Börse am Nachmittag Kurssprung bei der Commerzbank
Frankfurt am Main - "Die Umsätze sind sehr dünn", sagte Aktienhändler Stefan Buchholz von der DZ Bank. Es fehlten Impulse, da die US-Börsen wegen eines Feiertages (President's Day) geschlossen sind. Zudem drückten mögliche Rechnungslegungstricks bei großen US-Unternehmen wie etwa dem Computerhersteller IBM auf die Stimmung, fügte ein anderer Händler hinzu. Für Bewegung sorgten die Deutsche Telekom und die Commerzbank . Analysten von Goldman Sachs haben die T-Aktie auf ihrer Empfehlungsliste belassen und die Gewinn-Prognose erhöht. Das Kurspotenzial gaben die US-Investmentbanker mit mindestens 20 Prozent an. Am Montag kletterte das Papier schon um 1,7 Prozent auf 15,47 Euro.
Gestützt von der starken T-Aktie hielt sich der Dax im Handelsverlauf meist im Plus, musste einen Teil seiner Gewinne bis zum Nachmittag jedoch wieder abgeben. Gegen 16.20 Uhr notierte der deutsche Leitindex auf 4867 Punkten, ein knappes Plus von 0,1 Prozent. Am Neuen Markt fielen die beiden Indizes unter die psychologisch wichtige Marke von 1000 Punkten. Der Blue-Chip-Index Nemax 50 fiel um 3,4 Prozent auf 992 Punkte, der alle Werte umfassende Index Nemax-All-Share gab um 2,4 Prozent auf 988 Zähler nach. Der MDax für die mittelschweren Titel präsentierte sich knapp behauptet bei 4326 Punkten.
Die Aktie der Commerzbank schob sich am Nachmittag mit einem Kursplus von 2,4 Prozent auf 18,68 Euro an die Spitze der Gewinnerliste im Dax. Zuvor gab die WCM Beteiligungs- und Grundbesitz AG bekannt, ihre Beteiligung an der Bank von rund einem auf 5,5 Prozent erhöht zu haben. Dies teilte die Gesellschaft in einer Pflichtmitteilung mit. Der Anteil soll zudem auf knapp unter zehn Prozent erhöht werden. Weitere Anteile an der Commerzbank werden den Angaben zufolge von den Großaktionären der WCM, den Mitgliedern der Familie Ehlerding, gehalten.
Uneinheitlich präsentierten sich die Technologiewerte. Während Siemens und Infineon leicht zulegen konnten, fiel die Aktie von Epcos um 0,4 Prozent auf 43,13 Euro. SAP-Titel gehörten mit einem Minus von annähernd zwei Prozent auf 154,30 Euro zu den größten Verlierern.
Nach Presseberichten über ein Übernahmeangebot des britischen Konzerns Innogy haben RWE-Aktien richtungslos tendiert. Das Papier des Essener Energiekonzerns fiel nach stetem Auf und Ab zuletzt um 0,4 Prozent auf 40,90 Euro. Händler zeigten sich von den Neuigkeiten unbeeindruckt. "Ich glaube nicht, dass eine Übernahme derzeit aktuell ist", sagte ein Händler. Und wenn RWE tatsächlich an Innogy interessiert sei, müsse der Konzern sein Angebot definitiv erhöhen. Einem Frankfurter Marktbeobachter zufolge ist das Angebot von RWE dagegen keine "große Überraschung". Schließlich habe der Konkurrent Eon bereits im vergangenen Jahr Gespräche mit Innogy geführt. Die Eon-Aktie kletterte um knapp 1,7 Prozent.
Die Aktien von Degussa und Linde gaben um 2,2 Prozent beziehungsweise 1,1 Prozent nach. Händler verwiesen auf Gewinnmitnahmen, nachdem die Aktien in den vorangegangenen Sitzung stark zugelegt hatten.
