Börse am Nachmittag EM.TV räumt ab
Frankfurt am Main - Getragen von einer starken T-Aktie und anderen Schwergewichten legte der Dax am frühen Nachmittag rund ein Prozent auf 6100 Punkte zu. Die Wachstumswerte im Nemax 50 gewannen zwei Prozent auf 1740 Punkte. Der Trend könnte sich noch umkehren, wenn die US-Konjunkturdaten am Nachmittag schlecht ausfallen. Zur Veröffentlichung stehen unter anderem Arbeitsmarktdaten an.
Die T-Aktie war auf dem besten Weg, ihre Abschläge vom Vortag wieder wett zu machen. Das Papier verteuerte sich zuletzt um drei Prozent auf 24,53 Euro und gehörte damit zu den stärksten Werten im Dax. "Nach den schwachen Tagen sieht der Markt jetzt die Gelegenheit zum Kauf", sagte Analystin Annemarie Schlüter von der Hamburger Sparkasse. Vor allem Käufer aus Amerika und Großbritannien seien im Markt, sagte ein anderer Händler.
Der Kursanstieg einen Tag vor der Übernahme von Voicestream Wireless sei eine momentane Reaktion und keine Trendwende, schränkte Schlüter ein. Es müsse auch in Zukunft mit schwächeren Tagen gerechnet werden, vor allem wenn institutionelle ausländische Anleger Anteile verkaufen. So habe sich die finnische Sonera Corp. von einem Teil der Voicestream-Aktien getrennt, weil sie keine Beteiligung an der Deutschen Telekom anstrebe.
Am Tag des Übernahmeangebots für die Dresdner Bank lagen die Aktien der Allianz mit 3,5 Prozent auf 330 Euro im Plus. Auch die Aktien der Dresdner Bank reagierten beflügelt auf die Einzelheiten der Fusion, von der sich beide Unternehmen deutliche Synergieeffekte versprechen. Dresdner Bank konnten um 2,70 Prozent auf 52,16 Euro zulegen.
Stefan Buchholz, Analyst der DG Bank, bewertet die Folgen der Verschmelzung der beiden Unternehmen als neutral. Synergieeffekte seien im Asset Management und IT-Bereich zu erwarten. Die von dem Unternehmen erwarteten Synergieeffekte bis 2006 hält Buchholz als "zu ambitioniert".
Der Markt habe positiv aufgenommen, dass endlich konkrete Einzelheiten zur Übernahme der Dresdner Bank genannt wurden, sagte Sebastian Friedrich von der Hamburgischen Landesbank. Die Allianz bietet den Anteilseignern für zehn Dresdner-Bank-Aktien eine Allianz-Aktie und 200 Euro in bar. Wie das Unternehmen am Donnerstag weiter mitteilte, startet das Angebot sofort und läuft voraussichtlich bis zum 13. Juli. Damit blieb es erwartungsgemäß bei dem bereits früher angekündigten Gebot.
Neben der T-Aktie erholten sich auch einige der am Vortag gebeutelten Tech-Werte. Die Anteilsscheine des Softwareherstellers SAP verteuerten sich um rund ein Prozent auf 164,32 Euro. Nach Presseberichten will SAP mit dem Computerkonzern Hewlett-Packard zusammen arbeiten.
Infineon-Papiere gewannen 2,2 Prozent auf 40,66 Euro. Einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge hat sich die Infineon-Tochter Sci-worx eng an den japanischen Technologiekonzern Toshiba gebunden.
Die Wachstumswerte am Neuen Markt hatten heute einen schlechten Start erwischt, drehten dann aber schnell ins Plus. Der Markt sei "überverkauft" gewesen, sagte ein Händler. "Die Nachrichten der vergangenen Tage sind zu negativ bewertet worden", so ein weiterer Händler. Nach den starken Kursverlusten von bis zu 12 Prozent zu Beginn der Woche habe die Stimmung gedreht. Die potenziellen Käufer hätten festgestellt, dass gar nicht so viel "Ware auf dem Markt ist".
Für Schlagzeilen sorgten einmal mehr die Papiere von EM.TV. Der einstige Stern am Neuer-Markt-Himmel hatte am Morgen angekündigt, auch die zweite Frist für die Vorlage der Quartalszahlen nicht einhalten zu können. Gleichwohl konnte die Aktie um mehr als 13 Prozent auf 3,44 Euro zulegen und war damit stärkster Wert im Nemax 50. Die Nachricht, dass EM.TV die Quartalszahlen nicht rechtzeitig vorlegen könne, habe den Kurs nicht weiter belastet, sagte ein Händler. "Das ist bereits seit gestern abend im Markt." Bei den aktuellen Kursgewinnen handele es sich vielmehr um eine technische Reaktion. Die Aktie hatte am Mittwoch rund zehn Prozent verloren.
Ohne fundamentale Neuigkeiten verbesserten sich die Papiere des Chipbrokers CE Consumer um knapp zwölf Prozent auf 9,64 Euro.
Die Gauss Interprise AG hat im ersten Quartal 2001 ihren Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 2,71 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 7,54 Millionen Euro ausgebaut. Gleichzeitig sei der Umsatz von 4,99 Millionen Euro auf 11,85 Millionen Euro gestiegen, teilte der Anbieter von Content-Management-Lösungen mit. Die Gruppe rechnet nach eigenen Angaben im vierten Quartal damit, die Gewinnzone auf Basis des Ebitda zu erreichen. Der optimistische Ausblick verschaffte der Aktie ein Plus von zuletzt noch rund 2,8 Prozent auf 2,21 Euro.
Der Filmrechtehändler Intertainment hat im ersten Quartal 2001 sein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) verglichen mit der Vorjahresperiode von 23 Millionen Euro auf minus 0,44 Millionen Euro reduziert. Gleichzeitig sei der Umsatz von 33,4 Millionen Euro auf 4,88 Millionen Euro zurück gegangen. Grund für den gesunkenen Umsatz sei der Rechtsstreit mit Franchise Pictures. Die Filmrechte, die Gegenstand des Streites seien, hätten bislang nicht ausgewertet werden können. Die Aktie verlor 6,1 Prozent auf 5,07 Euro.
Die am ebenfalls im marktbreiteren Nemax-All-Share notierte Beko Holding AG hat im ersten Quartal 2001 ihren Gewinn nach Steuern um 49,9 Prozent auf 1,6 Millionen Euro gesteigert. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) ist im Vergleich zum Vorjahr um 91,6 Prozent auf 1,9 Millionen Euro geklettert. Die Aktie legte um 5,7 Prozent auf 9,48 Euro zu.
Schwächster Wert am Neuen Markt waren die Papiere des Pleitekandidaten Teldafax mit Abschlägen von 11,36 Prozent auf 0,39 Euro. Stefan Legner, Vorstand Technik der Teldafax AG, wird - wie geplant - nach Ablauf seines Vertrages mit Wirkung zum 31. Mai 2001 aus dem Unternehmen ausscheiden. Das teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.
Trotz eines deutlich höheren Verlustes im ersten Quartal 2001 sind die Aktien von Lipro um rund 25 Prozent auf schlappe 1,41 Euro gestiegen und waren damit stärkster Wert am gesamten Neuen Markt. Händler erklärten den Aufschlag mit Marktspekulationen über eine eventuell bevorstehende Lösung des Liquiditätsengpasses des Berliner Softwarehauses zurück.