Börse am Nachmittag: Hoffnung an der Wall Street - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Hoffnung an der Wall Street

An den US-Börsen blitzt die Hoffnung wieder auf. Positive Analystenkommentare stützen die feste Tendenz. Im Dax setzen sich BASF-Papiere an die Spitze. Infineon stürzt ab - Analysten sprechen von Liquiditätsproblemen.
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Frankfurt am Main - Die US-Aktienmärkte haben nach den horrenden Verlusten der Vorwoche am Montag im Plus eröffnet und stützten die Kurse in Deutschland. Der Dow Jones notierte gegen 16.30 Uhr mit rund drei Prozent auf knapp 8481 Zählern im Plus. Die Technologiebörse Nasdaq zeigte sich 3,6 Prozent fester auf 1474 Zähler. Zuvor hatte die Star-Analystin Abby Joseph Cohen von Goldman Sachs jetzt zum Einstieg in die Aktienmärkte geraten.

Die zu erwartenden Kursgewinne sollten zukünftig über den Renditen fest verzinslicher Papiere liegen, schrieb die Expertin am Montag. Dies gelte umso mehr, da von Seiten der Notenbanken mit weiteren Zinssenkungen zu rechnen sei. Die Wahrscheinlichkeit, dass die bislang fest geparkten liquiden Mittel in Milliardenhöhe bald wieder in die Märkte fließen, steige mit jedem weiteren Zinsschritt, so die Analystin. Den Anteil an Aktien im Musterdepot erhöhte Goldman Sachs deshalb von 70 auf 75 Prozent. Auch die Investmentbank Credit Suisse First Boston erhöhte in ihrem Musterdepot den Aktienanteil um fünf Prozentpunkte auf 70 Prozent.

Gleichwohl erklärten Händler, die Unsicherheit über eine militärische Konfrontation im Nahen Osten werde weiter wie ein Damoklesschwert über den Aktienmärkten schweben und vermutlich für eine hohe Volatilität bei den Kursen sorgen.

Der Dax stand zuletzt mit 3,7 Prozent im Plus auf 3930 Zählern. Am Neuen Markt stieg der Nemax 50 um 5,5 Prozent auf 721 Zähler. Händler sprachen allerdings von geringen Umsätzen.

Die Führung im Dax hatten am Nachmittag die Papiere von BASF   mit einem Kursplus von rund elf Prozent auf 34,35 Euro übernommen. Händler begründeten die Kursaufschläge wie bei vielen anderen Papieren auch mit einer technischen Gegenreaktion. Auftrieb verlieh dem Wert auch die Einschätzung verschiedener Analysten, die den "fairen Wert" der Aktie bei rund 40 Euro taxieren.

Die Aktie von Preussag   stand zuletzt noch mit 7,37 Prozent auf 21,85 Prozent im grünen Bereich. Der Preussag-Kurs profitiere vor allem von den guten Zahlen des Konkurrenten Thomas Cook, sagte ein Frankfurter Händler. "Die Touristikbranche scheint völlig immun gegen die derzeitigen konjunkturellen Schwierigkeiten zu sein", so der Händler weiter. "Die Erwartungen für die Zahlen von Preussag sind dementsprechend sehr hoffnungsvoll und verleihen dem Titel förmlich Flügel".

Die Aktie von DaimlerChrysler   gab nach, stand zuletzt aber noch mit rund sechs Prozent auf 32 Euro im Plus. Auch die Konkurrenten Volkswagen   und BMW   gehörten mit Kursgewinnen um die fünf Prozent zu den Gewinnern.

