Börse am Nachmittag: Die Rallye geht weiter - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Die Rallye geht weiter

Die Stimmung am Aktienmarkt bessert sich zunehmend. Davon profitiert vor allem der Neue Markt. Händler warnen jedoch vor zuviel Optimismus. Sie erwarten in Kürze Gewinnmitnahmen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Der Dax hat nach einer positiven Eröffnung der Wall Street zwar leicht nachgegeben, hielt sich am Nachmittag aber noch deutlich im Plus. Um 16.30 Uhr notierte der Blue-Chip-Index mit 1,4 Prozent im Plus auf 4678 Punkten. Am Neuen Markt kletterte der Nemax 50 um 7,6 Prozent auf 926 Zähler.

Der Börsenstart in den USA verlief ebenfalls gut. Der Dow Jones präsentierte sich nach einer Handelsstunde mit 1,2 Prozent im Plus auf 9355 Zählern. Die Nasdaq notierte bei 1671 Punkten, ein Plus von 2,8 Prozent. Händler an der Wall Street gehen unterdessen davon aus, dass der Dow Jones bald wieder die 9600-Punkte-Marke durchbrechen könnte. Damit stünde das Börsenbarometer über dem Niveau vom 11. September.

Die positive Stimmung wurde ausgelöst von guten Konjunkturdaten und Unternehmenszahlen, die über den Erwartungen liegen. Angesichts der anständigen Quartalszahlen von Yahoo, General Electric und E-Trade mache sich ein neues Selbstbewusstsein breit, sagten Marktbeobachter. Noch sei die Situation auf Grund der politischen und wirtschaftlichen Weltlage aber sehr unsicher. Der wie erwartet ausgefallene Entscheid der Europäischen Zentralbank (EZB), die Zinsen unverändert zu lassen, hatte keinen Einfluss auf das Marktgeschehen.

Einige Händler äußerten sich skeptisch über die Entwicklung des Marktes. "Es wäre gesund, wenn sich der Markt zwischendurch mal erholen würde und nicht nur in einem Stück ansteigen würde", sagte Simon Rose, Aktiehändler bei der KBC Bank. Ein anderer Börsianer wies daraufhin, dass es an der Zeit wäre, nach den Anstiegen Gewinne mitzunehmen. "Die Situation ist nach wie vor unsicher und keiner weiß, was aus dem ganzen Konflikt noch resultieren kann", sagte ein anderer Börsianer.

Preussag   und Lufthansa   führten auch am Nachmittag die Gewinnerliste im Dax mit deutlichen Kursaufschlägen an. Die Aktie des Tourismuskonzerns gewann 7,7 Prozent auf 27,45 Euro, die Titel der Fluglinie verteuerten sich um 5,8 Prozent auf 11,85 Euro. Die Lufthansa würde weiter davon profitieren, dass nach den jüngsten Angaben der EU staatliche Beihilfen für angeschlagene Fluggesellschaften wie die belgische Sabena nur begrenzt ausfallen dürften. Auch ziehe die Lufthansa von der allgemein schlechten Lage der Sabena Nutzen, sagte ein Händler. "Wenn es bei anderen Fluggesellschaften schlecht aussieht, profitieren die großen wie Lufthansa. Mit irgend jemandem müssen die Leute ja fliegen."

Auch die Aktie der Deutschen Bank   setzte mit einem Plus von über fünf Prozent ihre Erholung fort: Vorstandschef Rolf Breuer hat einen weiteren Stellenabbau nicht ausgeschlossen. Bisher plant das größte deutsche Finanzinstitut, 2600 Arbeitsplätze abzubauen. "Die Sparpläne stützen die Aktie", sagte ein Händler.

