Börse am Nachmittag: Düsterer Wochenausklag - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Düsterer Wochenausklag

Die Aktienmärkte in Frankfurt und New York haben auf enttäuschende Konjunkturdaten mit massiven Kursabschlägen reagiert. Zu den wenigen Lichtblicken gehören Volkswagen und Infineon.
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Frankfurt am Main - Die Eröffnung der US-Börsen hat den Händlern in Frankfurt den Wochenausklang endgültig vermiest. Im Sog massiver Verluste der Wall Street fielen der Dax und der Nemax immer tiefer. Im Handelsverlauf sackte der Blue-Chip-Index bis auf 4745 Punkte herab. Bis 16.30 reduzierte der Dax seine Verluste jedoch wieder auf 4819 Zähler, immer noch ein Minus von 1,1 Prozent. Die Marke von 4800 Punkten gilt unter Charttechnikern als besonders wichtig. Sollte das Börsenbarometer darunter schließen, ist der Weg nach unten frei. Am Neuen Markt verlor der Nemax 50 ein Prozent auf 936 Punkte. Zuvor markierte der Auswahlindex ein Allzeittief von 923 Zählern.

In den USA wurde nach Bekanntgabe enttäuschender Arbeitsmarktdaten bereits mit einer schwachen Eröffnung gerechnet, was dann folgte, erstaunte aber doch. Der Dow Jones rauschte kurz nach Handelsbeginn auf 9683 Punkte herab, kletterte im weiteren Verlauf aber wieder auf 9730 Punkte und notierte damit 1,1 Prozent unter dem Vortagesschlussstand. Die Nasdaq drehte nach einem schwachen Auftakt sogar ins Plus und kletterte um 0,2 Prozent auf 1709 Zähler.

Auslöser der Talfahrt: Die Arbeitslosigkeit in den USA nimmt nach einer anhaltenden Serie von Entlassungen weiter zu. Im August kletterte die Quote auf 4,9 Prozent nach 4,5 Prozent im Vormonat und erreichte damit den höchsten Stand seit vier Jahren, wie das Arbeitsministerium in Washington am Freitag mitteilte. Analysten hatten einen Anstieg der Arbeitslosenquote auf 4,6 Prozent erwartet. Konjunkturexperten zeigten sich besonders über den drastischen Stellenabbau im Verarbeitenden Gewerbe besorgt. Hier wurden im August 141.000 Jobs weniger verzeichnet - der größte Rückgang seit Juli 1998. Einen Stellenzuwachs verzeichnete dagegen der Dienstleistungssektor.

Die am Vortag arg gebeutelten Technologiewerte blieben am Freitag von dem Kursrutsch weitgehend verschont. Zum einen hatte der Chipriese Intel   seine Prognosen bestätigt, zum anderen stärkte Goldman Sachs mit einer positiven Studie zum Halbleitersektor die Branche. In Frankfurt profitierten davon vor allem die Aktien von Infineon   (plus 3,3 Prozent auf 22,55 Euro) und Epcos   (plus 1,9 Prozent auf 39,50 Euro). Die Titel der Konzernmutter Siemens   gaben dagegen 2,2 Prozent auf 49,85 Euro ab.

Die Telekombranche wurde von neuen Zweifeln über die UMTS-Technologie belastet. Der weltgrößte Mobilfunkanbieter Vodafone musste technische Probleme bei der Einführung der neuen Technologie einräumen. Statt der angekündigten Breitband-Anwendungen werden vorerst wohl nur Schmalspurlösungen angeboten. Europaweit sind die Telekom-Titel daraufhin in den Keller gerauscht. Die T-Aktie   (minus 1,7 Prozent auf 15,25 Euro) wurde zudem von einem bekannt gewordenen Paketverkauf der Investmentbank Goldman Sachs belastet.

Finanzwerte blieben wie schon am Vortag unter Druck. Gerüchte, die Deutsche Bank   werde seine Vermögensverwaltung (Asset Managment) ausbauen und im Gegenzug das Versicherungsgeschäft reduzieren, belasteten die Aktie stark. Die Deutsche Bank und die Zürich-Gruppe stehen nach Angaben der "Financial Times Deutschland" vor einem Tauschgeschäft, mit dem die Deutsche Bank sich aus dem operativen Versicherungsgeschäft verabschieden würde.

Auch die Aktien der Allianz   und Münchener Rück   gaben weiter nach. Einer der größten Verlierer im Dax war der Finanzdienstleister MLP   , der seit seinem Aufstieg in den Dax ein Kursdebakel erlebt.

Die Commerzbank   gab mit dem Sektor nach. Marktkreisen in London zufolge soll die italienische Unicredito an diesem Wochenende ein Angebot für die Commerzbank vorlegen. Als möglicher Preis wurde 26,05 Euro je Commerzbank-Aktie oder 6,13 Unicredito-Titel genannt. Unicredito wollte dies bislang nicht kommentieren. Frankfurter Bankenkreise hielten das Marktgerücht für wenig überzeugend, zumal der Preis für die Investorengruppe Cobra nicht attraktiv sein dürfte.

Die Autowerte notierten uneinheitlich. Die Aktie von Volkswagen   führte mit einem Kursaufschlag von über vier Prozent die Gewinnerliste im Dax an. Der Wert profitierte von der Ankündigung, dass der ehemalige BMW-Chef Bernd Pischetsrieder die Nachfolge von Ferdinand Piëch antreten wird. Die Aktien von BMW   legten leicht zu, DaimlerChrysler   -Titel gaben hingegen mehr als drei Prozent nach.

Neuer Markt im Niemandsland

Im Nemax 50 konnten Broadvision   und Pixelpark   trotz der schlechten Nachrichten aus New York Gewinne verteidigen. Auch T-Online   tendierte fester. Am Ende des Index notierten EM.TV   und Umweltkontor   . Auch das Biotechnologie-Schwergewicht Qiagen   musste Verluste hinnehmen.

Fusion mit KirchMedia läßt ProSieben abstürzen

Medienmogul Leo Kirch bringt sein Kerngeschäft durch eine Fusion mit dem ProSieben-Konzern im kommenden Jahr an die Börse. ProSiebenSat1 Media wird dazu auf die Muttergesellschaft KirchMedia verschmolzen. Wenn der Beschluss bis spätestens Ende Juni 2002 umgesetzt wird, wird es die derzeit im MDax notierte ProSiebenSAT.1-Aktie nicht mehr geben. Stattdessen soll die neue KirchMedia an der Börse gelistet werden. Die Aktie von ProSiebenSat1 brach um knapp 18 Prozent ein. Schon am Donnerstag gab der Titel zweistellig nach.

Euro gewinnt nach US-Arbeitsmarktbericht einen vollen Cent

Der Euro hat nach Veröffentlichung der enttäuschenden US-Arbeitsmarktbericht zeitweise einen vollen Cent auf Kurse um 0,9054 Dollar gewonnen. Im Verlauf gab der Kurs wieder geringfügig nach. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Mittag auf 0,8952 (Donnerstag: 0,8855) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1848 (2,2087) Mark.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6161 (0,6109) Pfund, 108,32 (107,36) Yen und 1,5118 (1,5115) Schweizer Franken fest.