Börse am Nachmittag: Die Käufer streiken - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Die Käufer streiken

Aktien der Dresdner Bank fallen stark ab und sind schwächster Wert im Dax. Techwerte bauen ihre Verluste aus. Die Kauflaune der Investoren tendiert gegen Null. Positive Impluse sind von den US-Börsen wohl nicht zu erwarten.
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Frankfurt am Main – Am frühen Nachmittag verharrten die deutschen Aktien weiter im roten Bereich. Der Dax stand zuletzt mit 0,7 Prozent auf 5888 Zähler im Minus. Die Wachstumswerte im Nemax 50 rutschten bis 14.20 Uhr weiter ab und standen zuletzt mit 1,5 Prozent Verlust auf 1210 Zählern.

Die Umsätze seien gering, sagte ein Händler, und das sei auch kein Wunder: Die Anleger hielten sich vor der Veröffentlichung zahlreicher Quartalsberichte in den USA mit Engagements zurück. Zudem wird am Mittwoch der Halbjahresbericht und die Rede von US-Notenbankchef Alan Greenspan vor dem US-Kongress erwartet, die Aufschluss über den weiteren Konjunkturverlauf in Amerika geben soll. Heute noch stehen Geschäftszahlen der amerikanischen Großbanken Citigroup und Bank of America an. Die vorbörslichen Barometer in New York ließen gegen 14.20 Uhr einen schwächeren Handelsauftakt der US-Börsen erwarten.

Technologietitel auf der Verliererstraße

Technologietitel bauten ihre Verluste aus: SAP, Infineon und Siemens notierten zwischen 2,42 und 3,61 Prozent schwächer. Epcos konnten ihre Verluste reduzieren auf minus ein Prozent bei 54,05 Euro. SAP wird am Donnerstag, 19. Juli, ihre Geschäftszahlen vorlegen.

Banken- und Energietitel im Fokus der Anleger

Die Aktien der Dresdner Bank werden voraussichtlich am Freitag nach Handelsschluss aus dem Deutschen Aktienindex Dax genommen. Die Allianz hatte zuvor bekannt gegeben, dass sie nach vorläufigen Zahlen künftig mehr als 95 Prozent der Anteile an der Dresdner Bank halten wird. Dresdner Bank verloren 5,52 Prozent auf 45,35 Euro und waren damit schwächster Wert im Dax. Die Aktie der Allianz stand zuletzt in etwa auf ihrem Vortagesniveau bei 321 Euro.

Dickes Zusatzgeschäft für Versicherer?

Nicht profitieren konnten die Aktien der Versicherer von der Nachricht, dass die Bundesregierung angeblich beabsichtigt, die Beamtenpensionen zu kürzen und die private Vorsorge auch für den öffentlichen Dienst einführen will. Die Pensionen der 1,9 Millionen Beamten sollen demnach zwischen 2003 und 2010 um insgesamt fünf Prozent gekürzt werden, schreibt das "Handelsblatt". Die Aktien des Allianz-Konkurrenten Münchener Rück verloren zuletzt 0,21 Prozent auf 333 Euro.

Die Deutsche Bank beabsichtigt, den Zahlungsverkehr und das Wertpapiergeschäft mit anderen Großbanken gemeinsam abzuwickeln. So könnte eine der größten Transaktionsbanken Europas entstehen, schreibt "Die Welt". Die Kostenersparnis wäre enorm, wird Vorstandsmitglied Hermann-Josef Lamberti zitiert. "Das ist keine Story, die zu Kursfantasien beiträgt", kommentierte ein Händler. Die Aktie des Branchenprimus stand mit 0,54 Prozent auf rund 82,55 Euro im Minus. HypoVereinsbank-Papiere notierten 0,54 Prozent schwächer auf 53,91 Euro. Die Aktien der Commerzbank pendelten um ihr Vortagesniveau bei 27,41 Euro.

Gewinnmitnahmen drückten den Kurs der Aktie von Adidas-Salomon um 1,78 Prozent auf 74,65 Euro. Die Aktie war am Freitag als Tagessieger aus dem Handel gegangen, nachdem der Sportartikelhersteller seine Umsatzprognosen bestätigt hatte.

Eon will ihr gesamtes Ölgeschäft (Veba Oel) einschließlich der in Deutschland führenden Tankstellenmarke Aral an den britischen Erdöl-Konzern BP ab. Nach einem Zeitungsbericht soll BP zunächst einen Anteil von mehr als 50 Prozent übernehmen, diesen später aber aufstocken können. Eon stiegen um 0,77 Prozent auf 64,20 Euro. Im Tankstellengeschäft seien sowohl Aral als auch BP in Zugzwang geraten, weil Shell sein Öl- und Benzingeschäft vor wenigen Wochen mit RWE-DEA zusammengelegt habe. RWE-Aktien legte 0,53 Prozent auf 49,72 Euro zu.

Die Aktie von Brokat zählte am Montagmittag zu den großen Kursgewinnern im Nemax 50, wofür Händler erneut Übernahmefantasien verantwortlich machten. Die Aktien des Herstellers für Sicherheitssoftware legten bis 14.15 Uhr rund sechs Prozent auf 4,15 Euro zu.

D.Logistics gehörten dagegen zu den größten Verlierern im Nemax 50, bei Kursabschlägen von rund 7,83 Prozent auf 9,77 Euro. Händler führten die Kursbewegung auf den "übertriebenen" Kursanstieg vom Freitag zurück, als das Papier rund 13,40 Prozent zugelegt hatte. Unternehmensnachrichten lägen ihm nicht vor, sagte ein Händler.

Greenspan stellt sich US-Kongress

Angespornt von freundlichen Ausblicken oder guten Geschäftszahlen der US-Konzerne Yahoo, Motorola und Microsoft haben die deutschen Aktienmärkte in der vergangenen Woche zugelegt. Der Dax steht vor dem Sprung, die psychologisch wichtige 6000-Punkte-Marke zu überwinden. Gleichwohl dominiert eine vorsichtig beobachtende Haltung unter den Investoren.

Dies gilt insbesondere für die Anleger am Neuen Markt, wie etwa der stark volatile Handelsverlauf am letzten Freitag gezeigt hat. Denn nicht zuletzt jüngste Konjunkturdaten in den USA lassen keine klare Aussage über die weitere Entwicklung der weltstärksten Ökonomie zu. Bohrenden Fragen wird sich deshalb US-Notenbankchef Alan Greenspan an diesem Mittwoch vor dem Bankenausschuss des US-Kongresses stellen müssen.

Noch zeitigen die sechs Zinssenkungen nicht die gewünschte höhere Investitionstätigkeit bei den Firmen. Mittlerweile befürchten Ökonomen in den USA, dass der Verbraucher seine Spendierhosen ausziehen und seine Geldbörse fester umklammern werde. Damit begänne die wichtigste Stütze der US-Konjunktur zu wackeln. Zugleich schließen Experten einen Anstieg der Arbeitslosigkeit von 4,5 auf fünf Prozent nicht aus.

Heiße Woche steht bevor

Wie es um die US-Wirtschaft bestellt ist, wird diese Woche zeigen. Die Berichtssaison treibt auf ihren Höhepunkt zu. Zahlreiche Blue Chips aus dem Dow Jones und der Technologiebörse Nasdaq werden ihre Zahlen für das zweite Quartal vorlegen. Darunter rangieren keine Geringeren als Intel, Apple, IBM, Sun, Cocla Cola. Schließlich geben europäische Großkonzerne wie Nokia, Ericsson, SAP, DaimlerChrysler, Philips ihre Geschäftszahlen bekannt.