Börse am Nachmittag Hohe Nervosität
Frankfurt am Main - Der Dax hat die Gewinne aus dem frühen Handel nicht halten können und rutschte bis 16.15 Uhr um 1,5 Prozent nach unten auf 3611 Punkte. Händler beklagten geringe Umsätze und eine angesichts des kleinen Verfallstags hohe Nervosität am Markt.
Die Nebenwerte behaupteten sich. Der MDax präsentierte sich nahezu unverändert auf 3381 Zählern. Eine deutliche Abwärtstendenz verzeichnete der Neue Markt. Der Nemax 50 notierte auf 473 Zählern, ein Minus von 3,7 Prozent.
In den USA starteten die Börsen im roten Bereich. Nach 45 Handelsminuten notierte der Dow Jones auf 8729 Punkten, ein Minus von einem Prozent. Der Nasdaq rutschte um 0,7 Prozent auf 1335 Zähler nach unten. Der von der Universität Michigan berechnete Index zum Konsumentenvertrauen lastete auf den Märkten. Das Stimmungsbarometer fiel im August auf 87,9 Punkte nach 88,1 Punkten im Juli. Prognostiziert wurde an der Wall Street jedoch ein Anstieg auf 88,3 Zähler.
Bereits vor der US-Börseneröffnung bremsten leicht gestiegene Verbraucherpreise und ein Rückgang der Hausbaubeginne in den USA den Optimismus. Die zarte Erholung der US-Wirtschaft steht auf wackeligen Beinen, viele Anleger fürchten ein erneutes Abrutschen der Konjunktur.
T-Aktie gibt Gewinne wieder ab
Einziger Dax-Gewinner war die Aktie von MAN . Ohne bedeutende Unternehmensnachrichten gewannen die Anteilsscheine knapp 0,3 Prozent auf 19,28 Euro. Die T-Aktie , im frühen Handel noch der Spitzenreiter im Dax, notierte zuletzt unverändert auf 10,65 Euro. Interims-Vorstand Helmut Sihler zeigte sich mit der Entwicklung des Bonner Konzerns in den ersten sechs Monaten 2002 zufrieden. "Wir hatten ein gutes erstes Halbjahr", sagte der 72-Jährige Nachfolger von Ron Sommer in einem Zeitungsinterview. Der Markt spekuliere zudem über einen möglichen Verkauf der US-Mobilfunktochter Voicestream, berichteten einige Händler.
Infineon auf Allzeittief
Schwächster Dax-Wert und zeitweise sogar auf einem Allzeittief bei 10,55 Euro fiel die Aktie von Infineon , die zuletzt 10,65 Euro wert und damit 5,9 Prozent unter dem Vortagesschluss notierte. Die Investmentbank Morgan Stanley hatte zuvor die Prognosen und das Kursziel für den weltgrößten Mikroprozessor-Produzenten Intel zurückgeschraubt, was den deutschen Mitbewerber nun belaste, berichteten Händler.
Trotz der recht guten Zahlen und der optimistischen Prognose des weltweit zweitgrößten Computerbauers Dell präsentierten sich auch die anderen Technologiewerte im Dax schwach. Die Titel von Epcos (minus 4,6 Prozent auf 14,28 Euro) und Siemens (minus 2,4 Prozent auf 46,95 Euro) verloren deutlich, SAP hielt seine Verluste noch in Grenzen.
Versicherer deutlich unter Druck
Die Kosten wegen der vom Hochwasser in Ostdeutschland angerichteten Schäden dürften die Aktien der Versicherer in den kommenden Tagen belasten, sagten Börsianer. Die Papiere der Allianz verloren um 4,7 Prozent auf 120,56 Euro, Münchener-Rück-Titel gaben rund 5,4 Prozent auf 183 Euro nach. Ein Analyst sagte, gänzlich könnten die Versicherer die Schäden nicht ignorieren. "Die Hauptbelastung wird aber die Bundesregierung tragen." Allianz und Münchener Rück teilten mit, es sei noch zu früh, um die Auswirkungen der Flutkatastrophe und daraus resultierende Forderungen zu beziffern.
Bauwerte klettern kräftig, Mobilcom führt den Neuen Markt an, Euro über 0,98 Dollar
Bauwerte führen den MDax an
Die beiden börsennotierten Bauaktien im MDax präsentierten sich sehr stark. Mit einem Plus von über zehn Prozent auf 20,15 Euro setzte sich der Mannheimer Bauwert Bilfinger und Berger bis mit großem Abstand an die Spitze des Nebenwerteindex', gefolgt von der Hochtief-Aktie , die mit 7,4 Prozent im Plus bei 16,64 Euro den zweitstärksten Wert bildete. "Die Milliardenschäden nach dem Hochwasser in Sachsen scheinen die Fantasie der Anleger zu beflügeln", sagte Midcap-Analyst Roland Köhnen vom Bankhaus Lampe in Düsseldorf. Die Bauwerte seien bereits seit Langem unter Druck, nun werde offensichtlich eine Kaufgelegenheit wahrgenommen. "Schließlich stehen die Milliarden zum Wiederaufbau in Ostdeutschland zur Verfügung", sagte Köhnen.
