Börse am Nachmittag: Lucent bremst die Branche aus - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Lucent bremst die Branche aus

Ericsson, Lucent und WorldCom setzen der Telekommunikationsbranche gehörig zu. Einzig Mobilcom liegt im Plus.
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New York/Frankfurt am Main - Auch an der US-Technologiebörse Nasdaq sorgten die schwachen Bilanzzahlen des schwedischen Mobilfunkspezialisten Ericsson und des Netzwerkausrüsters Lucent für einen verhaltenen Auftakt. Der Nasdaq Composite gab zum Auftakt um 1,3 Prozent auf 1773 Zähler nach, während der Dow Jones um 0,3 Prozent schwächer notierte.

Der US-Telekommunikationsausrüster Lucent Technologies   hat für das zweite Quartal einen höheren Verlust ausgewiesen als von Analysten erwartet. Der Verlust im Quartal bis Ende März habe bei 631 Millionen Dollar oder 0,20 Dollar je Aktie gelegen, teilte Lucent am Montag mit. Zudem hat sich der Umsatz gegenüber dem Vorjahr beinahe halbiert. Das Unternehmen hat angekündigt, 6000 weitere Stellen zu streichen. Börsianer befürchten nun weitere negative Überraschungen im Technologiesektor.

Micron übernimmt Hynix

Der US-Halbleiterhersteller Micron Technology hat wie erwartet die Übernahme der Speichersparte des angeschlagenen südkoreanischen Rivalen Hynix angekündigt. Beide Seiten unterzeichneten einen entsprechenden Vorvertrag, wie Hynix Semiconductor am Montag in Seoul mitteilte. Micron will die Übernahme mit 108,6 Millionen Unternehmensanteilen bezahlen. Der Kaufpreis liege nach den getroffenen Vereinbarungen bei 3,8 Milliarden US-Dollar.

Die Aktien des US-Konzerns WorldCom litten unter Herabstufungen durch Analysten. WorldCom   hatte am Freitag seine Gewinn- und Umsatzerwartung für das Jahr 2002 gesenkt und will auch seine seine Investitionen drosseln. Am Montag gab die Aktie zum Auftakt erneut fünf Prozent nach. Die Analysten von JP Morgan haben die Aktie nach den Zahlen auf "Marketperformer" herabgestuft. Auch Credit Suisse First Boston senkte nachträglich den Daumen.

Dax unter 5200 Punkten

Der Dax fiel bis 15.45 Uhr um 1,9 Prozent auf 5187 Zähler. Auch die Wachstumswerte im Nemax 50 rutschten weiter ab und fielen unter die Marke von 900 Zählern: ein Minus von 2,1 Prozent.

Hightechs stark unter Druck

Im Dax gehörten Technologiewerte zu den Verlierern. Schlusslicht war die Aktie von Siemens   , die 5,4 Prozent auf 64,20 Euro einbüßte. Die Schwierigkeiten von Lucent und Ericsson belasten auch Siemens: Im Geschäftsbereich Festnetztechnik sollen laut Medienberichten etwa 5000 zusätzliche Stellen wegfallen.

Der Bauelemente-Hersteller Epcos   rutschte um 3,5 Prozent ab. SAP   gaben ebenso wie die Deutsche Telekom   knapp drei Prozent ab. Der Chiphersteller Infineon   hielt nach der Einigung zwischen Hynix und Micron seine Verluste noch in Grenzen.

Auch Autotitel schwach

Zu den Verlierern gehörten auch die Autowerte. Volkswagen   gab ebenso wie BMW   rund 2,5 Prozent ab: VW plant trotz deutlicher Absatzverluste im ersten Quartal keine Produktionskürzungen. DaimlerChrysler   notierte zuletzt 1,5 Prozent leichter.

Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten am Montag Pharmatitel. Sowohl Fresenius   als auch Schering   legten leicht zu.

Neuer Markt: Auf und Ab bei Thiel

Am Neuen Markt ersetzt der Notebook-Hersteller Gericom   seit Montag die ComRoad AG, die den Nemax 50 und den Neuen Markt verlassen muss. Gericom fielen bis zum Nachmittag um 9,7 Prozent auf 22,56 Euro, nachdem sie am Freitag im späten Handel knapp 20 Prozent zugelegt hatten.

Die Aktien des Logistikdienstleisters Thiel Logistik   waren am Vormittag um knapp 40 Prozent auf ein neues Allzeittief von 7,30 Euro gestürzt. "Bei Thiel gibt es anhaltende Gerüchte im Markt, dass die Bilanzen ebenfalls nicht stimmen", sagte ein Händler in Frankfurt. In der vergangenen Woche habe der Konsortialführer Dresdner Bank seine Kunden "aus dem Papier herausgeholt". Thiel kündigte den Rückkauf eigener Aktien an und begrenzte die Verluste am Nachmittag auf fünf Prozent.

Morphosys und Mobilcom im Plus

Das Biotechnologieunternehmen MorphoSys   rechnet nach einem Strategiewechsel erst 2006 mit dem Erreichen der Gewinnschwelle. Durch die Erweiterung auf den Bereich Produktanbieter seien höhere Investitionen nötig, sagte ein Unternehmenssprecher am Montag. Der Umsatz soll im laufenden Jahr stabil bleiben. Die legte dennoch knapp fünf Prozent zu und gehörte zu den wenigen Gewinnern im Index.

Die Aktie von MobilCom   legte um knapp zwei Prozent zu und kletterte auf 18,18 Euro. Hier gehen die Spekulationen weiter, ob France Télécom nach der Übernahme des Anteils von Gründer Schmid auch den freien Aktionäre ein Angebot machen muss. Ein Investment in die Aktie sei auf Grund der Unsicherheit aber hochriskant, sagten Händler.

Der Kurs des Euro ist am Montag fast unverändert geblieben. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8882 (Freitag: 0,8886) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1259 (1,1254) Euro.