Börse am Nachmittag Die Luft wird dünner
New York/Frankfurt am Main Zum Auftakt einer eher nachrichtenarmen Woche bleiben Anleger überwiegend optimistisch. Der Industrieindex Dow Jones legte am Montag zum Handelsauftakt um 0,6 Prozent auf 8629 Punkte zu, gab diese Gewinne nach zwanzig Minuten Handel aber wieder ab. Der Technologieindex Nasdaq Composite verteidigte immerhin ein Plus von 0,5 Prozent auf 1424 Punkte.
18 Prozent Plus seit Anfang Oktober
Die Erholungstendenz im Dow Jones hält nun bereits seit sechs Wochen an, obwohl die Rallye inzwischen an Schwung verloren hat. Am 9. Oktober war der Index auf ein Fünfjahrestief gefallen seitdem hat der Dow rund 18 Prozent zugelegt. Die Konjunkturdaten der vergangenen Tage waren nicht so berauschend, um eine weitere Erholung zu unterstützen. Das Risiko von Gewinnmitnahmen steigt.
Nach Ansicht von Händlern werde nun viel davon abhängen, ob die UN-Inspektoren im Irak ungestört arbeiten können und nicht behindert werden. Das Vorauskommando der Inspektoren ist am Montag in Bagdad angekommen. Am 27. November beginnen die formellen Untersuchungen.
Amgen kämpft um Aranesp
Auch das Biotech-Schwergewicht Amgen steht im Blickpunkt der Investoren: Das Unternehmen klagt gegen die US-Regierung und ist entschlossen, auf diese Weise die angestrebte Gewinnmarge für das neue Medikament Aranesp zu sichern.
Der weltweit zweitgrößte Mikroprozessoren-Hersteller AMD rechnet mit Sonderkosten im vierten Quartal in Höhe von 300 bis 600 Millionen US-Dollar. Darin sind nach Angaben von AMD unter anderem Kosten für die bereits angekündigte Umstrukturierung und den geplanten Stellenabbau enthalten.
Harter Sparkurs bei Fluglinien
Die drittgrößte US-Fluggesellschaft Delta Air Lines erwartet nach einer Änderung ihres Altersvorsorgeprogramms jährliche Ersparnisse von rund 500 Millionen US-Dollar zwischen 2004 und 2009. Im kommenden Jahr sollen die Kosten "deutlich" sinken. Auch die angeschlagene US-Fluggesellschaft United Airlines will ab 2004 wieder profitabel fliegen und verordnet sich deshalb eine Rosskur. In den kommenden zwei Jahren sollen rund 9.000 der derzeit weltweit rund 83.000 Stellen gestrichen werden.
Dax: Gewinne schmelzen
Dax: Gewinne schmelzen
Der Dax hielt sich nach Eröffnung der US-Börsen zwar noch deutlich im Plus, jedoch verringerten sich die Gewinne bis 15.50 Uhr auf 1,3 Prozent und 3234 Punkte. Charttechniker sehen jetzt einen wichtigen Widerstand bei 3266 Punkten. Werde diese Marke nachhaltig durchbrochen, sei ein Ansteigen auf 3450 Punkte möglich.
Die Absicht der Bundesregierung, Aktienkursgewinne künftig pauschal mit 15 Prozent zu besteuern, wurde von Händlern begrüßt. "Darauf kann sich jeder einstellen, und damit kann jeder leben", sagte ein Marktbeobachter. Da offenbar auch das Halbeinkünfteverfahren weiter gelten soll, wird dann effektiv eine Steuer von 7,5 Prozent fällig.
Technologieaktien weiter gefragt
Gestützt wurde der Markt auch von positiven Analystenstimmen. So haben die Analysten von Merrill Lynch den europäischen Telekommunikationssektor hochgestuft. Die neue Einstufung lautet "Übergewichten" nach zuvor "Neutral". Davon profitierte vor allem die T-Aktie , die um mehr als vier Prozent auf 12,08 Euro stiegen.
