Börse am Nachmittag: Infineon bleibt schwach - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Infineon bleibt schwach

Die T-Aktie führt unangefochten den Dax an. Epcos-Titel machen einen Sprung nach vorn. Die Papiere von Infineon und Siemens leiden unter negativen Analysten-Kommentaren. Chemiewerte erleben einen schwachen Tag.
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Frankfurt am Main – Am frühen Nachmittag zeigten sich die deutschen Aktienindizes gegenüber den Mittagsstunden wenig verändert. Der Dax pendelte um sein Vortagesniveau bei 5880 Punkten und wechselte ständig die Vorzeichen. Um 14.15 Uhr stand der Index wieder mit 0,2 Prozent im Plus. Die Wachstumswerte im Nemax-50 notierten 0,9 Prozent fester bei 1431 Punkten.

Die Aktie der Deutsche Telekom baute ihre Zugewinne auf 4,50 Prozent bei 25,36 Euro aus. Der Bonner Konzern verkauft die noch bei ihm verbliebenen sechs regionalen Kabelfernsehgesellschaften an die amerikanische Liberty Media Corporation. Im Markt kursieren Gerüchte über ein Verkaufspreis von 5,5 Milliarden Euro.

Unter den Technologietiteln konnten sich Epcos-Aktien in die Dax-Spitze vorarbeiten und standen zuletzt mit 2,45 Prozent auf rund 65 Euro im Plus.

Siemens-Papiere dagegen lagen mit rund einem Prozent auf 70,65 Euro im Minus. Die Investmentbank JP Morgan hat einen Tag nach der Umsatz- und Gewinnwarnung der Siemens-Halbleitertochter Infineon die EPS-Schätzungen für den Mutterkonzern erneut gesenkt. Nach der bereits am Vortag erfolgten Anpassung der EPS-Schätzungen für 2001 und 2002 haben die Experten am Donnerstag für das Jahr 2001 ihre Prognose um 27 Prozent auf 1,50 Euro angepasst. Auch für das Jahr 2002 fällt die EPS-Schätzung mit 3,28 Euro rund neun Prozent geringer aus.

Infineon-Aktien, die am Vortag nach einer Gewinnwarnung um mehr als 14 Prozent gefallen waren, setzten ihre Talfahrt mit Verlusten von 3,74 Prozent auf 28,83 Euro fort und gehörten damit zu den schwächsten Standardwerten.

Mehrere Analysten stuften die Aktie ab oder beurteilten sie negativ. Die Bankgesellschaft Berlin empfahl, das Papier zu verkaufen. UBS Warburg senkte das Kursziel auf 25 Euro. Die HypoVereinsbank sieht in Infineon nur noch einen "Underperformer". Merrill Lynch hat die Einschätzung für Infineon mit "Neutral" beibehalten, die Gewinnschätzungen allerdings revidiert. Besonders für das Geschäft mit den Speicherchips sehen die Analysten ein trostloses Bild. Für das gesamte Geschäftsjahr 2001 revidieren die Analysten das bereinigte Ergebnis pro Aktie von ursprünglich 0,1 Euro auf minus 0,44 Euro.

Nach einer Gewinnwarnung für das zweite Quartal verlor die Aktie von BASF 3,82 Prozent auf 43 Euro. Mehrere Banken stuften die Aktien des Chemieriesen nach der Gewinnwarnung ab. Im Sog von BASF standen auch die Papiere von Bayer, die zuletzt sogar 4,40 Prozent auf 43,66 verloren und damit den letzten Platz im Dax belegten. Vergeblich hatte Bayer zuvor versucht, durch die Bestätigung der Gewinn- und Umsatzprognose für das Gesamtjahr den Kursverfall der Aktien abzumildern.

Im Nemax-50 standen die Papiere des angeschlagenen Software-Unternehmens Brokat nach einer vorübergehenden Schwächephase wieder in der Spitze der Gewinnerliste. Die Aktien verteuerten sich zuletzt um mehr als sieben Prozent auf 3,50 Euro. Das Unternehmen hat vor seinen Aktionären die Lösung der massiven Finanzprobleme angekündigt. Finanzvorstand Michael Janssen hatte am Donnerstag auf der Hauptversammlung erklärt, dass Verhandlungen mit einem strategischen Investor geführt würden. Im Handel kursierten erneut Gerüchte über einen Einstieg der Siemens AG.

Intershop-Aktien verteuerten sich zuletzt um mehr als sechs Prozent auf 3,51 Euro. Intershop will die Lizenzeinnahmen durch Partnerschaften mit Unternehmen wie etwa Hewlett-Packard steigern. Damit wolle das Softwareunternehmen der allgemeinen Marktschwäche entgegen wirken, sagte der Vorstandsvorsitzende Stephan Schambach der "FAZ". Die Lizenzeinnahmen waren im ersten Quartal deutlich zurückgegangen. Schambach rechnet jedoch in den USA mit einer Aufbauzeit von ein bis eineinhalb Jahren. In Europa sehe es besser aus, da die Partnerschaften bereits besser funktionierten.

Das Biotechnologieunternehmen Morphosys meldete den Abschluss einer Vereinbarung mit der ImmunoGen. ImmunoGen erwirbt den Angaben zufolge die Nutzungrechte der Morphoysy-Technologie für die nächsten vier Jahre. Nach starken Verlusten am Vortag legte die Aktie zuletzt um 8,20 Prozent auf knapp 49 Euro zu und gehörte damit zu den stärksten Werten im Nemax-50. Händler machten für die Kursgewinne auch eine Kaufempfehlung der einflussreichen Investmentbank Lehman Brothers verantwortlich.

Ce Consumer Electronic holte nach Verlusten am Vortag wieder auf. Die Aktien rückten um 3,55 Prozent auf 7,30 Euro vor. Auch der Chipbroker ACG erholte sich von den Vortagesverlusten, die durch die Gewinnwarnung von Infineon ausgelöst worden waren. Die Aktien verteuerten sich zuletzt um 3,30 Prozent auf 18,12 Euro.

Schwach notierten Logistik-Werte am Neuen Markt. D. Logistics verloren 8,52 Prozent auf 17,92 Euro und setzten damit ihren Abwärtstrend fort. Ein Händler hatte gegen Mittag erklärt: "Mit knapp 35.000 Stück ist der Umsatz sehr gering. Als der Kurssturz begann gingen täglich bis zum zehnfachen um." Die vorherigen hohen Umsätze seien auch auf die Abgaben institutioneller Adressen zurückzuführen. Jetzt seien aber nur noch Privatanleger im Markt. Das Nemax-50-Schwergewicht Thiel Logistik verbilligte sich um knapp drei Prozent auf 19,50 Euro.