Börse am Nachmittag Euro und Infineon im Höhenflug
Frankfurt am Main Der Industriewerte-Index Dow Jones notierte nach einer halben Stunde Handel um den Vortagesschluss von 10415 Punkten, während der Technologieindex Nasdaq Composite 0,2 Prozent fester bei 1961 Zählern notierte. Die Chiphersteller Intel und Broadcom profitierten davon, dass die Investmentbank Goldman Sachs den Chipsektor heraufgestuft hat.
Dagegen geriet die Aktie von Ford nach negativen Kommentaren von UBS Warburg unter Druck. Das Investmenthaus Bear Stearns erwartet nach dem schlechten Konjunkturbericht der US-Notenbank eine Zinssenkung von 0,5 Prozent in der kommenden Woche. AT&T legte zur Eröffnung knapp vier Prozent zu. Das Unternehmen hat nach einem Zeitungsbericht mit Microsoft und Disney über seine Kabelfernsehsparte gesprochen.
Der Turnaround der Aktien von Infineon hat das Bild im Dax am Nachmittag ein wenig aufgehellt. Der Index notierte ein Prozent fester auf 5486 Zähler. Die Wachstumswerte im Nemax 50 legten um 0,5 Prozent auf 1136 Punkte zu.
Infineon vorn
Infineon setzten sich an die Spitze des Dax mit einem Plus von 4,4 Prozent auf 25,48 Euro. Der Konzern profitierte dabei von einer Heraufstufung des amerikanischen Halbleitersektors auf "Übergewichten" durch die Investmentbank Goldman Sachs. Außerdem hat Infineon Kurzarbeit angekündigt und will damit Kosten drücken. Drittens hat Infineon eigenen Angaben zufolge einen Patentrechtsprozess gegen das US-Unternehmen Rambus gewonnen und Schadensersatz in Höhe von sieben Millionen Dollar für Anwaltskosten zugesprochen bekommen.
Die Aktien der Commerzbank profitierten weiter von Übernahmespekulationen und kletterten um rund drei Prozent auf 27 Euro. Nach Informationen des "Spiegel" stehen Teile des Unternehmens oder gar die ganze Bank zum Verkauf. Verhandelt würde gegenwärtig mit diversen Banken aus Deutschland, Europa und Übersee. Die Bank habe Gespräche mit verschiedenen Interessenten bestätigt.
Schneider tröstet Bayer-Aktionäre
Bayer-Aktien notierten am Nachmittag rund ein Prozent fester auf 36,48 Euro. Vorstandschef Schneider beruhigte am Montag die Gemüter und erklärte, dass die Übernahme der Aventis CropScience-Sparte unmittelbar bevor stünde. Zugleich deutete der Konzern an, Kooperationen im Bereich Pharma einzugehen. Es seien bereits zwei renommierte Pharmafirmen an Bayer wegen der Pharmasparte herangetreten. Möglicherweise wird der angeschlagene Konzern sich auch ganz von seiner Pharmasparte trennen.
Telekom: Krisengespräch mit Deutscher Bank
Das Schwergewicht Deutsche Telekom verlor zuletzt 1,1 Prozent auf 19,15 Euro. Nur der Finanzdienstleister MLP war mit einem Minus von 2,5 Prozent auf 92 Euro am Nachmittag im Dax noch schwächer. Offenbar befürchten die Anleger weitere Verkäufe von ehemaligen Voicestream-Aktionären: Bis September könnten weitere 200 Millionen T-Aktien auf den Markt kommen, hieß es in Händlerkreisen. Unterdessen bestätigte die Deutsche Telekom, dass sie sich noch in dieser Woche mit Spitzenvertretern der Deutschen Bank wegen des umstrittenen Verkaufs von 44 Millionen T-Aktien treffen wird. In der Krisensitzung soll es um die künftige Zusammenarbeit gehen.
Neuer Markt: CE legt zu
Der Münchener Chip-Brocker CE Consumer legte nach Vorlage der Quartalszahlen vier Prozent auf 6,40 Euro zu. Allerdings seien die Zahlen aufgrund der Krise am Halbleitermarkt "nicht so berauschend" ausgefallen, sagte ein Händler. Dennoch seien Kurse von zehn bis zwölf Euro innerhalb der nächsten zwölf Monate möglich. Bedingung sei, dass sich der Halbleitermarkt erhole.
Die Aktien von T-Online-Papiere stiegen um 3,9 Prozent auf 7,86 Euro. Das "Handelsblatt" hatte in seiner Montagsausgabe unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, der Axel Springer Verlag wolle gemeinsam mit T-Online zum größten Online-Werbevermarkter in Europa aufsteigen. Zu diesem Zweck werde die Online-Verlagstochter Interactive Media mit dem Internet-Provider ein Joint Venture gründen.
Consors vor Halbjahreszahlen schwächer
Die Direktbroker haben unter der Schwäche der Aktienmärkte besonders zu leiden. Nach Informationen des Fernsehsenders ntv erwägt das Nürnberger Unternehmen Consors (minus 3,8 Prozent auf 14,32 Euro) offenbar, mit Kooperationen mit den Konkurrenten Direkt Anlage Bank und Comdirect der Misere entgegenzuwirken. Consors legt am Dienstag seine Halbjahreszahlen vor.
Euro nahe 90 Cent
Der Euro hat am Nachmittag wegen anhaltender Zweifel an einer baldigen Erholung der US-Wirtschaft weiter an der Marke von 90 US-Cent gekratzt. Zuletzt kostete der Euro 0,8995 Dollar und lag damit mehr als einen halben US-Cent über der Schlussnotiz am Freitag. Die Europäische Zentralbank (EZB) legte den Referenzkurs am Mittag in Frankfurt mit 0,8991 Dollar fest. Damit verbilligte sich der Dollar auf 2,1753 Mark.