Börse am Nachmittag: Dow Jones verliert mehr als 100 Punkte - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Dow Jones verliert mehr als 100 Punkte

Schwache Konjunkturdaten aus den USA haben die Börsen in Frankfurt und New York unter Druck gesetzt. Vor allem Technologiewerte fielen wieder deutlich ins Minus.
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Frankfurt am Main - Der Dax fiel nach Eröffnung der US-Börsen tief ins Minus und verlor bis 16.30 Uhr um 1,2 Prozent auf 5344 Punkte. Am Neuen Markt gab der Nemax 50 2,5 Prozent auf 1106 Zähler nach.

In den USA verloren die Börsen ebenfalls stark. Im fürhen Handel rutschte der Dow Jones um 1,2 Prozent oder 118 Punkte auf 10.263 Zähler ab. Die Nasdaq notierte bei 1879 Punkten, ein Minus von 1,7 Prozent.

Schwache Zahlen zum Verbrauchervertrauen in den USA haben die Aktienmärkte am Nachmittag in die Tiefe gerissen. Analysten hatte mit einem Anstieg auf 116,9 bis 118,5 Punkte gerechnet. Stattdessen fiel der vom Conference Board errechnete Index auf 114,3 Zähler. Für die Wirtschaft bedeutet dies, dass ein Konjunkturaufschwung wohl noch länger auf sich warten lässt und zudem der Markt für Konsumgüter schweren Zeiten entgegensieht. Der Rückgang reflektiere den sich verschlechternden US-Arbeitsmarkt und die rückläufigen Konsumausgaben, teilte das Conference Board mit.

Zuvor enttäuschten in Deutschland die Zahlen zum Geldmengenwachstum, das höher als erwartet ausfiel und Hoffnungen auf eine EZB-Zinssenkung dämpft. Die Euro-Banker tagen am kommenden Donnerstag.

Im Blickpunkt der Anleger in Frankfurt stand die Deutsche Telekom. Nachdem die T-Aktie bis zum frühen Nachmittag freundlich notierte, drehte der Wert nach Handelsbeginn in den USA ins Minus und verlor 0,3 Prozent auf 18,10 Euro. Konzernchef Ron Sommer hatte am Morgen Verluste im Mobilfunkgeschäft und bei den Töchtern T-Systems und T-Online gemeldet und zugleich ein "deutlich positives" Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen bis 2002 angekündigt. Mittel- bis langfristig werde die T-Aktie wieder stärker steigen als der Markt, sagte Sommer.

Analysten zeigten sich nicht überzeugt, dass die Telekom anstehende T-Aktien-Verkäufe von Großaktionären ganz unter Kontrolle bekommt, und sagten eine weitere hohe Volatilität voraus. Laut Theo Kitz von Merck Finck bleibe die T-Aktie bis zum Jahresende unter Druck. Kleine Kurserholungen würden von Investoren immer zum Verkauf genutzt. Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin sagte, die ablaufenden Haltefristen und das Warten auf die Vorlage der Geschäftszahlen für 2001 im Januar verhinderten eine stabile Kurserholung. "Das wird volatil bleiben, ganz klar." Zum erwarteten Aktienrückfluss sagte er: "Der Markt wird sicher noch eine Weile brauchen, um das zu verkraften."

Bayer-Titel standen weiterhin oben in der Dax-Gewinnerliste und verteuerten sich um 2,8 Prozent auf 36,07 Euro. Das Papier profitierte von der Meldung, dass die Schweizer Roche Holding für die Pharma-Sparte von Bayer ein vorläufiges Angebot über rund 20 Milliarden Dollar gemacht habe. Die Zahlung solle in Aktien und in bar erfolgen, berichtete "NewsAlert.com" am Dienstag unter Berufung auf Unternehmenskreise. Der Aufsichtsrat von Bayer wolle die Offerte von Roche während eines Treffens am 13. September diskutieren. Bayer selbst kommentierte die Meldung nicht.

