Börse am Nachmittag Flucht aus Tech-Titeln
Frankfurt am Main - Das sieht heute alles wenig erfreulich aus. Die Standardwerte im Dax (minus 1,4 Prozent) leiden auch gegen Mittag unter einer schwachen Performance der Technologiewerte. Hier wirken sich noch die unter den Erwartungen der Analysten liegenden Zahlen des US-Konzerns Cisco-Systems aus. Außerdem drücken Verluste des Dax-Schwergewichts Deutsche Telekom (minus 2,94 Prozent) den Index in den Keller.
Weiter schwach notierten die Wachstumswerte im Nemax-50, die um 2,4 Prozent nachgaben. Hoffnung auf Besserung und positive Impulse von den US-Börsen sind vorerst nicht in Sicht: Der Nasdaq Future lag gegen 14 Uhr mit 2,3 Prozent im Minus.
Schwach notierten die Titel der Siemens-Familie. Epcos gab um 2,84 Prozent nach. Siemens baute seine Verluste auf minus 2,97 Prozent aus. Infineon rutschte mit satten Abschlägen von zuletzt 5,09 Prozent ans Dax-Ende. Im Abwärtssog folgten die Anteilsscheine der Softwareschmiede SAP. Mit Verlusten von 3,50 Prozent sind sie drittschwächster Wert im Dax.
Zu den Verlierern gehörten auch die Aktien des Waschmittel- und Chemiekonzerns Henkel mit Abschlägen von 3,25 Prozent. Marktbeobachter führten die Kursrückgänge auf die schwache Performance von Chemiekonzernen an den US-Börsen am Vortag zurück. Zudem sei der Wert charttechnisch angeschlagen, hieß es.
Für die europaweite Schwäche der Telekomwerte machen Händler die gesenkte Preisspanne bei Orange verantwortlich. France Télécom hatte die Preisspanne für die Börseneinführung ihrer Mobilfunktochter auf 9,50 bis 11 Euro pro Aktie gesenkt. Die französische Konzern-Mutter begründete dies mit den herrschenden "schwierigen Marktbedingungen". Das hat das Vertrauen in Telekomwerte nachhaltig geschwächt.
Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten die Papiere des Energiekonzerns RWE. Nachdem die Aktie am Vortag als drittschwächster Wert aus dem Handel gegangen war, setzte heute offenbar eine technische Gegenreaktion ein.
Händler erklärten die leichten Kursaufschläge auch damit, dass eine Übernahme der spanischen Hidrocantabrico durch den deutschen Energiekonzern mit dem Angebot von 26 Euro pro Aktie immer wahrscheinlicher werde. "Die Marktteilnehmer glauben offenbar, dass RWE das Rennen machen wird", sagte ein Händler einer süddeutschen Bank. Am Morgen hatte RWE mitgeteilt, dass man sich bereits mit rund 10 Prozent der Hidrocantabrico-Aktionären darauf geeinigt habe, die Aktien des spanischen Stromversorgers für 26 Euro pro Stück zu kaufen.
Gefragt waren auch die Papiere von KarstadtQuelle. Beobachter erklärten die ebenfalls geringen Kurszuwächse von zuletzt 1,79 Prozent mit dem Rückzug der Investoren aus Technologietiteln in defensive Werte. Zudem bestünde begründete Hoffnung, dass die Aktien des Kaufhauskonzerns im Dax verbleiben können. So würden vermutlich vor allem institutionelle Investoren das Papier nachfragen.
Schering, die am Morgen gute Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr mitgeteilt hatten, fielen auf Grund von Gewinnmitnahmen auf ihr Vortagsniveau bei 58,39 Euro zurück. Der Wert hatte zeitweilig das Gewinnerfeld im Dax angeführt.
Ebenfalls nach Gewinnmitnahmen rutschten im Nemax-50 die Papiere von Thiel Logistik wieder mit 0,76 Prozent in die Verlustzone. Zu Handelsbeginn hatte der Wert noch mit mehr als fünf Prozent im Plus gestanden. Das Unternehmen hat im abgelaufenen Geschäftsjahr den Gewinn vor Steuern um mehr als 450 Prozent gesteigert. Der Umsatz wurde mehr als verdreifacht, teilte Thiel Logistik mit.
Senator Entertainment verbilligten sich um 6,52 Prozent auf rund acht Euro, nachdem der Vorstand des Medienunternehmens angekündigt hatte, man werde sich aus dem Geschäftsbereich Neue Medien zurückziehen. Unter Druck standen auch die Papiere von Consors, die im Nemax-50 zuletzt um 7,28 Prozent auf 43,30 Euro nachgaben.
Unter den wenigen Gewinnern im Nemax-50 hatten zuletzt die Papiere von Lion Bioscience die Nase vorn. In den abgelaufenen neun Monaten des Geschäftsjahres 2000/01 steigerte das Unternehmen seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 5,8 auf 15,5 Millionen Euro. Der Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) erreichte 23,3 Millionen Euro. Die Zahlen lagen in etwa im Rahmen der Analysten-Erwartungen. Die Aktien des Bio-Informatikunternehmens verteuerten sich zuletzt um 3,20 Prozent auf 66,15 Euro.
Weiter zu den Gewinner im marktbreiteren Nemax-All-Share gehörten die Anteilsscheine von Softmatic mit Kursaufschlägen von rund acht Prozent auf 2,70 Euro. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben weitere Schritte zur angekündigten Restrukturierung umgesetzt.
Gewinnmitnahmen drückten die Kurse sowohl von I-D Media als auch von Letsbuyit.com, nachdem die Titel gestern satte Kursaufschläge eingefahren hatten. Letsbuyit verlor 15,85 Prozent auf 0,69 Euro. I-D Media gab um 15,09 Prozent auf runde neun Euro nach. Die beiden Aktien gehörten damit zu den schwächsten Werten am Neuen Markt.
Zu den großen Verlierern unter den Wachstumswerten zählten auch die Aktien von Web.de, die 14 Prozent auf 8,50 Euro verloren. Das Internet-Portal weitete nach vorläufigen Zahlen seinen Umsatz im Jahr 2000 von 3,5 auf 11,9 Millionen Euro aus. Der Verlust erreichte 28,5 Millionen Euro. Auch die Schwäche des Online-Werbemarktes hätten das Ergebnis gedrückt, hieß es.