Börse am Nachmittag: Heiter bis wolkig - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Heiter bis wolkig

Ein über den Erwartungen liegendes US-Verbrauchervertrauen hellt die Stimmung an der Wall Street ein wenig auf. Schwache Zahlen und verhaltene Ausblicke von IBM, Sun, Nortel und Microsoft drücken die deutschen Technologie-Werte ins Minus. Defensive Dax-Werte sind gefragt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main/New York – Die US-Börsen haben in dieser Woche sehr sensibel auf die Quartalszahlen großer US-Konzerne reagiert. Hatten am Vortag Citigroup, General Electric, Apple und Compaq die Kurse mit guten Ergebnissen noch beflügeln können, ging es zu Handelsbeginn am Freitag zunächst nach unten. Microsoft, IBM und Sun Microsystems konnten nicht überzeugen. Allerdings sorgte ein besser als erwartetes US-Verbrauchervertrauen wieder für leicht anziehende Indizes in New York. Der Dow Jones gab gegen 16.20 Uhr noch 0,5 Prozent auf 9800 Zähler nach. Der Nasdaq Composite reduzierte sein Minus auf 1,6 Prozent bei 1953 Punkte.

US-Technologiewerte unter Druck

Bereits im vorbörslichen Handel wurden die Aktien des weltgrößten Softwarekonzerns Microsoft   stark gehandelt und verloren zuletzt 4,3 Prozent auf 66,83 Dollar.

Für schlechte Stimmung sorgte auch IBM   und Nortel   , die ebenfalls Gewinn- und Umsatzeinbußen vermeldet hatten. IBM fielen um mehr als vier Prozent.

Unter Druck waren im vorbörslichen Freitagshandel auch die Papiere von Sun Microsystems   geraten. Der Netzwerkausrüster legte vor Handelsbeginn seine Quartalszahlen vor und wies einen Verlust von drei Cent je Aktie aus. Die Wall Street hatte mit minus vier Cent gerechnet. Die Papiere gaben zum Auftakt 1,86 Prozent auf rund 12 Dollar nach.

US-Verbrauchervertrauen über den Erwartungen

Erfreulich fiel dagegen das Verbrauchervertrauen für den Januar aus, das die Universität Michigan kurz nach Handelsbeginn veröffentlicht hatte. Der Michigan-Index liegt derzeit bei 94,2 Punkten. Wall-Street-Analysten hatten einen Indexstand von 90 Punkten erwartet.

Der Dax konnte in Folge der besseren US-Konjunkturdaten sein Minus reduzieren und notierte zuletzt noch mit einem halben Prozent auf 5108 Zähler im roten Bereich. Die im Nemax 50 notierten Aktien noch mit 1,7 Prozent auf 1160 Zähler im Minus.

Neben Technologiewerten gehörte die Aktie von Bayer   zu den größten Verlierern im Dax und stand mit rund 2,5 Prozent auf 35 Euro im roten Bereich.

Die Zahl der Todesfälle, die in Zusammenhang mit dem vom Markt genommenen Cholesterinsenker Lipobay stehen, hat sich nach Angaben des Pharmakonzerns inzwischen fast verdoppelt. Mittlerweile wisse man von rund hundert Fällen, sagte ein Sprecher des Leverkusener Unternehmens. Diese Zahl werde im Börsenprospekt genannt, den die Bayer AG für die am Donnerstag geplante Notierung ihrer Aktie an der Wall Street bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht habe.

Technologie unter Druck

Die Technologiewerte SAP   , Siemens   , und Infineon   standen zwischen zwei und 4,1 Prozent im roten Bereich.

Der Halbleiterhersteller legt am kommenden Montag seine Geschäftszahlen vor. Infineon hat nach der Einschätzung von Analysten im abgelaufenen Quartal wieder tiefrote Zahlen geschrieben, die Verluste verglichen mit dem vorangegangenen Vierteljahr aber eingedämmt.

Defensive Titel im Dax gefragt

Anleger schichteten weiter von Technologiewerten in defensive Titel um. Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten daher Adidas   , Metro   und ThyssenKrupp   , die jeweils rund ein Prozent zulegen konnten.

Der Energieversorger Eon   kann weiterhin auf den "Ministererlass" und die helfende Hand des Bundeskanzlers hoffen. Das Bundeskartellamt will laut Handelsblatt am Montag die Machtübernahme des Düsseldorfer Energieversorgers bei der Essener Ruhrgas angeblich untersagen. Doch will die Bundesregierung die Kartellwächter überstimmen und eine Ausnahmegenehmigung erteilen. Die Aktie verbesserte sich um 0,9 Prozent auf rund 59 Euro.

Porsche: Immun gegen die Flaute

Der Sportwagenhersteller Porsche   hat im vergangenen Quartal seinen Umsatz um sechs Prozent und das Ergebnis um zehn Prozent gesteigert. Der Gewinn im ersten Halbjahr lag bei 154 Millionen Euro. Trotz der Konjunkturschwäche strebt das Unternehmen ein Jahresergebnis auf Vorjahresniveau an. Die Aktie zog um 3,2 Prozent an.

Ob der Funke auch auf die anderen Autowerte überspringt, ist aufgrund der Sonderstellung des ertragsstarken Luxuswagen-Herstellers zweifelhaft: Im Dax konnten DaimlerChrysler   trotz einer Rückrufaktion beim Jeep Cherokee ihre Verluste reduzieren. Auch BMW   baute das Minus auf 0,30 Prozent ab. Volkswagen   gehörte mit einem Plus von rund einem Prozent auf 50,17 Euro zur Spitzengruppe im Dax.

T-Mobile im Juni an die Börse?

Die T-Aktie   konnte sich dem schwachen Trend in der Branche nicht entziehen und notierte zuletzt noch 1,90 Prozent schwächer, nachdem sie am Vortag 4,4 Prozent zugelegt hatte. Nach Meinung von Händlern waren viele Anleger überrascht über die gute Entwicklung der Kundenzahlen bei den Mobilfunktöchtern T-Mobile, One2One und Voicestream. Die Deutsche Telekom will ihre Mobilfunktochter T-Mobile International im Juni oder November an die Börse bringen. Voraussetzung sei aber, dass sich die Börse in besserer Verfassung zeige, sagte Vorstandschef Ron Sommer der FAZ.

Neuer Markt: Nur wenige Gewinner

Zu den wenigen Gewinnern im Nemax 50 zählten am Nachmittag Thiel Logistik   und Qiagen   . Das Schwergewicht T-Online   konnte sich wieder auf Vortagesniveau bei rund 12 Euro hocharbeiten.

Euro-Kurs gefallen

Der Kurs des Euro ist gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8810 (Donnerstag: 0,8819) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1351 (1,1339) Euro.