Börse am Nachmittag Kurserholung bei MLP
Frankfurt am Main - Der Dax verharrte bis zum Nachmittag im Minus und verlor bis 14.30 Uhr 0,6 Prozent auf 5629 Punkte. Der Neue Markt hielt sich müheselig im Plus. Der Nemax 50 notierte mit 0,4 Prozent auf 1103 Zählern im grünen Bereich. Zuvor wurde das Tageshoch jedoch bei 1129 Punkten gemessen.
Mit dem Ende der Berichtssaison entspannt sich die Situation auf dem Parkett langsam. Allmählich ebbe die Flut von Unternehmensnachrichten von den Blue Chips aus Deutschland und den USA ab. Der Markt könne aufatmen. Sowohl von Unternehmensseite als auch von den Konjunkturindikatoren her sollte es keine weiteren Überraschungen geben, sagte ein Händler.
In den USA warten Anleger noch auf die Zahlen des Computerriesen Compaq, die heute bekannt gegeben werden sollen. Aber auch die Wall Street scheint eine Atempause einzulegen. Die trendbestimmenden Futures deuteten eine Stunde vor Handelsbeginn eine freundlich Eröffnung an. Marktteilnehmer warteten die für Freitag erwarteten Zahlen zum US-Bruttoinlandsprodukt ab, sagte Christian Schmidt, Aktienhändler bei der Helaba: "Sollten sie im Rahmen der Erwartungen liegen, dann ist ein Beruhigung am Markt zu erwarten."
Bei einem ruhigem Handel in Frankfurt war Siemens das bestimmende Thema. Nach Bekanntgabe der Quartalszahlen notierte die Aktie im frühen Handel erst deutlich im Minus und war der schwächste Wert im Dax. Am Vormittag drehte sich die Stimmung plötzlich und verhalf dem Titel zu einem Plus von zuletzt 2,1 Prozent auf 57,72 Euro bei einem extrem hohen Handelsvolumen.
Ohne Sondereffekte hat der Konzern im dritten Quartal 2000/01 einen Verlust von fast einer Milliarde Mark verbucht und rechnet nun für das gesamte Geschäftsjahr mit einem geringeren Nachsteuergewinn als im Vorjahr. Lediglich außerordentliche Einnahmen, unter anderem 3,46 Milliarden Euro aus der Übertragung von Infineon-Aktien an den eigenen Pensionsfonds, führten in den Monaten April bis Juni zu einem Gewinn von 1,608 (Vorjahreszeitraum 0,267) Milliarden Euro nach Steuern. Die weitere Entwicklung wird auf Grund des konjunkturellen Klimas als schwierig angesehen. Die schlechten Zahlen seien erwartet worden, hieß es am Markt. Allerdings sei die Aktie in den vergangenen Wochen auch stark gefallen. Langsam sei eine Bodenbildung zu erwarten. Investoren hätten das "attraktive Kursniveau" wieder zum Einstieg genutzt.
Die Aktien der Konzerntochter Infineon drehten im Handelsverlauf ins Minus und verloren 1,3 Prozent auf 27 Euro. Das "Wall Street Journal" berichtete, dass im Rahmen von Kostensenkungen bis zu 5000 Arbeitsplätze eingespart werden sollen.
Die MLP-Aktie erholte sich leicht von der Talfahrt der vergangenen beiden Handelstage. Der Dax-Neuling übernahm die Spitze in der Gewinnerliste mit einem Kursaufschlag von 4,6 Prozent auf 91,30 Euro. Händler sagten, es handele sich bei dem Anstieg um eine technische Gegenbewegung nach den deutlichen Verlusten der Vortage.
Die Aktie von BMW profitierte von einer positiven Einschätzung der Investmentbank Lehman Brothers. Die Analysten haben ihre Prognosen und das Kursziel von 50 auf 55 Euro erhöht. Die Aktie verteuerte sich um 1,8 Prozent auf 39,60 Euro.
Größter Verlierer im Dax war die Aktie von Henkel (minus 3,7 Prozent auf 70,30 Euro), gefolgt von BASF (minus 2,6 Prozent auf 45,20 Euro) und Epcos (minus 2,1 Prozent auf 50,60 Euro).
EM.TV zieht den Nemax hoch
Am Neuen Markt stand wieder EM.TV im Mittelpunkt des Interesses. Firmengründer Thomas Haffa hat seinen Chefposten für Werner E. Klatten freigemacht. Klatten war bislang Vorstandsvorsitzender der SpiegelNet AG sowie Geschäftsführer von Spiegel TV und wird nun auch neuer EM.TV-Großaktionär. Die Börse honorierte die Pläne mit einem Kursanstieg von 25,6 Prozent auf 2,85 Euro. Bereits am Vortag hatte die Aktie mehr als 20 Prozent zugelegt, nachdem erste Gerüchte über das Stühlerücken in der Vorstandsetage aufkamen.
Die Aktien von Fantastic gewannen hei hohen Umsätzen 16,7 Prozent auf 0,63 Euro. Am Vortag hatte die Aktie bereits 45 Prozent zugelegt, nachdem die Gesellschaft sich trotz des niedrigen Kurses nicht in Gefahr sieht, aus dem Segment geworfen zu werden.
Gefragt waren auch die Papiere des Telekommunikationsunternehmens Mobilcom. Sie verteuerten sich um 4,3 Prozent auf 11,89 Euro.
Leichter präsentierten sich die Papiere von Lambda Physik. Sie verloren nach der Vorlage der Geschäftszahlen für die ersten neun Monate 8,8 Prozent auf 33,20 Euro und markierten im Handelsverlauf ein Jahrestief.
Die Aktien der Internetagentur SinnerSchrader verteuerten sich um zwölf Prozent auf 2,80 Euro, obwohl das Unternehmen am Morgen schwache Zahlen präsentiert hatte. Positiver eingeschätzt wurde hingegen der Ausblick. Die angespannte Marktsituation habe sich bereits entspannt, im vierten Quartal solle sich die Umsatz- und Ertragssituation wieder verbessern.
Euro notiert fester
Der Euro hat im Laufe des Vormittags zulegen können. Die Devise kostete gegen 14.30 Uhr in Frankfurt 0,8792 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Vortag den Referenzkurs auf 0,8708 Dollar festgesetzt. Ein Dollar kostete damit 2,2460 Mark.
Der Dollar leide derzeit darunter, dass europäische Unternehmen kein neues Kapital in den USA investierten, sagten Händler. Zudem habe der Kapitalzufluss aus Europa in die Vereinigten Satten auch nachgelassen, weil europäische Investoren auf eine baldige kräftige Erholung der US-Konjunktur hofften und sich bis dahin in ihrem Engagement zurückhielten, fügten sie hinzu.