Börse am Nachmittag Investoren setzen auf BMW
Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte hatten am Vormittag ihren Weg in die Pluszone und bis 14.20 Uhr die Zugewinne ausgebaut. Die EZB senkte die Leitzinsen erwartungsgemäß nicht. Die Aktienindizes zeigten sich davon kaum beeindruckt.
Der Dax legte bis 14.20 Uhr 1,2 Prozent auf 5906 Punkte zu. Die Wachstumswerte im Nemax 50 stiegen nach einer schwachen Vorstellung am Morgen zuletzt mit rund zwei Prozent auf 1307 Zähler an. Vor allem Kurszuwächse bei Technologie- und Autotiteln sorgten für die gute Stimmung bei den Standardwerten. Die vorbörslichen Kursbarometer in den USA ließen auf einen freundlichen Handelsauftakt der Wall Street hoffen.
Mit deutlichem Abstand hatten sich die Aktien des Heidelberger Finanzdienstleisters MLP an die Spitze des Dax mit Kursaufschlägen von sechs Prozent auf 96,40 Euro gesetzt.
Stefan Buchholz, Aktienhändler von der DG Bank, wertete die hohen Umsätze vom Tag als Anzeichen, dass institutionelle Anleger aktives Interesse an dem Wert zeigen. Bereits am Mittwoch habe MLP den kurzfristigen Abwärtstrend durchbrechen können und dies am Donnerstag fortgesetzt. "Der Wert läuft aus der stark überverkauften Zone in den neutralen Bereich zwischen 100 und 105 Euro zurück", sagte Buchholz. Kaufsignale von technischen Indikatoren seien jetzt dabei, sich zu entwickeln. Auch für die Experten von M.M. Warburg hat der Finanzdienstleister das Schlimmste überstanden. Es bestehe ein durchschnittliches Risiko und der Wert sei charttechnisch verbessert.
Technologiewerte im Dax profitierten auch am Donnerstag von der positiven Einschätzung des weltweiten Halbleitersektors durch das US-Investmenthaus Merrill Lynch. Epcos gewannen 3,90 Prozent auf 57,20 Euro. Infineon präsentierten sich 3,51 Prozent fester auf 31,26 Euro. Die Papiere des Mutterkonzerns Siemens gehörten mit Kursaufschlägen von 3,86 Prozent auf 67 Euro ebenfalls zu den Gewinnern im Dax. Marktbeobachter sehen in den Kurszuwächsen bei Tech-Titeln allerdings auch eine technische Reaktion auf die Verluste in der Vergangenheit. "Die Werte waren so runtergeprügelt worden, jetzt greifen die Anleger wieder zu", sagte ein Händler.
Deutsche Autobauer punkten in den USA
Alle großen deutschen Autobauer haben im Juli ihren Absatz in den USA zum Teil auf Rekordniveau schrauben können. Die Absatzsteigerungen für die deutschen Autobauer sind vor allem deshalb bemerkenswert, weil der gesamte US-Automarkt insgesamt rund sechs Prozent nachgegeben hatte. Marktbeobachter führten den Erfolg der deutschen Autobauer auch auf den im Verhältnis zum Dollar schwachen Euro zurück.
Am stärksten profitierten von diesen Nachrichten die Aktien von BMW die um knapp drei Prozent auf 41,60 Euro kletterten. Hier beflügelte auch eine Kaufempfehlung des Investmenthauses Merrill Lynch den Kurs, erklärten Händler.
Porsche gewannen 2,78 Prozent auf 419 Euro hinzu. Volkswagen präsentierten sich 0,80 Prozent fester. DaimlerChrysler hingegen waren mit 1,17 Prozent 55,94 Euro ins Minus gerutscht. Zwar konnte auch Mercedes in den USA mehr Autos absetzen. Allerdings leidet der deutsch-amerikanische Konzern unter nachlassenden Verkäufen der Sparte Chysler.
Mit 1,54 Prozent auf 27 Euro notierten die Aktien der Commerzbank im Plus. Die Papiere hatten bereits gestern deutlich zulegen können, nachdem bekannt geworden war, dass die Deutsche Bank eine Beteiligung an dem Institut nicht ausschließt. Nach einem Zeitungsbericht von heute sucht die Commerzbank nun selbst nach Verstärkung. Die "Süddeutsche Zeitung" schreibt, die Commerzbank sei an Teilen der angeschlagenen Berliner Bankgesellschaft interessiert.
