Börse am Nachmittag Märkte verdauen Xerox-Schock
Frankfurt am Main/New York Trotz eines neuen Bilanzierungsskandals an der Wall Street hat der Dax seine Gewinne verteidigen können und notierte um 16 Uhr auf 4333 Punkten, ein Plus von 1,7 Prozent. Die im MDax zusammengefassten Nebenwerte kletterten durchschnittlich um 0,9 Prozent und hoben den Index auf 3880 Zähler. Am Neuen Markt stieg der Nemax 50 nur verhalten um 0,3 Prozent auf 603 Zähler. Das Tageshoch im Auswahlindex wurde am Morgen bei 618 Punkten gemessen.
Die Kursgewinne seien eine "ganze normale Erholung nach den freundlichen US-Vorgaben", sagte ein Aktienhändler. Vor dem Wochenende deckten sich zudem Anleger ein, die auf weiter sinkende Kurse gesetzt hätten. Unverändert sei die Stimmung an den Wertpapierbörsen durch die Reihe von Bilanzskandalen belastet.
Fehlerhafte Bilanz bei Xerox
"Es gibt schon wieder schlechte Nachrichten und das ist eigentlich das Letzte, was die Leute hier nach den jüngsten Skandalen hören wollen", sagte ein Händler mit Blick auf die überraschend angekündigte Bilanz-Berichtigung beim US-Bürogerätehersteller Xerox . Der Konzern hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Geschäftsjahren deutlich zu hohe Umsätze ausgewiesen. Am Mittwoch hatte ein Bilanzskandal beim US-Telekomkonzern Worldcom bereits die Börsen geschockt und weltweit unter Druck gesetzt.
In den USA präsentierten sich die Börsen im frühen Geschäft uneinheitlich. Während die Nasdaq innerhalb der ersten halben Handelsstunde um 0,8 Prozent auf 1470 Punkte zulegen konnte, pendelte der Dow Jones nervös um die Vortagesschlusslinie und hielt sich dabei meist unter 9300 Zählern.
Adidas Salomon profitiert von Nike-Zahlen
Deutlich zulegen im Dax konnten die Aktien von Adidas Salomon . Die Papiere verteuerten sich um 2,5 Prozent auf 83,94 Euro, nachdem Nike am Vorabend positiv aufgenommene Quartalszahlen vorgelegt hatte. "Wenn der US-Konkurrent die Erwartungen der Märkte schlage, dann wird das als gutes Zeichen für die Branche aufgefasst", sagte ein Hamburger Aktienhändler.
Auch der kleine Mitbewerber Puma hielt sich besser als der Gesamtmarkt. Die Aktie des im MDax notierten Sportartikelherstellers kletterte um 2,6 Prozent auf 72,55 Euro.
MLP steigt über die 30-Euro-Marke
Die stärksten Zugewinne im Dax erzielte MLP . Die Aktie stürmte um 8,4 Prozent auf 31,39 Euro. Der Finanzdienstleister ist in den vergangenen Wochen stark unter Druck gekommen, nachdem in Medienbereichten die Bilanzierungsmethoden des Unternehmens angezweifelt wurden.
Versicherungen zeigten sich nach positiven Analystenkommentaren gleichfalls fest. Platz zwei und drei auf dem Kurszettel teilten sich Allianz-Papiere mit einem Aufschlag von 3,8 Prozent auf 198 Euro und Münchener Rück . Deren Kurs stieg um 3,1 Prozent auf 237,20 Euro.
Konsumwerte im Minus T-Aktie erholt sich
Enttäuschende Großhandelsumsätze
Auf enttäuschend aufgenommene Großhandelsumsätze in Deutschland reagierte die Metro-Aktie mit einem Abschlag von 2,6 Prozent auf 30,49 Euro. Damit hielt die Einzelhandelskette die rote Laterne im Dax. Im MDax büßten KarstadtQuelle-Papiere 1,6 Prozent auf 26,27 Euro ein.
Die T-Aktie notierte wieder deutlich über neun Euro. Der Worldcom-Bilanzskandal scheint in der Branche verarbeitet zu sein, sagten Händler. Sollte sich eine Trendwende abzeichnen, dürften weitere Leerverkäufer ihre Geschäfte abschließen, sich wieder mit Technologieaktien eindecken und durch diesen "Short Squeeze" für steigende Kurse sorgen. Allerdings seien bei der Telekom noch viele Fragen ungeklärt, zum Beispiel bei der Bilanzierung der Immobilien, sagten Händler.
