Börse am Nachmittag Infineon-Kurs bricht ein
Frankfurt am Main - Am Nachmittag rutschte der Dax wieder unter die Marke von 3500 Punkten. Gegen 15 Uhr notierte das Kursbarometer mit einem Minus von 2,5 Prozent bei 3496 Punkten. Am Neuen Markt büßte der Nemax 50 rund zweieinhalb Prozent auf 441 Punkte ein.
"Die Risiken überwiegen immer noch am Aktienmarkt", sagte der Aktienstratege Gérard Piasko von der Bank Julius Bär mit Blick auf einen drohenden Irak-Krieg und die fallenden Gewinnmargen der Unternehmen. "Deswegen raten wir dazu, Aktien weiter unterzugewichten, aber nicht mehr so stark wie noch vor einem halben Jahr." Ohne Einfluss auf das Marktgeschehen blieb die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Leitzinsen erwartungsgemäß unverändert zu lassen.
In den USA deuteten die Futures eine leichtere Eröffnung der Märkte an. Über die Tagestendenz in den USA dürften die am Nachmittag erwarteten Reden des US-Präsidenten George W. Bush und des US-Notenbankchefs Alan Greenspan entscheiden. Bush will sich vor der UN-Vollversammlung zur Irak-Politik äußern, während Greenspan vor einem Gremium des US-Kongresses zur wirtschaftlichen Lage reden will.
Unter Druck standen in Frankfurt unter anderem die Aktien von Infineon , die sich um knapp acht Prozent verbilligten. "Infineon fällt wegen Philips", sagte Fondsmanager Daniel Kerbach von Activest. Philips erwartet für das dritte Quartal einen Umsatzrückgang im Chipbereich zwischen 13 und 15 Prozent im Vergleich zum Vorquartal und ist damit deutlich pessimistischer als noch vor zwei Monaten. Fondsmanager Kerbach ergänzte, die Kunden der Chip-Hersteller würden zudem einen großen Druck auf die Preise ausüben, was den Firmen zu schaffen mache. In Amsterdam fielen Philips-Aktien um mehr als acht Prozent.
Deutlich im Minus lagen auch die Papiere der Auto-Hersteller BMW und DaimlerChrysler , die um mehr als drei Prozent fielen. Auch das Dax-Schwergewicht Siemens verlor knapp drei Prozent. Gegen den schwachen Markttrend stiegen die Anteilsscheine des Pharmakonzerns Bayer um rund zwei Prozent auf 22,47 Euro. Credit Suisse First Boston hatte die Aktie zuvor auf "Outperform" von "Neutral" hochgestuft und das Kursziel auf 28 Euro von 26 Euro erhöht. Am Neuen Markt brachen die Papiere des Software-Anbieters Intershop um gut ein Viertel auf 0,61 Euro ein. "Aus eigener Kraft wird es sehr schwer, die Insolvenz abzuwenden", sagte Analyst Michael Seufert von der NordLB. Die Wende auf der operativen Ebene scheine außerdem nicht in Sicht zu sein. Das Unternehmen hatte am Morgen außerplanmäßige Abschreibungen und einen Kapitalschnitt angekündigt.
Mobilcom schwankten in einer Spanne von plus neun bis minus 34 Prozent. "Viele spekulieren einfach mit, weil die Liquidität und die Schwankungen so hoch sind", sagte ein Händler einer Frankfurter Großbank. MobilCom-Chef Thorsten Grenz sagte, falls France Telecom ihr Engagement beende, sei kurzfristig mit einer Insolvenz zu rechnen. Börsianer erwarten noch am Donnerstag eine Entscheidung der Franzosen.