Börse am Nachmittag Keine Erholung in Sicht
Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte liegen weiter im Minus. Der Dax stand gegen 13 Uhr mit 2,3 Prozent bei 4540 Zählern. Die Wachstumswerte im Nemax 50 waren am Morgen zunächst um fünf Prozent gefallen und notierte zuletzt 1,2 Prozent leichter. Dabei fiel der Index wieder unter die Marke von 1000 Punkten.
"Die Stimmung ist schlecht. SAP belastet alle Techs und zieht den Dax runter", sagte ein Händler. Andere machten ihrem Ärger über die reduzierten Prognosen des Softwarekonzerns Luft und sprachen von Vertrauensbruch.
SAP -Aktien fielen zeitweise um mehr als 18 Prozent auf 104 Euro. "Die Enttäuschung besteht darin, dass das dritte Quartal nicht so ausgefallen ist, wie wir erwartet haben", sagte Trudbert Merkel, Fondsmanagerin bei Deka in Frankfurt. Es ginge aber weniger um die Zahlen an sich, die im Vergleich zur Branche ganz gut seien. "Es ist eher der Vertrauensbruch, da sie bis zuletzt an ihren Prognosen festgehalten haben", sagte Merkel weiter. SAP hatte am Morgen mitgeteilt, nur noch mit einem Umsatzwachstum von 15 Prozent statt der bisher erwarteten 20 Prozent zu rechnen.
Den Kurs der Aktie belasteten zudem Gerüchte, das einflussreiche Investmenthaus Goldman Sachs wolle das Kursziel für SAP auf 75 Euro senken, sagten Marktbeobachter.
Epcos konnte seine Verluste auf 1,5 Prozent begrenzen. Siemens gaben mehr als vier Prozent nach. Das Investmenthaus Morgan Stanley hatte die Siemens-Gewinnprognose für das Jahr 2002 auf knapp einen Euro je Aktie mehr als halbiert. Infineon gehörte mit Abschlägen von mehr als sechs Prozent auf 16,33 Euro zu den schwächsten Werten im Dax.
Gewinner waren einige der Verlierer des Vortags. So erholten sich Degussa um mehr als drei Prozent. Adidas-Salomon verteuerten sich um zwei Prozent auf 62,18 Euro.
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Zu den Topps im Nemax 50 gehörten vor allem Biotechnologietitel. MediGene und Evotec gewannen zwischen sechs und sieben Prozent hinzu. Biotechnologiewerte gehörten bereits am Vortag zu den größten Gewinnern.
Die Aktien der im Nemax 50 notierten Direktbank ConSors gaben nach Veröffentlichung vorläufiger Geschäftszahlen für das dritte Quartal zuletzt um mehr als fünf Prozent auf 11,85 Euro nach. Die Zahlen seien " enttäuschend" ausgefallen, hieß es im Handel. Consors will bis Jahresende rund 300 Stellen abbauen.
Kontron dagegen verteuerten sich um 4,28 Prozent auf 13,40 Euro und gehörten zu den wenigen Gewinnern im Nemax 50. Der Hersteller von so genannten embedded computers hatte vor Handelsbeginn den Erwerb der Industrial Computer Source Inc. zu einem Kaufpreis von 23 Millionen Dollar in bar mitgeteilt.
Die Aktien des Call-Center-Betreibers Camelot sind nach erneut drastisch nach unten korrigierten Prognosen eingebrochen. Die Titel des Unternehmens fielen am Vormittag um 17 Prozent auf 0,69 Euro. Camelot hatte am Vorabend mitgeteilt, dass der Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) 2001 voraussichtlich zehn bis elf Millionen Euro statt wie bisher geplant rund vier Millionen Euro betragen werde. Der Konzern gehe zudem für das Gesamtjahr nur noch von einem Gesamtumsatz von 16 bis 17 Millionen Euro anstelle der bisher prognostizierten rund 22 Millionen Euro aus.
US-Wirtschaft wird schrumpfen
Schließlich warnte US-Notenbankpräsident Greenspan vor einer uneinheitlichen Entwicklung und einem vorübergehenden Rückgang der Produktivität in den USA. Verbraucher und Investoren seien verunsichert, die psychologischen Faktoren des Konsumentenverhaltens seien "sehr schwer vorherzusagen".
Vor diesem Hintergrund ging es an den Aktienmärkten in New York deutlich nach unten. Der Dow Jones gab 1,6 Prozent auf 9232 Punkte nach. Der Nasdaq Composite verlor 4,4 Prozent auf 1646 Zähler.
Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft wird nach Einschätzung von Branchenanalysten heute nach Börsenschluss für das erste Fiskalquartal einen Gewinn je Aktie von 38 bis 42 US-Cent vorlegen. Die Durchschnittsschätzung der Analysten liegt bei 39 Cent je Aktie, nachdem das Unternehmen ein Jahr zuvor einen Ertrag von 46 Cent erwirtschaftet hatte. Die Investmentbank Goldman Sachs davon aus, dass der Umsatz nur am unteren Ende der Markterwartungen liegen werde. Die Analysten schätzen die Erlöse auf 5,8 Milliarden bis 6,2 Milliarden Dollar.
Nach Börsenschluss legen unter anderem auch die Technologiekonzerne Applied Micro Circuits , Corning und Sun Microsystems ihre Zahlen vor. Zum Zahlenrapport müssen überdies der Computerkonzern Gateway und der Netzwerkhersteller Nortel Networks .
Mit Spannung werden gegen 14 Uhr (MEZ) die Geschäftszahlen des weltgrößten Automobilkonzerns General Motors erwartet. Gestern bereits hatte Ford von Verlusten berichtet, die Erwartungen der Analysten aber erfüllt.