Börse am Nachmittag Kurse brechen massiv ein
Frankfurt am Main - Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im April überraschend verschlechtert und bis Mittag zu einem kräftigen Kursrutsch an den deutschen Aktiemärkten geführt. Die Aktienmärkte, ohnehin belastet durch schwache Vorgaben der Wall Street, rauschten nach Veröffentlichung des ifo-Geschäftsklima-Index in den Keller.
Der Dax fiel bis 14 Uhr um 2,2 Prozent auf 5047 Zähler. Die Verluste erstreckten sich auf breiter Front. Siemens reduzierte als einziger Gewinner des Index sein Plus deutlich. Die Wachstumswerte im Nemax 50 verbuchten Verluste von 3,8 Prozent. Die vorbörslichen Barometer in New York standen im roten Bereich.
Händler sieht Dax bei 4800 Punkten
Mit Blick auf den überraschend gesunkenen ifo-Geschäftsklimaindex sagte ein Händler: "Es sieht derzeit sehr schlecht aus." Der Markt könne bis Ende kommender Woche sogar bis auf 4800 Punkte zurückgehen. Der Ifo-Index war im April auf 90,5 Punkte von 91,5 Zählern im Vormonat gesunken. Analysten hatten dagegen mit einem Anstieg auf 92,1 Stellen gerechnet. Der ifo-Index gilt als wichtiger Maßstab dafür, wie die Unternehmen die wirtschaftliche Situation beurteilen. In Ostdeutschland verharrte der Index für das Geschäftsklima im April im Vergleich zum Vormonat bei 100,1 Punkten.
Der Rückgang im April ist nach Angaben des ifo Insituts vor dem Hintergrund des überraschend starken Anstiegs im Vormonat zu sehen. Der Rückgang resultiere ausschließlich aus dem deutlich ungünstigeren Geschäftsklima im Groß- und Einzelhandel. In der Industrie und im Bauhauptgewerbe blieb der Indikator hingegen unverändert.
Siemens hatte am Morgen den Zahlenreigen der Dax-Konzerne eröffnet. Der Elektronikkonzern hat seinen Gewinn im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres stärker als von Analysten erwartet gesteigert. Das Ergebnis nach Steuern kletterte verglichen mit dem Vorjahr von 578 Millionen Euro auf rund 1,3 Milliarden Euro, teilte Siemens vor Handelsbeginn mit. Das Unternehmen will 6500 weitere Stellen streichen.
Enttäuschend war allerdings, dass der Konzern sich weiter um einen konkreten Ausblick für das Geschäftsjahr 2002 herumdrückt. Dies störte die Investoren zunächst nicht. Sie griffen beherzt zu. Siemens war mit Zugewinnen von mehr als vier Prozent gestartet und fielen zuletzt auf plus 0,31 Prozent oder 63,80 Euro ab. Die Aktie war damit einziger Gewinner im Dax.
Europas größter Touristikkonzern Preussag hat mit Umsatz und Ergebnis 2001 die Erwartungen der Analysten erfüllt, zeigt sich für das laufende Jahr aber zurückhaltend. Es sei mit einem Rückgang von bis zu acht Prozent zu rechnen, sagte Preussag-Vorstandsvorsitzender Michael Frenzel. Zur Zeit lägen die Buchungen hier zu Lande für die Sommersaison um 13 Prozent hinter dem Vorjahr.
Das Ergebnis nach Sparten sei im vergangenen Jahr um 8,6 Prozent auf 811,4 Millionen Euro gestiegen, teilte Preussag am Donnerstag bei der Vorlage der Bilanz 2001 mit. Der Konzernumsatz kletterte den Angaben nach um 2,6 Prozent auf 22,4 Milliarden Euro. Die Aktie notierte mit zwei Prozent im Minus.
