Börse am Nachmittag: Die Intel-Party - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Die Intel-Party

In New York feiern Investoren und Börsianer die Intel-Party. Von dieser guten Laune lassen sich die deutschen Investoren gern anstecken. Die Tech-Titel geben die Richtung vor - und die zeigt steil nach oben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main – Die US-Technologiebörse Nasdaq legte trotz einer Umsatz- und Gewinnwarnung von Hewlett Packard fürs zweite Quartal einen furiosen Start hin und behielt auch rund eine Stunde nach Handelsbeginn das Tempo bei. Die Nasdaq lag mit 5,2 Prozent bei 2020 Zählern satt im grünen Bereich. Der Dow Jones verbesserte sich um 1,2 Prozent auf 10.340 Punkte.

An den Handelsplätzen in New York hieß es jetzt "Schluss mit dem Frust". Hier wird die Intel-Party gefeiert. Weniger die leicht über den Erwartungen liegenden Quartalszahlen als vielmehr der optimistische Ausblick beflügelten den Kurs des Chip-Riesen (plus 13 Prozent) und heben die Stimmung. Auch Goldman Sachs sieht die künftig eine steigende Nachfrage nach PC-Chips. Das verhalf der Intel-Aktie, aber auch Titeln wie Dell (plus zehn Prozent), IBM (plus sechs Prozent) oder Apple (plus sechs Prozent) zu deutlichen Kursaufschlägen.

An den deutschen Aktienmärkten lassen sich die Investoren von der Party in New York anstecken. Der Dax baute sein Plus auf 2,4 Prozent, der Nemax 50 sogar auf 7,6 Prozent aus.

"Die Intel-Zahlen haben den Technologieaktien Auftrieb gegeben", erklärte Analyst Ingolf Böhle von Delbrück Asset Management die Kursgewinne. Die Zahlen lägen zwar unter denen des Vorjahreszeitraums, überträfen aber die Analystenschätzungen. "Dies hat Phantasie in die Technologie gebracht", sagte Böhle. Sobald ein Fünkchen von Hoffnung bestünde, dass die anstehenden Zahlen vielleicht doch nicht so dramatisch schlecht ausfallen würden, legten die stark gebeutelten Technologiewerte zu.

So gaben Technologietitel fortgesetzt im Dax den Ton an. Der Bauelemente-Hersteller Epcos löste mit einem Kursplus von 10,1 Prozent Chiphersteller Infineon (plus 5,8 Prozent) an der Spitze ab. SAP steigerten sich um sieben Prozent. Siemens verteuerten sich um 5,6 Prozent.

Deutsche Telekom ohne Gnade

Die Aktie der Deutschen Telekom (plus 5,7 Prozent auf 29,16 Euro) hat ernsthaft damit begonnen, bei anderen Telefonfirmen Schulden einzutreiben. Heute um 18 Uhr sollen die Leitungen zum angeschlagenen Call-by-Call-Anbieter Callino endgültig gekappt werden.

Auch die Deutsche Bank zog um 2,4 Prozent auf 88,40 Euro an. Die Aktien der US-Investmentbanken konnten bereits in den vergangenen Tagen zulegen, sagte ein Händler. Sollten sich die Wachstumsmärkte weiter erholen, dürfte dies auch dem Emissionsgeschäft der Investmentbanken zugute kommen.

Autotitel tendierten fester. Dax-Schwergewicht DaimlerChrysler baute seine Kursgewinne auf 2,4 Prozent aus und stieg über die Marke von 53 Euro. Volkswagen verteuerte sich um rund zwei Prozent auf 52,10 Euro.

Neuer Markt erholt sich

Der Nemax 50 hat in der Woche vor Ostern rund zwölf Prozent hinzugewonnen. Nun mehren sich die Zeichen, dass der Wachstumsmarkt seine Erholung fortsetzen kann. Schlechte Unternehmenszahlen wie die Gewinneinbrüche bei Cisco werden nicht mehr so hart abgestraft, gute Nachrichten wie der positive Ausblick bei Intel hingegen honoriert.

Gerüchte beflügeln Pixelpark

Die Aktie von Pixelpark gab nach, stand aber noch mit zwölf Prozent bei 14,90 Euro im Plus. Hartnäckig halten sich Gerüchte, die Deutsche Telekom wolle Pixelpark übernehmen, schreibt die Privatbank Merck Finck in einer Studie. Klaus Eierhoff, zuständiger Vorstand des Hauptanteilseigner Bertelsmann und Aufsichtsratschef von Pixelpark, habe sich zwar hinter das Unternehmen gestellt. Da Eierhoff jedoch einen Verkauf des 58 Prozent umfassenden Aktienpakets nicht ausdrücklich ausgeschlossen habe, erhielten die Verkaufsgerüchte neue Nahrung.

Stärkster Wert im Nemax 50 sind die Papiere von Heyde (plus 65 Prozent auf 3,48 Euro). Fundamental neue Nachrichten gibt es aus dem Unternehmen nicht. Hier haben Zocker die Finger im Spiel. Stark notierten auch die Papiere des Hersteller des Softwarehersteller Brokat mit einem Kursplus von rund 20 Prozent. Der Handy-Ausrüster Balda legte nicht nur gute Quartalszahlen vor, sondern hält an seiner Umsatzprognose für das Gesamtjahr fest. Die Aktie verbesserte sich um 14,4 Prozent auf 17,33 Euro.

Schlusslichter im Nemax 50 waren Comroad und Evotec mit einem Verlust von jeweils rund zehn Prozent. Evotec-Gründer Karsten Henco verläßt das junge Biotechnologie-Unternehmen.

Die Aktien der Abit AG schossen um 39 Prozent in die Höhe. Das Unternehmen hat mit der HypoVereinsbank einen Lizenzvertrag im Wert von mehreren Millionen Euro abgeschlossen.

Die Aktien des Seniorenheimbetreibers Refugium gaben rund fünf Prozent ab. Refugium hatte vor einer Woche "Zahlungsstörungen" bei den Gehältern eingeräumt. Offenbar will Refugium-Chef Hartmut Ostermann gehen, doch der Aufsichtsrat läßt ihn nicht.

Die Caatoosee AG profitierte von der Ankündigung des Vorstandschefs Guido Alt, wonach das Unternehmen bereits 2002, ein Jahr früher als geplant, die Gewinnzone erreichen will. Die Aktie zog um 22 Prozent an.