Nemax 50 kämpft mit der 600-Punkte-Linie
Die Xerox-Nachricht hat die Stimmung am Neuen Markt deutlich gedämpft. Nach einem freundlichen Start fiel der Auswahlindex Nemax 50 im Handelsverlauf an die Vortagesschlusslinie zurück und pendelte um die Marke von 600 Zählern.
Gegen den schwachen Trend verbuchte die Aktie von SAP SI deutliche Aufschläge. Das Papier führte mit einem Aufschlag von über 13 Prozent auf 9,59 Euro die Gewinnerliste im Nemax 50 an. Auch Funkwerk und die DAB Bank präsentierten sich sehr fest.
Dialog Semiconductor mit Umsatzwarnung
Der Chip-Hersteller Dialog Semiconductor rechnet unterdessen wegen der anhaltenden Schwäche des Halbleiter- und Mobilfunkmarktes für das zweite Quartal mit einem Umsatzrückgang und einem höheren Verlust im Vergleich zum Vorquartal. Der Aktienkurs brach um knapp 23 Prozent auf 1,44 Euro ein.
Zudem setzte die Aktie von Thiel Logistik ihre Talfahrt fort und fiel deutlich unter vier Euro. Das Papier gab 8,9 Prozent auf 3,60 Euro ab. Angesichts einer unklaren Unternehmensentwicklung hat die Investmentbank Morgan Stanley die Thiel-Aktie von "Overweight" auf "Equalweight" herunter gestuft. Nachdem er zwei Tage zuvor das Kursziel von 20,50 Euro auf 8,90 Euro gesenkt hatte, verzichtete Analyst Caspar Lund in seiner in London veröffentlichten Studie nun auf ein genaue Angabe.
Stellenabbau bei Pixelpark?
Der Kurs des unrentablen Internet-Dienstleisters Pixelpark sank um 11,6 Prozent auf 1,98 Euro. Die Bertelsmann-Tochter schließt weitere Stellenstreichungen nicht aus.
Tokio: Klare Gewinne nach US-Vorgaben
Die japanischen Standardwerte sind am Freitag bei positiven Vorgaben der US-Börsen mit kräftigen Gewinnen aus dem Handel gegangen. Der Nikkei-Index aus 225 führenden Werte schloss auf dem Tageshoch und beendete das Geschäft mit einem Plus von 3,5 Prozent bei 10.621 Punkten.
Obwohl der Index schon am Vortag um 1,9 Prozent stieg, verzeichnete der Nikkei-225-Index im Juni die größten Verluste in einem Monat seit dem verlustreichen April 2000. Ingesamt brach der Index im Juni um 9,7 Prozent ein.
Unterstützt wurden die Kurse am Freitag von überraschend guten Konjunkturdaten. Die japanische Industrieproduktion wuchs von April auf Mai um 3,9 Prozent und übertraf damit die Erwartungen von Konjunkturexperten.
Die Anleger interessierten sich am Freitag besonders stark für Technologiewerte. Aktien des Elektronikkonzerns Rohm stiegen 6,2 Prozent auf 17.800 Yen, Tokyo Electron gewannen 5,7 Prozent auf 7735 Yen.
Der größte japanische Chiphersteller Toshiba stieg 5,9 Prozent auf 487 Yen. Konkurrent NEC, der weltweit drittgrößte Halbleiter-Konzern, legte 3,9 Prozent auf 831 Yen zu. Am Donnerstag hatte die US-Investmentbank Lehman Brothers ihre negative Haltung zum amerikanisch Halbleitersektor aufgegeben und einige Chipwerte heraufgestuft. Die Wertpapieranalysten stuften die Branche von "Underweight" auf "Market weight/slight overweight" herauf. Die neue Einstufung hatte Händlern zufolge auch positive Auswirkungen auf japanische und andere asiatische Chipwerte.
Euro pirscht sich an die Marke von einem Dollar
Der Kurs des Euro ist am Freitag fast auf Parität zum Dollar gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9975 (Donnerstag: 0,9824) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0025 (1,0179) Euro.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6498 (0,6460) Pfund, 118,20 (118,07) Yen und 1,4721 (1,4722) Schweizer Franken fest.
Gegen Mittag notierte die Einheitswährung zeitweise bei 99,85 US-Cent. Händler führten den erneuten Schwächenfall des Dollars auf Gerüchte über einen weiteren Fall von unsauberen Buchungen bei einem US-Unternehmen zurück.