Die Aktien der Deutsche Bank präsentierten sich nach den Verlusten vom Vortag 2,20 Prozent fester auf 79,39 Euro. Händler führten den Kursgewinn auf die Neubewertung durch Goldman Sachs zurück, während negative Analysen von Schroder Salomon Smith Barney und Dresdner Kleinwort Wasserstein vom Markt ignoriert würden. Goldman Sachs hat die EPS-Schätzung für dieses Jahr um 34 Prozent auf 5,52 Euro angehoben.
Auch defensive Werte waren gefragt. So stiegen MAN zuletzt um 2,24 Prozent auf 26 Euro. Die Aktie hatte in der Verhangenheit deutlich nachgegeben und befand sich damit auf Erholungskurs. Die Aktien des Touristikkonzerns Preussag verbesserten sich um knapp vier Prozent auf 35,57 Euro. Möglicherweise färbte auf die Aktien ab, dass der Konkurrent Thomas Cook seine Ergebnisprognose für das laufende Jahr angehoben hat. Nach Angaben des Vorstands soll der Umsatz in diesem Jahr zweistellig steigen.
Wenig beeindruckt reagierte die T-Aktie auf eine Nachricht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Die EU-Kommission habe den Konzern und seine Tochter T-Online wegen der Behinderung von Wettbewerbern ins Visier genommen, meldete das Blatt. T-Online habe seine marktbeherrschende Stellung zum Nachteil von Konkurrenten ausgenutzt, so der Vorwurf. Der Brüsseler Behörde lägen Beschwerden von America Online (AOL) und anderen Konkurrenten vor. Die Aktien der Deutschen Telekom zogen um 2,22 Prozent auf rund 25 Euro an. T-Online-Aktien fielen um 1,56 Prozent auf 8,85 Euro ab.
Zu den schwächsten Werten im Dax zählten die Aktien des Chemiekonzerns Bayer, die sich um 1,20 Prozent auf 46,25 Euro verbilligten.
Der Aktienkurs der am Neuen Markt notierten Prodacta ist zuletzt um die Hälfte 33 Euro-Cents eingebrochen. Das Unternehmen hat Insolvenzantrag gestellt. "Das ist nach der Meldung wirklich kein Wunder", sagte ein Händler in Frankfurt. Nach dem Börsengang habe die Aktie die Kurssteigerungen kaum mitmachen können, sagte ein Börsianer. Das E-Business-Unternehmen begründete den Insolvenzantrage damit, dass Verhandlungen mit Aktionären und potentiellen Investoren zu keinem endgültigen Ergebnis geführt hatten.
Die Aktien des Laser-Spezialisten Lambda Physik rutschten um neun Prozent ab, nachdem das Unternehmen am Morgen eine Gewinnwarnung ausgesprochen hatte. Durch die Verschiebung eines Großauftrages rechnet das Unternehmen für das kommende Jahr und für 2003 mit einem gebremsten Wachstum. "Die Meldung allein ist nicht ausschlaggebend. Die Aktie befindet sich auch charttechnisch in einem Abwärtstrend", begründete ein Händler die Talfahrt. Seit Ende Juni rutschte die Aktie von über 60 Euro ab.
Zu Handelsbeginn hatten die Titel von Brokat noch den Nemax 50 mit Kursaufschlägen von acht Prozent angeführt, rutschten dann allerdings mit rund acht Prozent auf 3,15 Euro ins Minus. Offenbar hatten Zocker sich vorübergehend von dem Wert verabschiedet und die kräftigen Kursgewinne von mehr als 50 Prozent des Vortages zum Teil wieder einkassiert und den Wert verkauft. Händler hatten die Kursgewinne mit Gerüchten um einen Einstieg des britischen Mobilfunkkonzerns Vodafone bei dem angeschlagenen Softwarehersteller begründet.
IDS Scheer gibt in den USA weiter Gas. Nachdem das Unternehmen zuvor ein Beratungsunternehmen gekauft hatte, gab IDS heute eine Zusammenarbeit mit der Nasdaq-notierten Vitria bekannt. IDS will mit dem Anbieter von Integrationsservern eine neue Softwarelösung entwickeln und vermarkten. Die Aktie verteuerte sich zuletzt um 1,75 Prozent auf 15,70 Euro.