Börse am Nachmittag Einbruch nach der EZB-Sitzung
Frankfurt am Main Die deutschen Aktienmärkte haben mit weiteren Kursverlusten auf die Entscheidung der Europäischen Zentralbank reagiert, die Leitzinsen nicht zu senken. Zusätzlich drückten Gewinnmitnahmen und schwache US-Futures auf die Aktienindizes. Der Dax fiel um 2,5 Prozent auf 4690 Punkte. Die Wachstumswerte im Nemax 50 standen mit 1,7 Prozent auf 1073 Zählern im Minus.
Händler hatten zuvor gesagt, der Markt erwarte eine Senkung um einen 25 Basispunkte, was auch in den Kursen bereits berücksichtigt sei. "Es ist nicht das erste Mal, dass die EZB den Markt enttäuscht", sagte ein Händler. "Aber die Reaktion ist wohl nicht so extrem, da der Markt sowieso von Gewinnmitnahmen geprägt ist", fügte der Börsianer hinzu. Die EZB hatte den Mindestbietungssatz beim Zinstender unverändert bei 3,75 Prozent belassen. Der Euro gab infolge der Zinsentscheidung deutlich nach und fiel auf 0,8889 Dollar.
Im Dax notierten nur noch wenige Titel im Plus. Ohne neue Nachrichten standen Commerzbank mit plus 1,7 Prozent auf 18,20 Euro an der Spitze des Dax. MLP zog noch mit einem Prozent an. Die Titel der Deutsche Bank kletterten um 0,9 Prozent auf 62,88 Euro.
Unter den Technologiewerten verloren Infineon 1,2 Prozent auf 18 Euro. Am Vormittag hatten die Kursgewinne mehr als drei Prozent betragen. Siemens und Epcos rutschten dagegen nur leicht in die Verlustone. Deutsche Telekom gaben zuletzt 1,5 Prozent auf 18,96 Euro ab.
Schlechte Zahlen hat die HypoVereinsbank vorgelegt. Der Gewinn vor Steuern ging in den Monaten Juli bis September um fast zwei Drittel auf 94 Millionen Euro zurück. Damit liegt das Ergebnis unter den Erwartungen von Analysten. Auch für das vierte Quartal rechnet die Bank nicht mit einer spürbaren Besserung der Geschäftslage. Zuletzt fiel die Aktie um knapp fünf Prozent auf 34,90 Euro.
Bayer baute seine Verluste auf mehr als fünf Prozent bei knapp 33,60 Euro aus. Der Chemiekonzern wird sein Antibiotikum gegen Milzbrand zu einem stark gesenkten Preis an die US-Regierung verkaufen. Mit zunächst 95 US-Cents je Tablette bekommt Bayer etwa die Hälfte des ursprünglich geforderten Preises. Dies scheint den Anlegern nicht zu gefallen. Sie trennen sich von dem Papier.
Das Darmstädter Chemie- und Pharma-Unternehmen Merck steuert auf das beste Geschäftsjahr seiner 333-jährigen Firmengeschichte zu. "Wir werden das Gesamtjahr mit zweistelligen Wachstumsraten bei Umsatz und Ergebnis abschließen", schrieb Merck-Chef Bernhard Scheuble am Donnerstag zur Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal. Danach wuchs der Umsatz von Merck zwischen Juli und September um 14 Prozent auf 1,95 Milliarden Euro (3,81 Milliarden Mark). Das operative Ergebnis stieg im Vergleich zum Vorjahr um 52 Prozent auf 293 Millionen Euro. Die im M-Dax notierte Aktie fiel zuletzt auf ihr Vortagesniveau bei 40,76 Euro zurück.
Der Sportartikelhersteller Puma sprintet auf Erfolgskurs und erwartet nach einem Gewinnsprung im dritten Quartal im Gesamtjahr ein Rekordergebnis. Puma werde 2001 das Vorsteuerergebnis auf mehr als 50 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr praktisch verdoppeln, sagte Puma-Chef Jochen Zeitz am Donnerstag. Der Umsatz werde 2001 um 26 Prozent steigen. "Die gute Auftragslage deutet darauf hin, dass auch 2002 ein zweistelliger (prozentualer) Zuwachs bei Umsatz und Gewinn möglich ist", sagte Zeitz. Die Aktie baute ihre Zugewinne auf 14 Prozent bei 23,80 Euro aus.
Die Quartalszahlen des Softwareherstellers Broadvision sind nach Analysteneinschätzung überraschend gut ausgefallenen und beflügelten den Kurs der am Neuen Markt notierten Aktie. Zeitweise stiegen die Papiere um knapp 26 Prozent. Zuletzt lag die Aktie mit 12 Prozent bei 2,50 Euro im Plus.
"Das Quartalsergebnis sieht zwar in absoluten Zahlen nicht gut aus, ist aber wesentlich besser als die Schätzungen ausgefallen", sagte Matthias Dürr, Analyst der DZ Bank. Händler sagten, die Aktie sei wieder gesucht. Allerdings handele es sich auch um viele so genannte Short-Eindeckungen. Dabei hätten Investoren zuvor mit Leerverkäufen auf fallende Kurse spekuliert und müssten nun angesichts der steigenden Kurse ihre Positionen glattstellen, um die eigenen Verluste zu begrenzen.
Die Aktien von MobilCom gaben zuletzt zwar ab, standen aber mit einem Tagesgewinn von mehr als fünf Prozent auf 21,52 Euro weiter an der Spitze des Nemax 50. Händler machten dafür positive charttechnische Signale verantwortlich. Dabei hatte das Mobilfunkunternehmen zuvor den Start seiner Mobilbank verschoben. "Nachdem der Preis von 20 Euro pro Aktie überschritten wurde ist der Weg nach oben aus charttechnischer Sicht frei", sagte ein Händler. Zuvor sei die Aktie dreimal am charttechnischen Widerstand bei 20 Euro abgeprallt.