Börse am Nachmittag: Dunkle Wolken aus USA - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Dunkle Wolken aus USA

Schwache US-Futures und gestiegene Verbraucherpreise drücken die Indizes tiefer ins Minus. SAP und Epcos geraten stärker unter Druck. Am Neuen Markt stehen T-Online und Telegate auf den Verkaufslisten.
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Frankfurt am Main - Der Dax baute am Nachmittag seine Verluste auf 1,8 Prozent aus und fiel auf 5963 Punkte. Der Nemax All Share rutschte um 2,6 Prozent auf 1757 Zähler, der Nemax 50 gab sogar 2,8 Prozent auf 1667 Punkte nach.

Der Nasdaq Future steht tief im Minus und deutet auf eine schwache Eröffnung der US-Technologiebörse hin. Im Dax finden sich die Technologiewerte am Ende des Index wieder. Sie hatten zwar in der Vergangenheit von den jüngsten Zinssenkung der Fed profitiert, doch nun überwiegen die Konjunktursorgen. Nach den mahnenden Worten Alan Greenspans, der die Rezessionsgefahr noch nicht gebannt sieht, verdüsterten am Nachmittag die gestiegenen Verbraucherpreise in Euroland die Stimmung: Die Teuerungsrate betrug im April 2,9 Prozent, nach 2,6 Prozent im März.

Siemens, Infineon und Epcos verloren zwischen 2,8 und 3,1 Prozent. Größter Verlierer unter den Tech-Werten und Dax-Schlusslicht war am Nachmittag SAP mit einem Minus von 4,7 Prozent. Nach der Rallye der vergangenen Wochen nehmen Anleger Gewinne mit.

Die T-Aktie hielt sich mit einem Minus von 1,8 Prozent noch am besten. Epcos (minus 3,1 Prozent) wurde zudem von der Gewinnwarnung des japanischen Bauelemente-Herstellers Murata belastet. Epcos sei im Vergleich zwar viel günstiger bewertet, sagten Händler. Die Abschläge passten aber zur angeschlagenen Marktpsyche.

Die erwartete Leitzinssenkung um 0,5 Prozent hat Ängste geschürt, die Konjunkturlage sei noch kritischer als erwartet. Die US-Notenbank schließt weitere Zinssenkungen nicht aus: Statt darin die stimulierenden Impulse wie billigere Kredite und Erleichterungen der Investitionen zu sehen, blicken die Börsianer lieber auf die Wolken am Konjunkturhimmel.

Im Plus notierte am Mittag lediglich die Aktie von AdidasSalomon (plus 1,5 Prozent auf 66 Euro). Gerüchte der vergangenen Woche, der Sportartikelhersteller wollte Anteile des FC Bayern kaufen, seien ausgeräumt und könnten die Aktie nicht weiter belasten, sagten Händler.

Volkswagen hat angebliche Pläne für einen Börsengang von Teilen des VW-Konzerns dementiert. Die "WirtschaftsWoche" hatte unter Bezug auf ein Interview mit dem VW-Vorstandsvorsitzenden Ferdinand Piech berichtet, es sei daran gedacht, die Tochter Audi und den Finanzsektor samt VW- Bank abzuspalten und an die Börse zu bringen. Die Volkswagen-Aktie drehte am Nachmittag um 0,3 Prozent ins Plus.

Die Papiere der Deutsche Lufthansa notierten nach dem Scheitern der Tarifgespräche deutlich ins Minus. Nun droht für Donnerstag wieder ein 24-Stunden-Streik. Die Aktie gab zuletzt 2,6 Prozent auf 21,25 Euro nach.

Die Zinsen in den USA sind nach der fünften Leitzinssenkung der Fed auf dem niedrigsten Stand seit April 1994. Der Zinssatz ist jetzt bei 4 Prozent und damit niedriger als in der Eurozone (4,5 Prozent). Die EZB gerät nun unter Druck, ebenfalls mit einer Zinssenkung nachzuziehen. Die Finanztitel im Dax notierten am Nachmittag dennoch schwächer: Die Commerzbank verlor 0,2 Prozent, die Dresdner Bank 0,8 Prozent und die Deutsche Bank sogar 1,8 Prozent.

Post nach Quartalszahlen schwach

Die Linde AG hat im ersten Quartal ein um 14 Prozent gestiegenes operatives Ergebnis (EBITA) von 124 Millionen Euro erwirtschaftet. Das Vorsteuerergebnis lag unter den Erwartungen der Analysten. Die Aktie gab zuletzt 2,3 Prozent auf 49 Euro ab.

Die Deutsche Post AG tendierte nach Bekanntgabe der Quartalszahlen zuletzt 2,1 Prozent schwächer. Die Post steigerte ihren Umsatz zwar um rund zehn Prozent, doch erlitt das Unternehmen im wichtigen Briefgeschäft leichte Einbußen. Auch der Jahresüberschuss des Gesamtkonzerns fiel im 1. Quartal 2001 geringer als im Vorjahreszeitraum aus. Neuer Markt: Thiel im Aufwind, T-Online unter Druck

Am Neuen Markt drückten die Konjunktursorgen noch stärker auf die Kurse. Lediglich Biodata (plus 3,3 Prozent), Lambda Physik (plus 2,1 Prozent) und Thiel Logistic (plus 2,1 Prozent) verbuchten deutliche Kursgewinne. Der Logistikdienstleister Thiel hat im ersten Quartal 2001 sein operatives Ergebnis (Ebit) um 243 Prozent auf 12,7 Millionen Euro erhöht.

Der Telefonauskunfts-Dienstleister Telegate meldete dagegen einen Quartalsverlust von 15 Millionen Mark und rutschte damit tiefer in die roten Zahlen. Die Papiere stürzten zuletzt um 11 Prozent auf 24 Euro ab. Auch Evotec Biosystems gaben knapp vier Prozent nach und notierten am Nachmittag bei 18,70 Euro. Das Biotechnologie-Unternehmen hat seinen Umsatz im ersten Quartal um 440 Prozent auf 11,3 Millionen Euro gesteigert. Der Nettoverlust habe 40,1 Millionen Euro betragen. Das Nemax-Schwergewicht T-Online rutschte um 5 Prozent auf 11,45 Euro ab.

Euro legt deutlich zu

Nach der US-Zinssenkung hat sich die Zinsschere zwischen den USA und Euroland wieder geöffnet. Kurzfristige Euro-Anlagen werden damit attraktiver. Der Euro war am Mittwoch Morgen zunächst leicht auf 0,876 Dollar gefallen, zog dann aber deutlich an und wurde zuletzt für 0,8838 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstag auf 0,8768 US-Dollar festgesetzt.