Börse am Nachmittag: Jeff Bezos spendet Hoffnung - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Jeff Bezos spendet Hoffnung

Trotz durchwachsener Nachrichten startet die Nasdaq im Plus. Amazon.com gehört zu den größten Gewinnern. Übernahmegerüchte treiben die Aktie der Londoner Börse. Im Dax klettern DaimlerChrysler und Pharmatitel.
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New York / Frankfurt am Main - Nach fünf Tagen mit Verlusten in Folge startete der Technologieindex Nasdaq Composite trotz durchwachsener Unternehmens- und Konjunkturdaten um 0,5 Prozent fester und kletterte auf 1739 Punkte. Dabei sorgten sowohl die Zahlen von AT&T als auch die Nachricht, dass die Auftragseingänge für langlebige Güter um 0,6 Prozent gefallen sind, für eine Enttäuschung. Investoren setzen darauf, dass die schlechten Nachrichten nun verarbeitet sind und eine Trendwende im Index folgen kann. Der Dow Jones notierte zur Eröffnung unverändert um den Vortagesschluss von 10.101 Punkten.

Gerüchte, die Nasdaq wolle die Londoner Stock Exchange übernehmen, waren am Nachmittag das bestimmende Thema auf dem Parkett. Die Aktien der LSE legten zeitweise mehr als fünf Prozent zu.

AT & T bremst

Für Erleichterung im Tech-Sektor sorgte unter anderem das Internet-Versandhaus Amazon.com   . Amazon ist im ersten Quartal 2002 wieder in die Verlustzone gerutscht, der Verlust war mit sechs Cent pro Aktie jedoch geringer als erwartet. Auch der Ausblick ist positiv. Amazon zählte zum Auftakt mit einem Plus von rund acht Prozent zu den besten Titeln an der Nasdaq.

Der Telekomkonzern AT & T   hat dagegen im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen deutlichen Umsatz- und Gewinnrückgang verzeichnet. Zudem ist der Ausblick auf das laufende Jahr enttäuschend. Auch der Mobilfunktechnologie-Konzern Qualcomm hat seine Umsatz- und Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr wegen des Umsatzrückgangs bei Handy-Chips gesenkt. Das Biotech-Unternehmen Biogen steigerte im ersten Quartal zwar den weltweiten Umsatz, das Konzernergebnis stagnierte jedoch auf Vorjahresniveau.

Für Unsicherheit sorgte auch, dass der US-Kopiererhersteller Xerox die Vorlage seiner vollständigen Quartalsbilanz verschoben hat. Grund sei die Veränderung der Bilanzierungsmethode, die Teil einer Einigung mit der US-Börsenaufsicht SEC ist. Der vorläufige Nettoverlust des ersten Quartals belaufe sich auf 64 Millionen US-Dollar oder 9 Cent je Aktie.

Warten auf AOLTimeWarner und Beige Book

In New York erwarten die Börsianer heute vor allem die Geschäftszahlen des weltgrößten Internet- und Medienkonzerns AOL Time Warner. Auch Broadvision   und Juniper Networks werden berichten. Wichtige Impulse könnte die Wall Street auch durch den Konjunkturbericht der US-Notenbank erhalten: Das Beige Book wird um 20 Uhr MEZ veröffentlicht.

DaimlerChrysler und Pharmatitel vorn

Dax: DaimlerChrysler und Pharmatitel vorn

Der Dax pendelte bis zum Handelsbeginn in New York leicht im Minus bei 5183 Zählern. Die Wachstumswerte im Nemax 50 rutschten um 0,6 Prozent auf 879 Punkte ab.

Die Papiere des Autobauers DaimlerChrysler   blieben mit einem Plus von 2, 4 Prozent auf 53,40 Euro Spitzenreiter im Dax. Das Unternehmen legt morgen seine Zahlen vor. Investoren setzen darauf, dass die US-Tochter Chrysler wie angekündigt wieder ein postitives Ebitda melden wird.

Auch die Pharmakonzern Schering   und Fresenius Medical Care   legten zu: Die guten Zahlen des französischen Konzerns Sanofi sorgten für gute Stimmung in der Pharmabranche.

T-Aktie und Infineon nach Zahlen unter Druck

Erneut unter Druck geriet die Aktie der Deutsche Telekom   , die bereits am Vortag nach Vorlage der Quartalszahlen verloren hatte. Die Zahlen waren nicht schlecht und die US-Tochter Voicestream steuerte erstmals ein positives Ebitda bei. Die Märkte stört allerdings, dass die Schulden des Konzerns auf ein neues Rekordniveau geklettert sind. Auch Infineon   gab einen Tag nach den Zahlen wieder nach. Ebenso rutschte SAP   weiter ab. Einzig Siemens   konnte unter den Technologiewerten spürbar zulegen.

Gerüchte um Deutsche Bank

Schwächer notierten auch die Papiere der Deutsche Bank   , die um 0,7 Prozent auf 72,23 nachgaben. Händler machten für die Kursschwäche Marktgerüchte verantwortlich, denen zufolge der Bank wegen der Argentinienkrise Verluste von bis zu einer Milliarde Euro drohen. Am Montag veröffentlicht die Deutsche Bank ihr Quartalsergebnis. Dagegen berichtet die New York Times, dass die amerikanische Citigroup   wieder näher an die Deutsche Bank heranrücken will.

KPMG muss nachsitzen

Neuer Markt: KPMG muss nachsitzen

Wegen des Bilanzskandals um den Telematik-Anbieter Comroad hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG die Notbremse gezogen. Die Gesellschaft alle von ihr testierten Abschlüsse am Neuen Markt erneut auf Herz und Nieren prüfen. Dies betrifft etwa jedes siebte Unternehmen am Neuen Markt. KPMG hatte gestern die Comroad-Testate für die Bilanzen der Jahre 1998 bis 2000 zurückgezogen.

Zu den Gewinnern im Nemax 50 gehörten Rhein Biotech  , Teleplan   und Lambda Physik   , die Quartalszahlen vorgelegt hatten. Lambda hält für das laufende Geschäftsjahr an seinen Planungen fest. Auf Basis eines um 25 Prozent niedrigeren Umsatzes werde für 2001/02 mit einem positiven Ergebnis gerechnet, hieß es.

Thiel und Senator weiter unter Druck

Bei Thiel Logistik   rutschte der Kurs um 3,35 Prozent auf rund zehn Euro ab. Das Unternehmen kämpft seit Tagen gegen Gerüchte, es hätte Bilanzierungsprobleme. Nun haben Zocker ihren Spaß an der Aktie. Die schwächsten Werte im Nemax 50 waren International Media und Senator  , die jeweils zehn Prozent abgaben. Senator steht seit Tagen unter Druck.

Euro etwas fester

Der Euro notierte am Nachmittag etwas fester bei 0,8915 Dollar. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 0,8892 US-Dollar (Dienstag: 0,8872 Dollar) fest.