Die Titel des Dax-Absteigers Epcos legten erneut zehn Prozent zu und notierten zuletzt bei 13,70 Euro. Technologiewerte wurden von der festen Nasdaq gestützt. Auch der Chiphersteller Infineon zeigte sich mit einem Plus von 4,5 Prozent auf 9,16 Euro sehr fest. Die Anteilsscheine von Siemens verteuern sich um 1,5 Prozent auf 48,38 Euro.
Versicherer legen zu
Auch die Versicherer legten deutlich zu: Allianz-Aktien rückten um 3,9 Prozent auf 107 Euro vor, und die Papiere der Münchener Rück klettern sogar um sechs Prozent auf 138,70 Euro. Die Deutsche Bank hat ihre Bewertung der Münchener Rück auf "Halten angehoben. Gleichzeitig sei das Kursziel auf 138 Euro (zuvor: 121 Euro) erhöht worden.
Kauft Glaxo Bayers Pharma-Sparte?
Auch Bayer setzte seine Erholung fort. Medienberichten zufolge hat der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline Interesse an der Pharmasparte von Bayer und will für diese rund acht Milliarden Euro bieten. Dies wäre eine sehr gute Nachricht für Bayer, sagten Händler. Die Aktie reagierte mit einem Plus von 4,3 Prozent auf 23,29 Euro.
KarstadtQuelle nach Zahlen kaum verändert
Die Zahlen zum dritten Quartal haben KarstadtQuelle kurz nach Erscheinen auf den letzten Platz im MDax gedrückt. Die Aktie erholte sich im weiteren Verlauf aber wieder und tendierte zuletzt um den Vortagesschluss. Marktteilnehmer monierten sowohl die Umsatzzahlen - KarstadtQuelle hatte das Ziel von 0,8 Prozent Umsatzwachstum im dritten Quartal verfehlt - als auch den Ausblick auf das Gesamtjahr. Hier erwartet Europas größter Einzelhandels- und Versandkonzern einen Umsatzrückgang um drei Prozent.
Neuer Markt: Morphosys und Mobilcom schwach
Analytik Jena schmiert nach Gewinnwarnung ab
Der Neue Markt präsentierte sich im Gleichklang mit den Standardwerten ebenfalls freundlich. Der Nemax 50 legte bis zum Nachmittag um 1,3 Prozent auf 431 Zähler zu.
Medienaktien standen am Neuen Markt nach den Zahlen von IM Internationalmedia hoch im Kurs. Das Unternehmen legt nach eigenen Angaben ein hartes Sparprogramm auf und streicht jede dritte Stelle. Den Gesamtbetrag des geplanten Programms zur Kostensenkung bezifferte IM auf 28,7 Millionen Euro. Die Aktie legte ebenso wie die Medienaktien Highlight Communications und EM.TV rund zehn Prozent zu.
Der Messtechnik-Hersteller Analytik Jena hat jedoch mit einer Gewinnwarnung enttäuscht. Die Gesellschaft erwarte nun ein ausgeglichenes Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit), nachdem sie bisher von rund 1,7 Millionen Euro ausgegangen sei, hieß es in einer Ad-hoc-Mitteilung. Die Aktie reagierte mit einem Kursrutsch von rund zwölf Prozent auf 5,69 Euro.
Euro hält sich über der Dollar-Parität
Der Kurs des Euro hat sich am Montag über der Dollar-Parität gehalten. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete gegen 15.30 Uhr 1,0076 Dollar. Die Europäische Zentralbank hat den Referenzkurs am Montag auf 1,0065 (Freitag: 1,0029) US-Dollar festgesetzt.
Chancen auf eine Stabilisierung des Euro bei der Marke von 1,01 Dollar sehen die Analysten der Bank Trinkaus & Burkhardt. Ursache dafür dürften schwache Wirtschaftsdaten aus den USA sein. Unterstützung für den Dollar kam hingegen aus Japan. Neue Finanzskandale belasteten die dortigen Aktienmärkte.