Börse am Nachmittag Intertainment fällt ins Bodenlose
Frankfurt am Main - Die deutschen Aktien haben am Freitag nach festem Start ihre Gewinne im Mittagshandel teilweise wieder abgegeben. Die Standardwerte verzeichneten zuletzt einen vergleichsweise mageren Gewinn von 0,3 Prozent. Die 70 mittelgroßen Werte im MDax rutschten sogar ins Minus. Zuletzt fiel der Index um rund 0,1 Prozent. Unangefochten an der Dax-Spitze standen die Aktien der HypoVereinsbank mit einem Gewinn von 3,39 Prozent auf 58,00 Euro.
Die T-Aktie hat im Freitagshandel ihre morgendlichen Gewinne nahezu vollständig abgegeben. Bis zum Mittag notierte der Kurs nur auf Vortagesniveau. Das sei eine technische Reaktion nach den hohen Verlusten vom Vortag, sagte ein Analyst. Ein anderer Finanzexperte prognostizierte, dass der Kurs "aufgrund der aktuellen Marktgegebenheiten noch weiter fallen könnte". Die aktuellen Verluste hätten allerdings nichts mit den Befürchtungen zu tun, dass auf diesem niedrigen Kursniveau die Übernahme der amerikanischen Voicestream scheitern könnte.
Die Aktien der Allianz haben im Freitagshandel zugelegt. Der Wert notierte gegen Mittag mit rund 1,5 Prozent im Plus. Es habe keine fundamentalen Neuigkeiten gegeben, sagte Konrad Becker, Analyst bei Merck Finck & Co. Vielmehr habe das im "Handelsblatt" und dem "Wall Street Journal" erschienene Interview mit dem Finanzvorstand der Allianz, Paul Achleitner, den Anlegern die Möglichkeiten des Versicherungskonzerns und seiner Aktie in Erinnerung gebracht.
Die Aktien der Deutschen Lufthansa haben im Freitagshandel verloren. Das Papier notierte um 0,6 Prozent im Minus. Vor allem technische Korrekturen zeichneten für den Rückgang verantwortlich, sagten Analysten. Die Aktie habe sich in den vergangenen Tagen, als der Markt abgebrochen sei, relativ gut gehalten. Zum Jahresende würden einige Fondsmanager eventuell noch Gewinne mitnehmen. Das Handelsvolumen sei allerdings "lächerlich" gering, sagte eine Analyst
Die Wachstumswerte am Neuen Markt blieben auf Erholungskurs. Allerdings bröckelten die frühen Gewinne am Freitag gegen Mittag wieder etwas ab. Nemax 50 lag gegen Mittag mit 0,4 Prozent im Plus.
Wie erwartet war der Handelstag bei geringen Umsätzen ruhig. Die großen Fonds hätten ihre Geschäfte für dieses Jahr abgeschlossen, da passiere nicht mehr viel, sagte ein Händler. Jetzt blicke man gespannt in Richtung New York, denn eine freundliche Eröffnung der dortigen Computerbörse Nasdaq beflügele auch den Neuen Markt. Die Vorzeichen dazu sind positiv, der richtungsweisende Nasdaq-Future stieg bis zum Mittag um 2,2 Prozent an.
Doch auch an diesem Handelstag gibt es so genannte "Kellerkinder". Dazu gehören curasan und mit Intertainment sogar ein Wert aus den Top 50. curasan hatte mit der Nachricht, im Geschäftsjahr 2000 die geplanten Ergebnisziele nicht zu erreichen, für negative Schlagzeilen gesorgt. Seitdem kennt der Kurs nur noch eine Richtung: abwärts. Bislang verlor der Titel 40 Prozent.
Noch viel schwerer erwischte es den Filmrechtehändler Intertainment. Die Aktie brach um fast 44,5 Prozent ein. Grund für den erneuten Kursrutsch waren Befürchtungen seitens Intertainment wegen eines Rechtsstreits mit dem US-Partner Franchise Pictures. Der Ausgang dieses Verfahrens könne "erhebliche Auswirkungen auf Umsatz und Gewinn für das laufende und folgende Geschäftsjahre" haben, erklärte Intertainment in der Nacht zum heutigen Freitag. Seit dem Absturz von EM.TV sei die ganze Branche angeschlagen, sagte Friedrich Henne, Aktienhändler der HypoVereinsbank. Komme ein Medienwert mit schlechten Nachrichten, sei die erste Reaktion "Verkaufen".
Zu den Gewinnern im Nemax 50 zählten Allgeier mit einem Plus beeindruckenden 30 Prozent. Die Anleger dürften inzwischen mitbekommen haben, dass der Hersteller von Logistik-Software über mehr liquide Mittel verfügt, als das gesamte Unternehmen wert ist. Zu den Tagesgewinnern sind aber auch United Internet und die Adva AG zu zählen, die sich um 14,5 beziehungsweise um 11 Prozent verteuerten.