Nach einem dramatischen Gewinneinbruch in Folge der Terroranschläge in den USA sieht sich die Lufthansa wieder im Aufwind. Für dieses Jahr erwartet die Airline ein deutlich besseres operatives Ergebnis als 2001, sagte Konzernchef Jürgen Weber am Donnerstag. Eine genaue Prognose für das laufende Jahr gab Weber angesichts der unsicheren konjunkturellen und weltpolitischen Lage nicht ab. Im vergangenen Jahr hatte sich der operative Gewinn um 97,3 Prozent auf 28 Millionen Euro verringert. Das Konzernergebnis lag mit 633 Millionen Euro im Minus nach einem Plus von 689 Millionen im Vorjahr. Die Aktionäre sollen keine Dividende erhalten. Die Aktie von Lufthansa notierte in einem schlechten Marktumfeld mit 2,31 Prozent auf 16,49 Euro im Minus.
Eine Gewinnwarnung des niederländischen Telekomkonzerns KPN Qwest belastete die Aktie der Deutsche Telekom . Während die Papiere von KPN Qwest an der Börse in Amsterdam bis zur Hälfte ihres Wertes verloren, gab die T-Aktie 4,65 Prozent auf 15,41 Euro ab und war damit schwächster Wert im Dax.
Bitter sah es auch für die Autowerte aus. DaimlerChrysler , wo im Laufe des Tages noch die Geschäftszahlen erwartet wurden, BMW und Volkswagen gaben jeweils mehr als drei Prozent ab.
Erfreuliche Nachrichten gab es von dem Sportartikelhersteller Puma. Im ersten Quartal des laufenden Jahres erhöhte sich der Umsatz von Puma gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast 56 Prozent auf 232,8 Millionen Euro. Das Vorsteuerergebnis betrug 33 Millionen Euro und verdreifachte sich damit nahezu. Das Management erhöhte seine Erwartungen für das Gesamtjahr. Die Aktie kletterte zuletzt um mehr als vier Prozent auf 58,30 Euro.
Wall Street: Nur Amazon glänzte
Wall Street: Nur Amazon glänzte
Kurz vor Handelsschluss hatte die Investoren in den USA der Mut verlassen. Die Aktienindizes rutschten ins Minus. Der Dow Jones fiel um 0,6 Prozent auf 10.030 Zähler, der Nasdaq Composite gab 1,0 Prozent auf 1713 ab.
Die am Mittwoch veröffentlichten US-Konjunkturdaten beeinflussten Händlern zufolge die Märkte kaum. So fielen die Auftragseingänge für langlebige Güter in den USA im März erstmals seit November wieder. Auch der Verkauf neuer Häuser ging in den USA im März überraschend zurück. Zwar trübten sie die Stimmung bei den Konjunktur-Optimisten. Allerdings gingen die Befürchtungen vor einer baldigen Zinsanhebung zurück, sagten Händler.
Die Notenbank sah Anzeichen für einen Konjunkturaufschwung in fast allen Regionen der Vereinigten Staaten. Allerdings sei weiter unklar, wie schnell der Aufschwung erfolge. Letzteres schien die Anleger zu verunsichern. "Die Leute erkennen, dass die Wirtschaft wahrscheinlich doch noch nicht so robust ist wie viele erwarteten", sagte der Fondsmanager Jim Luke.
Im Dow Jones Index zählten Hewlett-Packard, Exxon Mobil, Alcoa und International Paper zu den größten Verlierern. Besser behaupteten sich SBC Communications, Johnson & Johnson, 3M und Procter & Gamble. Da sich die Investmentbanker von Merrill Lynch für eine ganze Reihe von Fluggesellschaften optimistisch zeigte, zählten die Papiere von Airlines zu den größten Gewinnern.
Hervorstechend waren die Kursgewinne des Internethändlers Amazon, die um mehr als 20 Prozent zulegten. Der Online-Einzelhändler erwirtschaftete im abgelaufenen Quartal einen geringeren Verlust als erwartet. Gleich mehrere Analysten schraubten ihre Gewinnprognose oder das Kursziel für das Unternehmen nach oben.
Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss leichter. Der Nikkei fiel um 0,2 Prozent auf 11.648 Zähler.