Die im MDax notierten Aktien von ProSiebenSat.1 zogen um 6,8 Prozent auf 6,30 Euro an. Spekulationen auf eine von Investoren erhoffte Eigenständigkeit der Fernsehfamilie beflügelte nach Angaben von Marktteilnehmern den Aktienkurs.
Neuer Markt unter 1000 Punkten - D.Logistics bricht ein - Wirren um Mobilcom
Neuer Markt: Beide Indizes unter 1000 Punkten
Der Neue Markt ist am Montag mit herben Abschlägen in die Handelswoche gestartet. Beide Indizes rutschten unter die Marke von 1000 Punkten. Die schlechten Vorgaben der Nasdaq hätten die Indizes unter Druck gesetzt, sagte ein Händler. "Das Vertrauen der Anleger ist zerstört. Hier am Neuen Markt ist die Stimmung äußerst nervös. Zudem scheinen die Investoren nach der Zahl von Unternehmenspleiten, die wir in den letzten Wochen erlebt haben, zu warten, bis der Neue Markt aufgeräumt ist", sagte ein Händler.
Verstärkt wurde die schlechte Stimmung am Neuen Markt durch negative Unternehmensmeldungen. So hatte der Logistikdienstleister vor Börsenbeginn gemeldet, seine Geschäftszahlen 2001 hätten nach vorläufigen Berechnungen die Planziele des Unternehmens verfehlt. Statt der erwarteten 30 Millionen Euro beim Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) würden maximal nur vier Millionen Euro erreicht. Die Aktie brach daraufhin um über 40 Prozent auf 3,27 Euro ein. Pikant daran: Bereits am Freitag hatte das Papier mehr als elf Prozent auf 5,50 Euro verloren. Nun will D.Logistics das Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel (BAWe) "um Unterstützung bei der Aufklärung des Sachverhalts ersuchen", hieß es in der Ad-hoc-Meldung. "Eine Unverschämtheit" nannten mehrere Händler übereinstimmend die Neuigkeiten. "Und dass sich wenige Tage vor den Zahlen der Unternehmensgründer zurückzieht, wirkt nicht gerade so vertrauensbildend, wie es das Unternehmen hinstellen wollte", sagte ein Börsenkenner in Düsseldorf. Zusätzlich hätten Berichte den Kurs belastet, dass D.Logistics Sicherheitsvorkehrungen am Frankfurter Flughafen nicht eingehalten habe.
Auch Comroad stürzt ab
Um ebenfalls knapp 40 Prozent gaben die Aktien des Telematikdienstleisters Comroad nach. Marktteilnehmer sprachen erneut von Spekulationen über angeblich nicht exsistierende Geschäftsbeziehungen. "Das sind wieder die alten Gerüchte", sagte ein Händler und verwies dabei auf von Magazinberichte, in denen die Existenz von Geschäftsbeziehungen des Unternehmens vor allem nach Asien bezweifelt wurde. Das Unternehmen werde die Bilanzpressekonferenz im März nutzen, um alle Verträge mit den 37 Partnern offen zu legen und weitere Beweise für die Partnerschaften vorlegen, sagte ein Unternehmenssprecher am Freitag.
Bereits im Vorfeld der Geschäftszahlen verlor die Aktie von Qiagen 6,5 Prozent auf 18,25 Euro. Das Biotechnologie-Unternehmen wird seine Bilanz voraussichtlich am Dienstag vorlegen.
Berg- und Talfahrt bei Mobilcom
Aktien von Mobilcom gehörten im frühen Handel zu den wenigen Gewinnern im Index, drehten dann aber gegen Mittag wieder ins Minus und notierten rund vier Prozent leichter. Gerüchte, dass die France Telecom nun doch die Kontrolle beim norddeutschen Telekommunikationsanbieter übernehmen will, hätten das Papier zunächst gestützt, sagten Händler. Schlecht für Mobilcom sei jedoch, dass der Großaktionär nicht wie verlangt in den Ausbau UMTS-Netzes investieren wolle.