Die Aktie von Preussag notierte mit einem Aufschlag von 1,8 Prozent auf 36,18 Euro freundlich. Das Unternehmen gab bekannt, die Touristik-Tochter "TransEuropa Reisen GmbH" künftig nach ihrer Marke "1-2-Fly" zu benennen. Da sich 1-2-Fly als starke Marke etabliert habe, mache es keinen Sinn mehr, mit zwei unterschiedlichen Namen zu operieren, hieß es. Das Nebeneinander von Marke und Veranstalter habe bei Gästen vielmehr für Verwirrung gesorgt.

Volkswagen-Papiere verloren 0,5 Prozent auf 49,96 Euro. Die Wolfsburger und die Gewerkschaft IG Metall einigten sich am Morgen auf das Tarifmodell "5000 mal 5000". Es sieht völlig neue Regelungen bei Arbeitszeit, Organisation und Bezahlung vor.

Die Technologietitel litten unter Kursverlusten: Die Aktien von Infineon haben nach einem kurzen Ausflug ins Plus wieder verloren und gaben 3,1 Prozent auf 26,40 Euro ab. Epcos-Titel verbilligen sich um 3,2 Prozent auf 46,35 Euro. Siemens-Papiere zeigten sich zwei Prozent schwächer auf 58,80 Euro.

Die im MDax notierten Aktien von Jenoptik zogen um 5,8 Prozent auf 22,74 Euro an. Der Technologiekonzern hat seine Prognosen für das Gesamtjahr bestätigt. Trotz der anhaltenden Schwäche der Halbleiterindustrie würden für 2001 Auftragseingänge in Vorjahreshöhe erreicht. Der Umsatz soll im Gesamtjahr um mindestens 25 Prozent und der Jahresüberschuss um mehr als 30 Prozent steigen.

Die Aktien des Erotikkonzerns Beate Uhse legten um über zwei Prozent auf 12,35 Euro zu. Das Flensburger Unternehmen hat im ersten Halbjahr seinen Umsatz um 76 Prozent auf 205,4 Millionen Markt gesteigert und geht weiter von einer guten Geschäftsentwicklung aus.

Geringe Erwartungen an den Neuen Markt

Da der Neue Markt in den vergangenen Tagen recht gut gelaufen sei, würden die Abgaben nicht überraschen. "Wenn wir das Indexniveau halten ist das schon ein Erfolg, denn Anzeichen dafür, dass die Nasdaq nach oben wegzieht gibt es nicht", kommentierte ein Händler das Geschehen am Neuen Markt.

Die wiederholte Terminverschiebung bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen ließen die Anleger bei EM.TV nicht ganz so kalt, wie Händler dies am Morgen noch glaubten. Die Aktie sank um 8,8 Prozent auf 2,60 Euro. Zuvor hatte das Medienunternehmen gemeldet, die fälligen Quartalszahlen mit Absprache der Deutschen Börse erst Ende September zu veröffentlichen. "Positiv ist, dass jetzt keine Strafe fällig wird", sagte ein Händler in Frankfurt.

Senator, die am Vortag rund 18 Prozent zugelegt hatten, litten unter Gewinnmitnahmen. Die Aktie zeigte sich am Nachmittag zwölf Prozent schwächer auf 2,85 Euro und war damit schwächster Wert im Nemax 50.

Die Aktien von Cybio sind nach Vorlage der Halbjahreszahlen um annähernd 40 Prozent auf 6,36 Euro eingebrochen. "Die Halbjahreszahlen waren grottenschlecht", begründete ein Händler den Kurssturz. Das Biotechnologie-Unternehmen geht nach dem ersten Halbjahr von einem Umsatz unter dem Vorjahresniveau aus. Zudem sollen eigene Aktien zurückgekauft werden. Derzeit würden die Anleger nur auf die Zahlen achten und solche Fehlleistungen gnadenlos abstrafen, sagte der Händler.

Kurs des Euro gefallen

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,9042 (Montag: 0,9090) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1631 (2,1516) Mark.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6281 (0,6307) Pfund, 108,75 (109,18) Yen und 1,5166 (1,5194) Schweizer Franken fest.