Der Analyst nannte auch handfestere Gründe, die besonders den klaren Vorsprung der Aktie von Bilfinger und Berger erklären. So entschied sich der Konzern bereits am Vortag gegen die Übernahme des bei J.A. Jones gebündelten US-Geschäftes des insolventen Konkurrenten Philipp Holzmann. Der Vorstandsvorsitzender des Mannheimer Baukonzerns, Herbert Bodner, begründete im Gespräch mit der "Börsen-Zeitung" den Verzicht auf Jones mit den Ergebnissen der so genannten Due Diligence, die deutlich anders als erwartet ausgefallen sei. "Das wird von den Anlegern honoriert", sagte Köhnen.
Mobilcom führt den Nemax 50 an
Nur wenige Aktien haben sich am Neuen Markt dem Abwärtssog entziehen können. Größter Gewinner im Nemax 50 war das Papier von Mobilcom . Die Aktie zog um 2,7 Prozent auf 4,93 Euro an. Es mehren sich die Anzeichen, dass eine Lösung des Falls Mobilcom unmittelbar bevor stehen könnte. Die Société Générale, Hausbank von Mobilcom-Großaktionär France Telecom , hat für den 13. September zu einer Roadshow vor deutschen Investoren eingeladen.
Keinen Rückenwind für den Aktienkurs brachten die Bilanzzahlen der Comdirect . Die Aktie notierte zuletzt unverändert auf 3,45 Euro. "Operativ liegt das Quartalsergebnis innerhalb der Erwartungen", sagte ein Analyst aus Frankfurt. Da der Ausblick für das Gesamtjahr "eher negativ" sei, "gibt es derzeit keinen Grund, in die Aktie zu investieren", sagte er.
Insider handeln mit Thiel Logistik
Meldepflichtige Aktiengeschäfte tätigten am Freitag mehrere Mitglieder der Geschäftsleitung des Luxemburger Logistikers Thiel Logistik , wie der Markt am Morgen pflichtgemäß informiert wurde. Die Aktie sank um 12,8 Prozent auf 4,92 Euro. Die Beteiligungsgesellschaft Delton AG will Thiel mit einer Beteiligung von geringfügig mehr als 50 Prozent übernehmen, wie bereits am Dienstag bekannt gegeben wurde.
Nach der Übernahme prüfe Thiel zudem, die ebenfalls mehrheitlich von Delton gehaltene Microlog Logistics in das Unternehmen einzubringen. Bislang habe die Beteiligungsgesellschaft um den Sohn der Unternehmerfamilie Quandt, Stefan Quandt, bereits 45 Prozent der Thiel-Anteile in seinen Besitz gebracht, hieß es am Dienstag.
Letsbuyit mit enormen Umsätzen
Am breiten Markt verbuchten die Titel von Letsbuyit.com bis zum frühen Nachmittag einen Umsatz knapp 70 Millionen Aktien und übertrafen damit den bereits sehr hohen Vortageswert um mehr als das Doppelte. Die Zahl der umgegangenen Letsbuyit-Papiere übertraf den 90-Tages-Durchschnitt sogar um mehr als das hundertfache. Der Kurs blieb jedoch unverändert bei 0,02 Euro.
Auf der elektronischen Handelsplattform Xetra ist traditionell die Telekom der am meisten gehandelte Wert. Am Freitag lag die T-Aktie jedoch nur auf Platz zwei hinter Letsbuyit, deren Aktien-Umsatz den des Telekom-Papiers um das siebenfache übertraf.
Am Vortag sei ein Großteil des Geschäftes auf eine einzige inländische Adresse zurückgegangen, sagten Händler. Da war der Kurs zeitweise auf 0,16 Euro emporgeschossen. Über die Gründe waren sich die Börsianer jedoch im Unklaren. Das nochmals gestiegene Interesse am Freitag begründeten sie damit, dass nun offenbar spekulativ orientierte Anleger auf beiden Seiten versuchten, den Kurs zu bewegen.
Leichte Verluste in Tokio
Der Nikkei-Index für 225 führende Werte gab am Freitag geringfügig um 7,44 auf 9788 Punkte nach. Der breit angelegte Topix sank um 0,62 Punkte und endete bei 961 Zählern.
Die Kurse der Chiptitel notierten nach den Vortagesgewinnen der US-Technologiewerte uneinheitlich. Fujitsu stiegen um 14 Yen auf 615 Yen. Hitachi legten sechs Yen auf 669 Yen zu. Toshiba gewannen fünf Yen auf 415 Yen. Mitsubishi Electric fielen um zwei Yen auf 421 Yen.
Die Aktien der Chip-Ausrüster notierten meist höher: Rohm stiegen um 160 Yen auf 16.600 Yen. Kyocera gewannen 60 Yen auf 8660 Yen und Tokyo Electron legten 80 Yen auf 5230 Yen.
Euro über 0,98 Dollar
Der Kurs des Euro ist am Freitag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9825 (Donnerstag: 0,9777) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0178 (1,0228) Euro.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6403 (0,6381) Pfund, 115,37 (114,82) Yen und 1,4645 (1,4626) Schweizer Franken fest.