Börse am Nachmittag: Es regnet Konjunkturdaten - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Es regnet Konjunkturdaten

Konjunkturdaten aus den USA können die Wall Street nicht beflügeln - Gewinnmitnahmen prägen den Handel und drücken auch die Aktienkurse in Frankfurt. Die T-Aktie verteidigt ihr Plus von rund drei Prozent.
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Frankfurt am Main – Nach einer Flut von Konjunkturdaten haben die amerikanischen Aktienmärkte am Mittwoch leichter eröffnet. Der Dow Jones gab bis 15.45 Uhr 0,4 Prozent auf 10.254 Zähler ab. Der Nasdaq Composite tendierte ein Prozent leichter bei 1701 Zählern. Der Dax notierte zuletzt mit 0,6 Prozent auf 5019 Zählern im Minus. Der Nemax 50 lag 0,8 Prozent auf 870 Punkte im Plus. Aus den USA waren vor Handelsbeginn widersprüchliche Konjunkturdaten gemeldet worden. Die Lagerbestände in der US-Wirtschaft sind im März im Vergleich zum Vormonat saisonbereinigt um 0,3 Prozent auf 1,117 Billionen Dollar gesunken. Dies ist der niedrigste Stand seit Oktober 1999. Ökonomen hatten im Durchschnitt einen Rückgang um 0,2 Prozent erwartet.

Die Verbraucherpreise in den USA sind im April überraschend um 0,5 Prozent gestiegen. Ökonomen hatten im Vorfeld mit hingegen einem Zuwachs von 0,4 Prozent gerechnet. Damit wurde auf Monatssicht der stärkste Preisauftrieb seit elf Monaten verzeichnet.

Die US-Realeinkommen sind im April im Vergleich zum Vormonat um 0,7 Prozent gefallen. Wie das US-Arbeitsministerium am Mittwoch weiter berichtete, wurde für den März ein revidierter Anstieg von 0,2 (vorläufig: minus 0,1) Prozent gemeldet.

Die US-Industrieproduktion ist im April gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozent gestiegen und traf damit die Erwartungen von Ökonomen. Das ist der vierte Anstieg der Industrieproduktion in monatlicher Folge. Allerdings hatte die Zuwachsrate im März noch 0,7 Prozent betragen. So besteht Unsicherheit unter den Experten darüber, ob es sich bei dieser positiven Tendenz um eine nachhaltige Entwicklung handelt. Am Dienstag hatten die US-Einzelhandelsumsätze für April mit einem unerwartet starken Anstieg positiv überrascht.

Presseberichte über Stellenstreichungen und der mögliche Einstieg von Microsoft   bei der Internet-Tochter T-Online   haben die Aktie der Deutschen Telekom   beflügelt. Die T-Aktie konnte gegenüber dem Rest der Standardwerte ihre Zugewinne zuletzt auf 2,90 Prozent oder 13,71 Euro ausbauen und stand damit an der Spitze des Dax.

Die Telekom habe dem US-Softwarekonzern angeboten, bis zu 24,9 Prozent ihrer Internet-Tochter T-Online zu übernehmen, berichtet das Wirtschaftsmagazin "Capital". Zudem wollten die Bonner bis zu 15.000 der noch verbliebenen 118.000 Arbeitsplätze streichen. "Das sind gute Nachrichten für die verschuldete Telekom", sagte ein Händler in Frankfurt und führte die Kursgewinne darauf zurück.

MAN nach schlechten Zahlen unter Druck

Die Aktie des Münchner Maschinenbauers MAN   notierte nach Vorlage enttäuschender Quartalszahlen als Schlusslicht im Dax.. Das Papier verlor um zuletzt 3,46 Prozent auf 25,97 Euro. "Die Zahlen von MAN waren schlechter als erwartet. Vor allem die Nutzfahrzeugsparte und die Sonderabschreibungen haben belastet", sagte ein Händler.

Die Aktie des Essener Energieversorgers RWE   hat nach der Vorlage der Quartalszahlen ins Minus gedreht. Zuletzt notierte das Papier 1,41 Prozent schwächer auf 41,33 Euro. Nach Ansicht der Analysten der West LB sind die Zahlen besser als erwartet ausgefallen. Daher prüfen sie, den Wert von "Neutral" auf "Outperform" herauf zu stufen.

Lufthansa-Aktie rutscht ins Minus

Die Lufthansa schreibt weiter rote Zahlen. Wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte, betrug der Verlust in den ersten drei Monaten dieses Jahres 186 Millionen Euro. Dies ist fast doppelt so viel wie ein Jahr (94 Millionen Euro) zuvor. Grund für den Rückgang sei der Verlust beim Finanzergebnis, der vor allem auf die Beteiligung am Tourismuskonzern Thomas Cook zurückzuführen.

Der operative Gewinn stieg dagegen vor allem wegen erheblicher Kosteneinsparungen um sieben auf zwölf Millionen Euro. Das Unternehmen hat damit die Analystenerwartungen übertroffen. Die Aktie hatte war stark gestartet, gab aber im Handelsverlauf immer weiter ab und notierte zuletzt mit einem Minus von 0,25 Prozent bei 16,20 Euro.

Gute Quartalszahlen von Medion

Der Neue Markt zeigte sich am Mittwoch deutlich stärker, gab aber mit einer schwächeren Eröffnung der Wall Street ab. Nach positiven Bilanzzahlen lagen die die Titel von Medion   zuletzt noch mit 1,24 Prozent auf 41,60 Euro im Plus. Der Elektronikkonzern hat den Gewinn im ersten Quartal bei wachsenden Umsätzen deutlich gesteigert. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) habe um 31 Prozent auf 35,2 Millionen Euro zugelegt. Fast alle Kennziffern lägen über den Prognosen des Marktes, sagte ein Händler. Pro Aktie kletterte der Gewinn um 30 Prozent auf 0,43 Euro.

Mit einem deutlichen Minus reagierte dagegen die Aktie von Trintech   auf die Vorlage von Bilanzzahlen. Das Papier fiel um über 20 Prozent auf 0,56 Euro und führte damit die Verliererliste im Auswahlindex Nemax 50 an. Der Hersteller von Sicherheitssoftware zum Bezahlen mit Kreditkarten hat im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres die eigenen Erwartungen verfehlt und eine Gewinnwarnung ausgesprochen. Der Pro-forma-Verlust werde zwischen vier und fünf Millionen Dollar liegen, hieß es. Ursprünglich hatte Trintech einen Verlust von zwei bis drei Millionen Dollar in Aussicht gestellt.

Ebenfalls deutlich fester präsentierte sich die Evotec-Aktie  , die sich um knapp vier Prozent auf 7,90 Euro verteuerte. Das Biotechnologie-Unternehmen hat seinen Verlust im ersten Quartal 2002 bei steigenden Umsätzen deutlich verringert. Der Fehlbetrag sei um 86 Prozent auf minus 5,7 Millionen Euro gesunken, hieß es in einer Ad-hoc-Mitteilung am Morgen.

Euro-Kurs gibt nach

Der Kurs des Euro ist am Mittwoch gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9030 (Dienstag: 0,9062) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1074 (1,1035) Euro. Zuletzt wurde die Gemeinschaftswährung bei 0,9061 Dollar gehandelt.