Börse am Nachmittag: Kauflust ungebremst - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Kauflust ungebremst

Der feste Start der US-Börsen treibt die deutschen Indizes höher. Der Nemax 50 nimmt zum Wochenschluss die 1300 Punkte ins Visier. Im Dax zählen Lufthansa, Metro und DaimlerChrysler neben Infineon zu den Top-Gewinnern.
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New York / Frankfurt am Main - Der Dow Jones legte zu Handelsbeginn an der Wall Street um 0,7 Prozent auf 10.241 Punkte zu. Der Technologieindex Nasdaq Composite kletterte um 1,4 Prozent auf 2072 Zähler. Die positive Stimmung für die Halbleiterbranche hält an, und auch die US-Konjunkturdaten wurden positiv aufgenommen.

Der vor Handelsbeginn veröffentlichte US-Arbeitsmarktbericht war etwas besser als erwartet. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft sank im Dezember um 124.000 gegenüber dem Vormonat. US-Volkswirte hatten mit einem Rückgang um 130.000 gerechnet. Die Arbeitslosenquote stieg insgesamt von 5,6 Prozent im November auf 5,8 Prozent im Dezember. Mit diesen Daten steigen die Hoffnungen auf eine Erholung der Konjunktur; eine erneute Senkung der Leitzinsen durch die Fed wird damit aber unwahrscheinlich.

Spekulationen um AOLTimeWarner

Die Papiere des Medienriesen AOL Time Warner gerieten zu Handelsbeginn leicht unter Druck. Marktbeobachter erwarten, dass der Medienkonzern während einer Analystenkonferenz am Montag seine Gewinnprognose auf Grund sinkender Werbeeinkommen für das Jahr 2002 leicht nach unten korrigieren dürfte. AOL Time Warner wollte zu dem Gerücht keine Stellung beziehen.

Einen festen Start erwischte dagegen der Medizintechnik-Hersteller Medtronic. Die Analysten von Lehman Brothers haben ihre Anlageempfehlung "Klarer Kauf" bestätigt. Auch der US-Energiehändler Dynegy startete behauptet: Der Konzern hat sich im Konflikt um eine Gas-Pipeline mit dem zahlungsunfähigen Konkurrenten Enron teilweise geeinigt.

Stimmung schlecht bei Biotechs

Schlechte Nachrichten von Abgenix drückten zum Wochenschluss weiter auf die Stimmung für Biotechnologiewerte. Die zweite Phase der klinischen Tests für ein Präparat gegen rheumatische Arthritis seien enttäuschend verlaufen, hieß es. Die an der Nasdaq gehandelte Aktie gab zum Auftakt knapp zehn Prozent nach.

Dax baut Gewinne aus

Nach dem festen Start in New York haben Dax und Nemax ihre Gewinne weiter ausgebaut. Der Dax notierte um 15.45 Uhr 1,5 Prozent im Plus bei 5348 Zählern, während der Nemax 50 um 2,9 Prozent auf 1288 Zähler zulegte.

Zu den größten Gewinnern zählten am Nachmittag die Lufthansa   und der Einzelhandels-Konzern Metro   mit einem Zuwachs von jeweils rund fünf Prozent. Die US- Investmentbank Merrill Lynch hat Metro heraufgestuft. Auch DaimlerChrysler   verteidigte seine Gewinne und notierte wieder über 50 Euro. Von einer Erholung der Konjunktur könnten sowohl die Airline als auch der Autobauer überproportional profitieren.

Infineon weiterhin gefragt

Die Aktie des Chipherstellers Infineon   setzte am Freitag den Kursanstieg fort und verteuerte sich um weitere 3,7 Prozent auf 27,18 Euro. Im Sog von Infineon präsentierten sich auch die Aktien von Epcos   und der Deutsche Telekom   fest.

Investoren setzen darauf, dass die Chipindustrie nach dem Preisverfall im Vorjahr zu neuem Leben erwacht, sofern die Überkapazitäten abgebaut werden. Doch nach den deutlichen Kursgewinnen von Infineon wächst die Gefahr von Gewinnmitnahmen stetig. Besonders bei den Technologietiteln am Neuen Markt warnen Händler vor Überhitzung.

Auto-Absatz gestiegen

Die deutschen Hersteller haben ihren Absatz in den USA verbessert. Während BMW trotz Konjunkturflaute und den Folgen der Terroranschlägen ein deutliches Absatzplus von 12,5 Prozent auf 213.127 Autos und damit einen neuen Rekord erzielte, konnte Volkswagen   seinen Absatz nur marginal steigern. Bei BMW drückten jedoch Gewinnmitnahmen nach dem Motto "sell on good news". Den deutlichen Zuwachs bei DaimlerChrysler   führten Händler auch auf die Präsentation des Chrysler-Modells "Crossfire" während der "Detroit Motor Show" zurück.

Werte aus Bayern unter Druck

Die Nachfrage bei den Technologietiteln ging zu Lasten defensiver Werte: Die Versorger Eon   und RWE   gaben ebenso wie BMW   und die Münchener Rück   gegen den freundlichen Trend nach.

Händler warnen vor Blase am Neuen Markt

Der Nemax 50 war bereits gestern um satte 7,4 Prozent gestiegen und kletterte am Nachmittag weiter Richtung 1300 Punkte. "Der Neue Markt ist in den vergangenen Tagen um 13 Prozent gestiegen - das ist mit fundamentalen Daten nicht zu begründen", ergänzte ein Händler einer Großbank. Es werde "Liquidität in der Märkte hinein gequetscht". Selbst die mit Technologiewerten gespickte Nasdaq sei nicht so stark gestiegen. "Wir könnten dann auch wieder nach unten übertreiben", hieß es.

Der Telekom-Dienstleister Carrier 1   will alle ausstehenden hochverzinslichen Anleihen zurückkaufen. Die Anleihen könnten gegen Bargeld und Aktien eingetauscht werden. Die Aktie des angeschlagenen Unternehmens kletterte um 20 Prozent auf 1,89 Euro und verteidigte die Spitze im Nemax 50. Auch die Aktien des Chipkartenspezialisten ACG   kletterten den vierten Börsentag in Folge. Die Papiere legten bis 15.45 Uhr zehn Prozent zu.

Euro fällt unter 90 Cent

Nach Bekanntgabe der US-Arbeitsmarktdaten ist Euro am Freitag in einem eher ruhigen Handel minimal gestiegen. Mit 0,8971 Dollar notierte die Gemeinschaftswährung am dritten Werktag nach der reibungslosen Einführung des Euro-Bargelds jedoch wieder unter 90 US-Cent. Nach der Kursrally zu Jahresbeginn sei nun eine leichte Korrektur auszumachen, sagten Händler. Analysten sehen für den Euro aber weiteres Aufwärtspotenzial im Zuge eines möglichen Anstiegs der weltweit in Euro gehaltenen Devisenreserven.