und 1,4786 (1,4804) Schweizer Franken fest.
Nikkei erneut unter 10.000 Punkte
Die Aktienbörse in Tokio hat am Dienstag schwere Verluste erlitten. Ungeachtet verbaler Unterstützung von US-Präsident George W. Bush für die Reformpolitik des japanischen Regierungschefs Junichiro Koizumi stürzte der Nikkei-Index für 225 führende Werte wieder deutlich unter die wichtige Marke von 10.000 Punkten. Zum Schluss notierte das fernöstliche Kursbarometer einen Verlust von 246,09 Punkten oder 2,4 Prozent beim Stand von 9847 Punkten. Der breitere Topix verlor 4,58 Punkte oder 0,5 Prozent auf 959 Punkte.