Börse am Nachmittag: Hoffen auf Infineon - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Hoffen auf Infineon

Ohne Impulse aus den USA bewegt sich an den deutschen Aktienmärkten wenig. Dennoch halten die Indizes ihr Plus. Investoren vertrauen auf ein weiteres Anziehen der Chip-Preise und kaufen kräftig Infineon-Aktien.
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Frankfurt am Main -. Der Dax notierte gegen 16.45 Uhr mit einem Plus von 0,7 Prozent bei 5121 Zählern. Der Nemax 50 stand mit ebenfalls 0,7 Prozent Gewinn bei 1313 Punkten. Angesichts des Feiertages in den USA fehlte den Händlern eine Orientierungsmarke, die Umsätze blieben gering.

Hoffnung im Halbleitermarkt schiebt Infineon an

Die Technologietitel, die gestern deutlich verloren hatten, verteidigten am Donnerstag ihre Position in der Dax-Spitze. Die Papiere von Infineon   kletterten um mehr als neun Prozent auf runde 22,10 Euro. Der Halbleiterkonzern profitiert offenbar von ersten Anzeichen einer Preiserholung auf dem Chipmarkt. Marktbeobachtern zufolge seien bei einigen Chipprodukten die Preise seit dem 7. November um 70 Prozent gestiegen. Auch setzten Investoren darauf, dass die Siemens-Tochter bei dem gegenwärtigen Konkurrenzkampf zu den wenigen Gewinnern zählen werde.

Epcos   standen mit 6,11 Prozent auf 56,82 Euro im Plus. Siemens   baute seine Zugewinne auf 2,44 Prozent bei 68 Euro aus. Siemens profitierte von einer Heraufstufung durch das Investmenthaus Goldman Sachs. Die Investmentbank hat am Morgen das Kursziel von 63 auf 72 Euro erhöht. SAP   präsentierte sich 1,84 Prozent fester auf 132,71 Euro, obwohl die Commerzbank Anlegern empfiehlt, SAP-Aktien zu reduzieren.

Wenig Hilfe für die Lufthansa

Größter Verlierer war die Aktie der Lufthansa   mit einem Verlust von 2,78 Prozent auf runde 15 Euro. Offenbar kann die Fluglinie mit weniger staatlichen Hilfen nach dem 11. September rechnen als erhofft. "Von den 180 Millionen, die die Lufthansa gefordert hat, erhält sie von der EU offensichtlich höchstens 70 Millionen", sagte ein Händler. Der Streit um den Sparbeitrag der Mitarbeiter und die stockenden Verhandlungen mit den Gewerkschaften mache sich dagegen kaum noch bemerkbar. Der Kurs-Rückschlag am Donnerstag sei auch auf Gewinnmitnahmen zurück zu führen, nachdem die Aktie in der Vorwoche stark angezogen hatte.

"Vitaminkartell" belastet BASF

Unter den Verlierern im Dax war dagegen BASF   zu finden. Die EU-Kommission hat gestern gegen acht Unternehmen ein Rekordbußgeld von 855 Millionen Euro wegen verbotener Preisabsprachen bei Vitaminpräparaten verhängt. Auf den Ludwigshafener Chemiekonzern entfallen 296 Millionen Euro. Auch die defensiven Werte Post   und Henkel   gaben leicht nach.

RWE erfüllt Erwartungen

Der im Dax notierte Essener Versorgungskonzern RWE   drehte wieder mit rund 0,70 Prozent ins Plus. RWE hat im ersten Quartal des Rumpfgeschäftsjahres 2001 das betriebliche Ergebnis um 37,9 Prozent auf 903 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesteigert und damit die hohen Erwartungen der Analysten getroffen. Der Konkurrent Eon   rutschte dagegen leicht ins Minus: Nach Medienberichten plant der Konzern weitere Zukäufe in den USA.

Optimismus trotz Rezessionsgefahr

Der Optimismus der Anleger hält an, obwohl die neuen Konjunkturdaten alles andere als erfreulich sind. Im Vergleich zum Vorquartal sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) saison- und kalenderbereinigt um 0,1 Prozent gesunken, nachdem es im Vorquartal stagniert hatte, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Damit ist die Gefahr einer Rezession in Deutschland gestiegen, die Volkswirte in der Regel als zwei aufeinander folgende Quartale mit negativem Wachstum definieren. Im Jahresvergleich ist die Wirtschaft im dritten Quartal um 0,3 (Vorquartal: 0,6) Prozent gewachsen. Das sei die geringste Zunahme seit dem ersten Quartal 1997 gewesen. Analysten hatten im Schnitt ein Plus von 0,5 Prozent zum dritten Quartal 2000 und zum Vorquartal eine Stagnation erwartet.

Neuer Markt: Gewinnmitnahmen bei D-Logistics

Die Hoffnung der Investoren, trotz schwacher Daten an der Rezession vorbeizuschrammen, macht sich besonders am Aufwärtstrend am Neuen Markt bemerkbar. Broadvision   und der Zockerwert Biodata   blieben mit zweistelligen Gewinnen an der Dax-Spitze.

MediGene   verloren rund fünf Prozent auf 23,91 Euro und gehörten zu den größten Verlierern im Index. MediGene hat seine Verluste in den ersten neun Monaten nochmals ausgeweitet. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum wurde der Verlust vor Zinsen und Steuern auf 19,2 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Der Logistiker D.Logistics gab um rund fünf Prozent nach: Nach der Rallye am Vortag nahmen Anleger Gewinne mit.

Stärkster Wert am gesamten Neuen Markt waren die Aktien von Asclepion-Meditec, die rund 45 Prozent auf 13 Euro zulegten. Der Optik-Konzern Carl Zeiss und das Medizintechnikunternehmen Asclepion-Meditec wollen ihre Aktivitäten in der Augenheilkunde zusammenlegen und damit zum weltweit größten Anbieter für Systeme der Augenheilkunde fusionieren.

Euro nahe Drei-Monats-Tief

Der Kurs des Euro ist am Donnerstag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8778 (Mittwoch: 0,8791) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,2281 (2,2248) Mark. Gegen Mittag hatte der Euro mit 0,8779 Dollar nahe dem Drei-Monats-Tief von 0,8754 Dollar am Mittwoch notiert, konnte sich aber auf 0,8792 Dollar erholen.