Börse am Nachmittag: High-Techs im Tief - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag High-Techs im Tief

Die Umsatzwarnung von Nortel drückt die Technologie-Kurse. Im Dax geraten auch Finanztitel unter Druck. Der Nemax 50 notiert auf neuem Tagestief. Doch die leise Hoffnung auf eine Konjunkturerholung bleibt.
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New York / Frankfurt am Main - Die Umsatzwarnung des Telekom-Ausrüsters Nortel hat die gesamte Technologiebranche belastet. Der Rücktritt des Nortel Finanzvorstandes Terry Hungle, der des Insiderhandels beschuldigt wird, war auch nicht dazu angetan, die Gemüter zu beruhigen. Nortel-Aktien gaben zur Eröffnung mehr als sechs Prozent nach und zogen Hightech- und Telekomtitel mit nach unten.

Auch die Warnung des FBI, dass es Hinweise auf eine weitere Terrorattacke gebe, sorgte nach zwei Tagen mit Kurszuwächsen an der Wall Street für weitere Unsicherheit.. Der Dow Jones startete 0,6 Prozent schwächer und fiel auf 9828 Punkte , während der Nasdaq Composite 1,4 Prozent auf 1821 Punkte nachgab.

Schöne Scheinwelt

Derzeit halten sich die Hoffnungen auf eine baldige Konjunkturerholung in den USA mit den Befürchtungen die Waage, nach der Enron-Pleite könnten weitere Unternehmen faule Bilanzen vorweisen. "Die Anleger begreifen, dass ihnen so manche Geschäftszahl der Technologieunternehmen nur eine Scheinwelt vorgaukelt, die nicht mehr durch tatsächliche Geschäftszahlen gedeckt sind", sagte ein Analyst in Frankfurt.

Die Unsicherheit reicht aus, um Dax und Nemax bei geringen Umsätzen wieder tiefer ins Minus zu drücken. Der Dax gab bis 15.45 Uhr um 1,2 Prozent auf 4878 Punkte nach. Der Nemax 50 knickte - belastet von der Insolvenz bei Carrier1 und durch die schwachen Zahlen von Intershop - um 2,3 Prozent auf 1066 Zähler ein und notierte auf einem neuen Tagestief. Die Stimmung auf dem Frankfurter Parkett - zahlreiche Händler sind in Karnevalskostümen erschienen - bleibt bei dünnen Umsätzen gedrückt.

Defensive Werte gefragt

Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten am Nachmittag die Technologie-Flucht-Aktien Degussa   und Deutsche Post   . Die Aktie Gelb profitiere außerdem von den FedEx-Zahlen am Vortag, sagte eine Aktienhändlerin. Der Ausblick sei optimistisch gewesen. Der einzige Technologiewert mit leichten Gewinnen war die Aktie von SAP, die um 1,1 Prozent zulegte. Unter den Autowerten hielt sich allein BMW   im Plus: Goldman Sachs hat die Gewinnschätzung angehoben.

Infineon verhandelt weiter

Der Chiphersteller Infineon   gab zuletzt 0,8 Prozent nach. Die Siemens-Tochter verhandelt Presseangaben zufolge offenbar mit dem koreanischen Chiphersteller Hynix nicht nur über eine Allianz bei Speicherchips. Das Münchener Unternehmen sei auch an einer Zusammenarbeit in anderen Bereichen wie Kommunikations-Chips interessiert, berichtete das "Handelsblatt".

Finanztitel schwach

Finanzwerte standen erneut auf der Verkaufsliste. Papiere der HypoVereinsbank   gaben 1,4 Prozent nach und hielten im Vergleich zur Branche ihre Verluste noch in Grenzen. Angeblich will die Bank für mehr als eine Milliarde Euro die Beteiligung der angeschlagenen KirchGruppe am Axel Springer Verlag kaufen. Damit verschaffe das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut der in die Enge getriebenen KirchGruppe wieder finanziellen Spielraum. Verluste von rund zwei Prozent mussten dagegen die Deutsche Bank   , Allianz   und die Commerzbank   hinnehmen.

Auch die Versorger gehörten zu den Verlierern im Dax. Eon   gerieten unter Druck, weil Gerüchte die Runde machten, die Allianz wolle sich in Kürze von ihrer 10,6-Prozent-Beteiligung an dem Versorger trennen.

Neuer Markt: Carrier1, Intershop und Heyde drücken

Der Neue Markt ist im Handelsverlauf von schlechten Nachrichten immer tiefer ins Minus gedrückt worden. Intershop   und Heyde   meldeten miese Zahlen, Carrier1   musste sogar Insolvenz . Der Telekomausrüster ging erst 2000 an die Börse und war in dem Jahr die größte Neuemission am Neuen Markt. Bereits vor der Ankündigung des Gläubigerschutzes lag die Aktie mit 17 Prozent im Minus, danach wurde das Papier vom Handel ausgesetzt. Kurz nach Wiederaufnahme des Handels rauschte das Papier mit mehr als 40 Prozent in die Tiefe.

Zu den größten Verlierern im Nemax 50 gehörte auch Heyde   . Das Papier verlor 23,8 Prozent auf 0,61 Euro. Der operative Verlust der Heyde-Gruppe hat sich 2001 mehr als verdoppelt. Der operative Fehlbetrag vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) betrug nach vorläufigen Zahlen 50 Millionen Euro.

Intershop: Schambach will sparen

Die Aktie von Intershop   verbilligte sich um rund zehn Prozent auf 1,40 Euro. Der Softwareanbieter hat im vierten Quartal 2001 einen Umsatzrückgang verzeichnet und einen weiteren Stellenabbau angekündigt. Ein Händler zeigte sich von den Zahlen nicht sonderlich überrascht. "Intershop fielen schlechter aus, aber das interessiert eh kaum noch jemanden. Die institutionellen Anleger sind da schon lange nicht mehr drin."

Euro schwächer

Der Kurs des Euro ist am Dienstag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Referenzkurs bei 0,8753 (Montag: 0,8794) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 1,1425 (1,1371) Euro.