Im Blickpunkt der Anleger stand auch die Lufthansa   . Das Papier notierte zuletzt mit 7,32 Prozent im Plus auf 9,53 Euro. "Sie fliegt noch, das ist doch schon mal was", sagte ein Händler. Vergangene Woche standen die Airlines weltweit unter Druck, nachdem die Versicherungswirtschaft die Verträge für das Risiko "Krieg und Terroranschläge" gekündigt hatte. Doch sei nun offensichtlich die Bundesregierung eingesprungen und übernehme das Risiko, so der Händler weiter. Darüber hinaus haben die EU-Finanzminister den europäischen Fluggesellschaften weitere staatliche Hilfen zugesagt. Auch die angestrebten Sparmaßnahmen der Lufthansa würden am Markt sehr positiv aufgenommen, so der Händler. Der Konzern kündigte an, rund zwölf Prozent seiner Flugzeuge stillzulegen sowie die Preise leicht anzuheben. Zudem sollen künftig so genannte "Sky-Marshals" die Sicherheit an Bord gewährleisten.

Die Deutsche Bank   hat sich mit der Zurich Financial Services (ZFS) über die Übernahme der Vermögensverwaltungssparte Zurich Scudder Investments geeinigt. Die Bank will in den USA durch Scudder einen festen Stand in der Vermögensverwaltung erhalten und überlässt den Schweizern im Gegenzug ihr Versicherungsgeschäft. An der Börse kletterte die Aktie der Deutschen Bank rund neun Prozent und notierte bei knapp 53 Euro. Weiteren Rückenwind bekam die Aktie von Merrill Lynch, die den Wert zum Kauf empfahl. Die Investmentbank Lehman Brothers stufte die europäischen Bankenwerte von "Untergewichten" auf "Neutral" hoch. Goldman Sachs dagegen hat die Gewinnaussichten für deutsche und französische Banken in einer Branchenanalyse gesenkt.

Die Deutsche Bank hatte zudem bestätigt, weiterhin an einem Listing an der Börse in New York (NYSE) zu arbeiten. Die Erstnotierung ist für den dritten Oktober vorgesehen.

Bemerkenswert sind nach Ansicht eines Händlers auch die Aufschläge der Deutschen Telekom  . Der Telekommunikationssektor wird nach seiner Einschätzung gestärkt aus der Krise in Folge der Terroranschläge hervorgehen. Denn wer jetzt noch kein Handy habe, werde sich für Notfälle eins zulegen. Vor allem in den USA würden viele Verbraucher darüber nachdenken, jederzeit erreichbar zu sein. Denn dort sei die Marktsättigung noch nicht erreicht. Die T-Aktie stieg um 3,65 Prozent auf 16,64 Euro.

Größter Verlierer war die Aktie von Infineon   , die mehr als zehn Prozent auf 12,86 Euro abgab. Die Deutsche Bank hatte das Kursziel für den Halbleiter-Hersteller nach gesenkt und geht von weiteren Verlusten aus. Zuvor hatten sich Analysten angesichts des angespannten Chipmarktes skeptisch zur Liquidität des Unternehmens geäußert. Auch die Post   und notierte mit Kursabschlägen von 5,60 Prozent deutlich schwächer.

Nemax 50 über der 700-Punkte-Linie

Am Neuen Markt erholte sich der Auswahlindex nach den massiven Kursverlusten der vergangenen Handelswoche . Auch der alle Werte umfassende Nemax All Share gewann deutlich.

Unter Abgabedruck litt die Aktie von Adva   . Das Unternehmen hatte am Morgen eine Umsatzwarnung ausgegeben. Außerdem sollten bis Ende des vierten Quartals zehn Prozent der Beschäftigten entlassen werden. Die Aktie gab annähernd zwölf Prozent auf 2,90 Euro nach.

Comdirect   konnte nach den massiven Kursverlusten der vergangenen Handelswoche zulegen und führte die Gewinnerliste an. Ebenfalls stark präsentierten sich Broadvision   , Fantastic   und die DAB Bank   .

Kurs des Euro schwächer

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs des Euro auf 0,9164 (Freitag: 0,9200) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1343 (2,1259) Mark. Gegen 16.20 Uhr stand der Euro bei 0,9156 Dollar.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6266 (0,6301) Pfund, 107,47 (107,18) Yen und 1,4602 (1,4464) Schweizer Franken fest.