Mit einem Plus von neun Prozent auf 1,09 Euro setzte sich dagegen die Aktie des Jenaer Softwareherstellers Intershop an die Spitze des Nemax 50 und stoppte damit vorerst eine gut sechswöchige Talfahrt. "Da sind lediglich Zocker am Werk", kommentierte ein Aktienhändler in Frankfurt die Kursbewegung. Intershop hatte in der vergangenen Woche einen Verlust- und Gewinneinbruch gemeldet und Entlassungen angekündigt.
Euro leicht gestiegen - Vorgaben aus Tokio und New York uneinheitlich
Kurs des Euro gestiegen
Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs des Euro am Montag bei 0,8715 (Freitag: 0,8705) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1474 (Freitag: 1,1488) Euro. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6098 (0,6095) Pfund, 115,68 (115,61) Yen und 1,4804 (1,4813) Schweizer Franken fest.
Tokios Börse schließt uneinheitlich
Die Aktienbörse in Tokio hat am Montag im Zeichen des Japan-Besuchs von US-Präsident George W. Bush uneinheitlich geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte legte moderat um 45,15 Punkte oder 0,4 Prozent zu und ging beim Stand von 10.098 Punkten aus dem Markt. Der breit angelegte Topix gab dagegen leicht um 0,82 Punkte nach und schloss beim Stand von 981 Punkten.
Die Wall Street hat am Montag auf Grund eines Feiertages geschlossen und beendete den Handel zum Wochenschluss schwach. Dabei sackte der Dow-Jones-Index der 30 wichtigsten Industriewerte wieder unter die 10.000er Marke, die er am Vortag erklommen hatte, und ging mit einem Abschlag von einem Prozent auf 9903 Punkte ins Wochenende. Zwischenzeitlich notierte der Index zwar leicht im Plus, wobei sein Tageshöchstwert bei 10.007 Zählern lag. Die längste Zeit des Freitags jedoch stand der Dow in der Verlustzone. Das Tagestief markierte er bei 9893 Punkten. Der breiter angelegte S&P-500-Index verlor am Freitag 1,10 Prozent auf 1104 Punkte. Die Nasdaq fiel bis Handelsschluss um 2,1 Prozent auf 1805 Punkte.
Flut von Konjunkturdaten und Unternehmenszahlen
Flut von Konjunkturdaten und Unternehmenszahlen
Anleger und Finanzanalysten warten in der laufenden Woche auf die neuesten Konjunkturdaten und Unternehmensbilanzen. In Deutschland werden unter anderem Volkswagen , die Deutsche Börse und das Biotech-Unternehmen Qiagen am Dienstag ihre Geschäftszahlen melden. Einen Tag später werden die Dax-Unternehmen DaimlerChrysler und HypoVereinsbank sowie der MDax-Wert Hugo Boss Rechenschaft über das vergangene Jahr ablegen. Am Donnerstag präsentiert dann der Allianz-Konzern seine Ergebnisse.
"Die Anleger erwarten von den Unternehmen konkrete Hinweise für eine nahende Wende zu wieder steigenden Gewinnen", sagte Guiseppe Amato von Lang & Schwarz. Zwar deuteten bereits eine Reihe von US-Konjunkturdaten auf eine baldige Erholung der größten Weltwirtschaft hin. Dies habe sich aber noch nicht ausreichend in den Ergebnissen und Ausblicken der Firmen widergespiegelt. "Bisher fehlt es schlicht an einem Katalysator für steigende Kurse", sagte der Experte.
An der Konjunkturfront steht ebenfalls eine Reihe wichtiger Termine an, unter anderem die Zahlen zur Industrieproduktion in der Europäischen Union sowie die Frühindikatoren für Japan und die USA. Zudem werden die viel beachteten US-Verbraucherpreise veröffentlicht: Sie geben Aufschluss über den Stand der Inflationsentwicklung und den möglichen Spielraum der US-Notenbank Federal Reserve bei ihrer künftigen Zinsentscheidungen.