Börse am Nachmittag Märkte orientierungslos
Frankfurt am Main Nervosität bestimmt den Handel: Die Worte von Greenspan wollen einzeln auf die Goldwaage gelegt werden. Der Notenbankchef sagte vor dem Finanzdienstleistungs-Ausschuss des Repräsentantenhauses, selbst nach den Leitzinssenkungen im Januar deuteten die Risiken auf ein Wachstum unter Null hin. Es gebe Risiken, dass die Wirtschaftskraft der USA weiter sinke. Diese Aussagen sprechen für Zinssenkungen, meinten Händler.
Nach den behutsamen, besorgten Worten Greenspans bleibt jedoch der Zeitpunkt weiterer Zinssenkungen offen. Nasdaq Composite und Dow Jones tendieren unentschlossen um ihre Schlussstände vom Vortag.
Der Dax tendierte noch mit 0,5 Prozent im Plus. Der Nemax 50 baute sein Minus allerdings auf zwei Prozent aus. Gewinner im Dax waren defensive Werte wie Allianz, Schering, Münchner Rück und DaimlerChrysler mit jeweils rund zwei Prozent Plus. Nachrichten, dass immer mehr Zulieferer nun doch die Sparvorgaben von Chrysler-Chef Dieter Zetsche akzeptieren, brachten die Aktie nach vorn.
Das Plus des Versorgers RWE ist geschrumpft. Der Konzern hat seinen Gewinn um 20 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro gesteigert. Analysten kritisieren jedoch geringe Zuwächse im Kerngeschäft. Die T-Aktie verteidigte ein geringes Plus von 0,5 Prozent. Die Telekom hat außerdem Gerüchte dementiert, Medienmogul Leo Kirch wolle bei T-Online einsteigen.
Die Walldorfer Software-Schmiede SAP hat am Morgen für Bewegung im Dax gesorgt. Das Unternehmen will alle Vorzugsaktien im Verhältnis 1:1 in Stammaktien umwandeln. An der Börse gleichen sich die Kurse von Stämmen und Vorzügen an: Die Stammaktien schossen um 19 Prozent in die Höhe, die im Dax notierte Vorzugsaktie verlor zuletzt 2,2 Prozent auf 163 Euro.
Linde enttäuscht Erwartungen
Der Wiesbadener Technologie-Konzern Linde war nach Vorlage der Geschäftsjahresbilanz Schlusslicht im Dax. Der Hersteller von Spezialgas hat im Geschäftsjahr 2000 den Gewinn vor Steuern um 15 Prozent auf 481 Millionen Euro gesteigert und will auch die Dividende erhöhen. Doch das Ergebnis lag nur am unteren Rand der Erwartungen der Analysten. Die Aktie gab um vier Prozent nach.
Epcos, Siemens und Infineon gehörten ebenfalls zu den Verlierern. Weitere Gewinnwarnungen aus den USA belasteten besonders die Technologiefamilie. Das US-Investmenthaus Goldman Sachs hat die Gewinnschätzungen für mehr als 30 Technologiewerte herabgestuft. Die Aktien von Avanex, Chartered Semiconductor und Altera verloren im nachbörslichen Instinet-Handel in den USA deutlich, nachdem die Firmen ihre Prognosen zurückgeschraubt hatten.
Neuer Markt: Kampf um die 2000 Punkte-Marke
Spitzenreiter im Nemax 50 waren Comroad und Kontron mit elf und sechs Prozent Zuwachs. Im marktbreiteren Nemax All Share legte Spitzenreiter Biolitec um 18 Prozent zu. Das Jenaer Biotechnologie-Unternehmen hat im ersten Halbjahr des Geschäftsjahrs den Umsatz um 52 Prozent auf 14,3 Millionen Mark gesteigert und die Gewinnprognose angehoben.
Größte Verlierer im Nemax 50 waren Trintech, Heyde und SCM Microsystems. Bei Trintec (minus 34 Prozent) geht der Räumungsverkauf der institutionellen Anleger weiter: Der Hersteller von Software für den elektronischen Zahlungsverkehr hatte seinen Verlust je Aktie fast verdoppelt.
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Nach dem Abschied von Unternehmensgründer Dieter Heyde und desaströsen Geschäftszahlen mutierte auch Heyde zum Pennystock: Die Aktie notierte erneut 20 Prozent schwächer. Das Elektronikunternehmen SCM Microsystems ist in die roten Zahlen gerutscht. An der Börse sank der SCM-Kurs um knapp neun Prozent.
Durchsuchungen bei Metabox
Das Image des Neuen Marktes wird durch Metabox belastet. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt nach Darstellung des Prior Börsen-Briefes gegen das Hildesheimer Muldimedia-Unternehmen und hat Geschäftsräume durchsucht. Der Metabox-Vorstand reagierte mit einer Anzeige gegen Prior.
Am Devisenmarkt notierte der Euro deutlich fester. Händler sagten, die Zinssenkung der japanischen Notenbank habe den Euro zum Yen und dadurch auch zum Dollar gestärkt. Der Rückgang der französischen Arbeitslosenzahlen habe zudem die Ansicht verstärkt, die europäische Wirtschaft werde trotz der sich abkühlenden Weltkonjunktur robust bleiben. In der Spitze legte die Gemeinschaftswährung sogar bis auf 0,9223 Dollar zu.