Börse am Nachmittag: Konfusion nach US-Daten - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Konfusion nach US-Daten

Gemischte Konjunkturdaten aus den USA verwirren die Aktienhändler. Zwar steigt das Vertrauen in die Wirtschaft, aber der Konsum enttäuscht. Der Dax verharrt im Minus.
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Frankfurt am Main - Auch nach US-Handelsstart notierte der Dax in Frankfurt im Minus bei 4657 Punkten, 1,3 Prozent weniger als am Donnerstag. Am Neuen Markt verlor der Nemax 50 um 1,6 Prozent auf 918 Zähler.

In den USA präsentierten sich die Börsen uneinheitlich. Nach einer schwachen Eröffnung kletterte die Nasdaq innerhalb der ersten Handelsstunde um 0,2 Prozent ins Plus auf 1703 Punkte. Der Dow Jones sackte um 0,8 Prozent auf 9337 Zähler.

Das Handelsministerium gab vor Börseneröffnung bekannt, dass der US-Einzelhandelsumsatz im September gegenüber dem Vormonat um 2,4 Prozent gesunken ist. Dies ist der stärkste Einbruch seit zehn Jahren. Analysten hatten einen deutlich geringeren Rückgang erwartet. Die Erzeugerpreise stiegen unterdessen um 0,4 Prozent. Die Expertenprognose lag bei plus 0,1 Prozent.

Positiv waren dagegen die Daten zum Verbrauchervertrauen. Der Index der University of Michigan stieg im Oktober überraschend auf 83,4 Punkte. Marktbeobachter waren von einem Rückgang auf 76 Punkte ausgegangen. Im September hatte der Verbrauchervertrauens-Index noch einen Stand von 81,8 Punkten verzeichnet.

Händler machten für die schwachen Kurse auch Gewinnmitnahmen verantwortlich, nachdem sich die Kurse in den vergangenen Handelstagen wieder deutlich erholt hatten. Der rasante Aufschwung war vor allem von hoher Liquidität, billigem Notenbankgeld nach den Zinssenkungen und dem Schließen von Short-Positionen getrieben worden. Die Indizes haben die Kursverluste seit den Terroranschlägen zwar wieder aufgeholt, die schwierige wirtschaftliche und politische Situation hat sich jedoch nicht grundlegend geändert.

Konservative Werte sind gefragt

Die Gewinnerliste im Dax wurde zu Wochenausklang von defensiven Werten angeführt. Ganz oben notierten die Aktien von Bayer   (plus 2,2 Prozent auf 35,12 Euro), Metro   (plus 2,2 Prozent auf 39,50 Euro) und Adidas Salomon   (plus 2,1 Prozent auf 64,64 Euro).

Die Stimmung insbesondere bei den Technologiewerten werde unter anderem von der jüngsten Gewinnwarnung bei Cap Gemini belastet, sagten Händler. Das Unternehmen hatte angekündigt, die Ergebnisse für das dritte Quartal würden "weit unter" den bisherigen Planungen liegen. Auf Grund der wirtschaftlichen Schwäche und der politischen Unsicherheit könne zudem keine Prognose für das Gesamtjahr 2001 oder für 2002 abgegeben werden.

Die Siemens-Tochter Infineon   konnte sich im frühen Handel noch behaupten, fiel am Nachmittag jedoch tief ins Minus. Unternehmens-Chef Ulrich Schumacher hatte zuvor betont, der Konzern werde auch bei einem anhaltenden Preiskampf in der Chipbranche nicht in Liquiditätsprobleme geraten. Die Mutter Siemens   verlor ebenfalls deutlich, während Epcos   nahezu unverändert notierte. Auch SAP hielt sich stabil auf seinem Vortagesniveau.

Die Deutsche Telekom   geriet aufgrund von Berichten über eine neue Anleihe deutlich unter Druck. Die Telekom will einen Teil der bestehenden Forderungen gegen ihre Festnetzkunden am Kapitalmarkt veräußern, um ihre Schulden um rund zwei Milliarden Euro zu reduzieren. Die T-Aktie fiel um über vier Prozent auf 17,57 Euro.

Die Autobranche verlor überdurchschnittlich stark. Die Aktien von BMW   (minus 4,1 Prozent auf 32,75 Euro) DaimlerChrysler   (minus 2,7 Prozent auf 38,40 Euro) notierten tief im roten Bereich, während sich Volkswagen   nahezu unverändert behauptete.

Die Deutsche Bank   gab nach dem kräftigen Plus vom Vortag wieder nach. Merrill Lynch hat die Aktie von "Kauf" auf "Akkumulieren" herabgestuft. Die Kurserholung der Aktie sei zu schnell und komme zu früh, begründeten die Investmentbanker ihre Herabstufung.

Zocker feiern ein Fest am Neuen Markt

Nach der Rallye am Donnerstag ging dem Neuen Markt zum Wochenschluss wieder die Puste aus. Börsianer zeigten sich nicht überrascht. Die schwache Performance sei zu erwarten gewesen, da "am Freitag fast alle Marktteilnehmer ihre unter der Woche gekauften Aktien meist wieder verkaufen", sagte ein Händler. Die Pennystocks sorgten dafür wieder einmal für Furore.

Die vermutlich bald insolvente Prodacta   ist ins Visier der Zocker geraten. Die Aktie des IT-Beraters hatte im Handelsverlauf bereits mit 400 Prozent im Plus gestanden, am Nachmittag notierte das Papier noch mit über 340 Prozent im grünen Bereich - allerdings bei nur mageren 0,31 Euro. "Da treffen sich ein paar Zocker in einer Aktie, um sich gegenseitig das Geld abzunehmen", sagte ein Händler. Ebenfalls heiß gefragt waren Kabel New Media   . Die Titel des insolventen Internet-Unternehmens kletterten um über 70 Prozent auf 0,12 Euro.

Im Auswahlindex Nemax 50 überzeugten Pandatel   (plus 11,7 Prozent auf 10,50 Euro) und Adva   (plus 8,7 Prozent auf 2,62 Euro). Adva profitierte von den guten Ergebnis des Netzwerkausrüsters Juniper Networks sowie von einem Großauftrag für Nortel. Größter Verlierer war Constantin Film   . Die Anteilsscheine gaben nach einer Gewinnwarnung 17,50 Prozent auf 6,93 Euro nach. Auch die anderen Medienwerte litten unter der Gewinnwarnung von Constantin.

Kurs des Euro gefallen

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs des Euro auf 0,9040 (Donnerstag: 0,9062) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1635 (2,1583) Mark.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6248 (0,6252) Pfund, 109,65 (109,55) Yen und 1,4825 (1,4852) Schweizer Franken fest.