Zu den Gewinnern gehörten weiterhin die Technologiewerte Infineon   , Siemens   und SAP   verzeichneten Zuwächse zwischen 4,7 und 5,6 Prozent. Das Plus bei der Deutsche Telekom   fiel bescheidener aus und blieb unter dem Gesamttrend im Index. Epcos   wurde nach dem rasanten Anstieg der vergangenen Tage durch Gewinnmitnahmen gedrückt. Zu den Verlieren gehörten die Energieversorger RWE   und Eon   , die in den vergangenen Wochen vergleichsweise gut gelaufen waren.

DaimlerChrysler   war mit einem Plus von mehr als drei Prozent trotz schlechter Nachrichten der stärkste Autowert im Dax. Chrysler-Chef Dieter Zetsche hatte eingeräumt, es sei nach den Terroranschlägen nicht mehr sicher, dass Chrysler bereits im kommenden Jahr schwarze Zahlen schreibe. Die Investmentbank Merrill Lynch hat die Gewinnerwartungen bei DaimlerChrysler deutlich gesenkt. Dennoch schichten Anleger von BMW   in DaimlerChrysler um, da BMW im Laufe des vergangenen Monats bereits rund 50 Prozent zugelegt hat.

Neuer Markt: Online-Broker auf Höhenflug

Der Neue Markt hat die Verluste nach den Terroranschlägen mittlerweile wieder wettgemacht und präsentierte sich äußerst freundlich. Der Nemax All Share stieg am Nachmittag auf 950 Punkte. Vor einem Monat, dem Tag der Terroranschläge in den USA, hatte der Index auf 915,22 Punkten eröffnet und war im Handelsverlauf auf 812 Stellen abgesackt. Händler zeigten sich für den weiteren Kursverlauf allerdings nicht allzu optimistisch: "Technisch sind wir schon jetzt wieder überkauft und die Umsätze bleiben dünn", hieß es.

Im Auswahlindex Nemax 50 setzten sich die Online-Broker mit deutlichen Gewinnen vom Feld ab. Spitzenreiter war die Aktie von der DAB Bank   (plus 28,9 Prozent auf 9,60 Euro), gefolgt von ConSors   (plus 25 Prozent auf 11,18 Euro) und Comdirect   (plus 15,4 Prozent auf 6,75 Euro). Auslöser für die gute Performance waren die Geschäftszahlen des amerikanischen Rivalen E-Trade. Das Internet-Unternehmen hatte ein Ergebnis über den Expertenschätzungen bekannt gegeben.

Zudem gefielen die Geschäftszahlen des Branchenriesen Yahoo. Die Aktie von T-Online   legte darauf zweistellig auf 7,73 Euro zu.

Auch die Biotechnologiewerte setzten ihren Höhenflug fort. Lion Bioscience   , Morphosys   , MediGene   und Evotec   kletterten zweistellig. "Gekauft wird, was alle kaufen", sagte ein Analyst zur Kursexplosion der Biotechnologiewerte. Tags zuvor waren die Biotechnologie-Titel in den USA deutlich gestiegen. Ein Auslöser soll die Angst vor Angriffen mit biologischen Waffen auf die USA sein. "Die Leute machen sich nicht klar, dass es wenig Sinn hat, jetzt mit der Erforschung von Gegenmitteln zu beginnen", sagte der Analyst.

Euro tendiert schwächer

Der Kurs des Euro ist zeitweise unter die Marke von 0,90 Dollar gefallen. Gegen 16.20 Uhr notierte die europäische Gemeinschaftswährung mit 0,9015 Dollar wieder etwas über dem Tagestief von 0,8990 Dollar.

Chefdevisenhändler Andreas Zehnpfenning von der Commerzbank in Frankfurt am Main machte für den starken Rückgang technische Faktoren verantwortlich. Der Euro habe die wichtige Marke von 0,91 Dollar durchbrochen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte zuvor die Leitzinsen in der Euro-Zone am Donnerstag unverändert gelassen. Der für die Refinanzierung der Geschäftsbanken maßgebliche Schlüsselzins betrage weiterhin 3,75 Prozent, teilte die EZB nach ihrer auswärtigen Ratssitzung in Wien mit.