Börse am Nachmittag: Infineon im Minus - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Infineon im Minus

Die US-Börsen haben nach einer unentschlossenen Eröffnung den Weg in die Pluszone gefunden und ziehen die deutschen Aktienmärkte mit. MLP wird von einer Investmentbank hochgejubelt und befindet sich auf Erholungskurs. Auch BMW legte kräftig zu. Am Neuen Markt entdecken Anleger EM.TV wieder.
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Frankfurt am Main – Nach einer uneinheitliche Eröffnung haben die amerikanischen Aktienmärkte am Mittwoch gegen 16.15 Uhr ihren Weg nach oben gefunden. Der Dow Jones kletterte bis 16.17 Uhr 0,7 Prozent auf 10.315 Punkte. Die Technologiebörse Nasdaq stand zuletzt mit 0,4 Prozent auf 1976 Zähler im grünen Bereich.

Die deutschen Aktienmärkte hatten nach Eröffnung der US-Börsen zunächst nachgegeben, zeigten zuletzt aber ebenfalls wieder leicht nach oben. Der Dax stand verringerte sein Minus auf 0,7 Prozent bei 5622 Punkten. Der Nemax 50 war kurz ins Minus gerütscht, drehte dann aber zuletzt wieder mit 0,2 Prozent auf 1103 Zähler ins Plus. Das Tageshoch hatte bei 1129 Punkten gelegen.

Siemens war heute das bestimmende Thema auf dem Parkett. Nach Bekanntgabe der Quartalszahlen notierte die Aktie im frühen Handel erst deutlich im Minus und war der schwächste Wert im Dax. Am Vormittag drehte sich die Stimmung plötzlich und verhalf dem Titel zuletzt zu einem Plus von 2,21 Prozent auf 57,80 Euro bei einem extrem hohen Handelsvolumen.

Ohne Sondereffekte hat der Konzern im dritten Quartal 2000/01 einen Verlust von fast einer Milliarde Mark verbucht und rechnet nun für das gesamte Geschäftsjahr mit einem geringeren Nachsteuergewinn als im Vorjahr. Lediglich außerordentliche Einnahmen, unter anderem 3,46 Milliarden Euro aus der Übertragung von Infineon-Aktien an den eigenen Pensionsfonds, führten in den Monaten April bis Juni zu einem Gewinn von 1,608 (Vorjahreszeitraum 0,267) Milliarden Euro nach Steuern. Die weitere Entwicklung wird auf Grund des konjunkturellen Klimas als schwierig angesehen. Die schlechten Zahlen seien erwartet worden, hieß es am Markt. Allerdings sei die Aktie in den vergangenen Wochen auch stark gefallen. Langsam sei eine Bodenbildung zu erwarten. Investoren hätten das "attraktive Kursniveau" wieder zum Einstieg genutzt.

Die Aktie der Konzerntochter Infineon drehten im Handelsverlauf ins Minus und verloren 1,13 Prozent auf 27 Euro. Das "Wall Street Journal" berichtete, dass im Rahmen von Kostensenkungen bis zu 5000 Arbeitsplätze eingespart werden sollen. Das Investmenthaus Credit Suisse First Bosten hatte zuvor das Kursziel für die Aktie von 55 auf 32 Euro drastisch nach unten gesenkt und erwartet für das kommende Jahr einen Verlust je Aktie von 40 Cents nach ursprünglich zehn Cents Gewinne je Aktie.

Die MLP-Aktie erholte sich leicht von der Talfahrt der vergangenen beiden Handelstage. Der Dax-Neuling übernahm die Spitze in der Gewinnerliste mit einem Kursaufschlag von mehr als fünf Prozent auf 91,67 Euro. Händler sagten, es handele sich bei dem Anstieg um eine technische Gegenbewegung nach den deutlichen Verlusten der Vortage. Das Investmenthaus Morgan Stanley hatte sich zuvor mit der Kaufempfehlung "Strong Buy" und einem Kursziel von 140 Euro sehr weit aus dem Fenster gelehnt. Denn die meisten Experten halten die Aktie von MLP bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 110 für das Jahr 2001 im Vergleich zu dem durchschnittlichen KGV von 15 für alle anderen im Dax notierten Konzerne für deutlich zu hoch.

Die Aktie von BMW profitierte von einer positiven Einschätzung der Investmentbank Lehman Brothers. Die Analysten haben ihre Prognosen und das Kursziel von 50 auf 55 Euro erhöht. Die Aktie verteuerte sich um 1,8 Prozent auf 39,60 Euro.

EM.TV im Höhenflug

Am Neuen Markt stand wieder EM.TV im Mittelpunkt des Interesses. Firmengründer Thomas Haffa hat seinen Chefposten für Werner E. Klatten freigemacht. Klatten war bislang Vorstandsvorsitzender der SPIEGELnet AG sowie Geschäftsführer von SPIEGEL TV und wird nun auch neuer EM.TV-Großaktionär. Die Börse honorierte die Pläne mit einem Kursanstieg von zuletzt rund 29 Prozent auf 2,92 Euro. Bereits am Vortag hatte die Aktie mehr als 20 Prozent zugelegt, nachdem erste Gerüchte über das Stühlerücken in der Vorstandsetage aufkamen.

Die Aktien von Fantastic gewannen hei hohen Umsätzen zuletzt 9,30 Prozent auf 0,59 Euro. Am Vortag hatte die Aktie bereits 45 Prozent zugelegt, nachdem die Gesellschaft sich trotz des niedrigen Kurses nicht in Gefahr sieht, aus dem Segment geworfen zu werden.

Gefragt waren auch die Papiere des Telekommunikationsunternehmens Mobilcom. Sie verteuerten sich um rund drei Prozent auf 11,75 Euro.

Deutschlich schwächer präsentierten sich die Papiere von Lambda Physik. Sie verloren nach der Vorlage der Geschäftszahlen für die ersten neun Monate zuletzt rund 17 Prozent auf 30 Euro und markierten im Handelsverlauf ein Jahrestief.

Die Aktien der Internetagentur SinnerSchrader verteuerten sich um rund 14 Prozent auf 2,84 Euro, obwohl das Unternehmen am Morgen schwache Zahlen präsentiert hatte. Positive eingeschätzt wurde hingegen der Ausblick. Die angespannte Marktsituation habe sich bereits entspannt, im vierten Quartal solle sich die Umsatz- und Ertragssituation wieder verbessern.

Euro notiert fester

Der Kurs des Euro ist am Mittwoch weiter gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,8793 (Dienstag: 0,8708) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,2243 (2,2460) Mark. Gegen 16 Uhr wurde der Euro mit 0,8807 Dollar gehandelt.

Neue wirtschaftspolitische Schwierigkeiten in Argentinien hätten den Dollar geschwächt, kommentierte der Analyst Peter von Maydell von Credit Suisse First Boston den anhaltenden Aufwärtsdrang des Euro. Da der argentinische Peso gegenüber dem Dollar ein festgelegtes Wechselkursverhältnis habe, färbten die Probleme des Landes auch auf den Dollar ab.