Börse am Nachmittag Märkte ziehen an
Frankfurt am Main Mit überraschend deutlichen Kursaufschlägen haben die US-Börsen auf ein sehr schwach ausgefallenes Verbrauchervertrauen in den USA reagiert. Der Dow Jones schob sich gegen 16.25 Uhr auf plus 0,8 Prozent bei 8670 Punkte vor, nachdem er zu Handelsbeginn zunächst um seinen Vortagesschlus gependelt hatte. Die Nasdaq konnte um 1,5 Prozent auf 1521 Punkte klettern und damit ebenfalls an den positiven Trend des Vortages anknüpfen. Der Dax baute seine Zugewinne auf 1,8 Prozent oder 4110 Punkte aus. Am Neuen Markt drehte der Nemax 50 wieder mit 0,2 Prozent auf 746 Punkte in die Pluszone. Zuvor hatte der Index mit 0,7 Prozent noch im Minus gelegen.
Das Vertrauen der Verbraucher in die US-Wirtschaft ist in Folge der Anschläge im September im Vergleich zum Vormonat deutlicher als von Analysten erwartet gesunken. Das Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board teilte am Dienstag mit, der Index für das Verbrauchervertrauen sei auf 97,6 von revidierten 114,0 (114,3) Punkten gefallen. Es handele sich dabei um den größten monatlichen Rückgang des Indexes seit Oktober 1990. Von Reuters befragte Volkswirte hatten nach den Anschlägen vom 11. September in New York und Washington einen Rückgang auf 105,1 Index-Zähler prognostiziert. Der Euro reagierte mit leichten Kursgewinnen auf die Daten.
Händler blieben jedoch skeptisch: "Der Faktor Unsicherheit ist noch lange nicht aus dem Markt. Da waren die Vortagesgewinne einfach übertrieben", sagte ein Börsianer. Aufgrund der unsicheren politischen und wirtschaftlichen Lage werde der Handel weiterhin starken Schwankungen unterworfen sein, hieß es.
Preussag setzten ihren Erholungskurs fort. Der Titel des Touristik-Konzerns stieg um mehr als 13 Prozent auf 25 Euro und war damit bester Wert im Dax. Offenbar profitierten Preussag immer noch von den guten Zahlen des Konkurrenten Thomas Cook vom Vortag, sagten Händler. In den ersten Handelstagen nach den Attentaten in den USA hatte das Papier herbe Kursverluste hinnehmen müssen.
Im Blickpunkt der Anleger stand auch die Aktie von Infineon , die zuletzt wieder deutlich mit mehr als vier Prozent auf knapp 13 Euro ins Minus gerutscht war. Marktgerüchten zufolge werde die Siemens-Tochter im kommenden Jahr in Finanzschwierigkeiten stecken, sofern sich die Preise auf dem Halbleitermarkt nicht erholen sollten. Zudem hatte die ABN Amro alle Halbleiterhersteller herabgestuft. Ein negativer Kommentar von George Scalise, Präsident der Vereinigung der Halbleiterhersteller SIA, trübte die Stimmung weiter ein. Die weltweite Chipindustrie werde als Folge der Anschläge in den USA im dritten und vierten Quartal 2001 weniger umsetzen als bislang erwartet, sagte Scalise.
Die Titel von Siemens (plus 1,12 Prozent auf 40,65 Euro) und Epcos (plus 2,8 Prozent auf 35,43 Euro) präsentierten sich dagegen fest.
Die Lufthansa-Aktie stand mit 1,12 Prozent bei 9,63 Euro im Minus. Wie die meisten anderen Gewinner von gestern leide auch die Lufthansa unter Gewinnmitnahmen, so ein Händler. "Es gibt derzeit viele zittrige Hände, die leichte Kursaufschläge sofort zum Verkauf nutzen", so der Händler weiter. Darüber hinaus sei der Gesamtmarkt heute von negativen Erwartungen für das US-Verbrauchervertrauen belastet.
Die Deutsche Bank drehte zum Nachmittag ins Plus, obwohl die UBS Warburg das Papier des Branchenprimus von "Kaufen" auf "Halten" gestuft hatte. Gleichzeitig senkten die Experten ihr Kursziel von 90 Euro auf 60 Euro. Als Grund nannte das Finanzhaus unter anderem ein zunehmend raueres Klima in der Vermögensverwaltungs-Branche und im Privatkunden-Geschäft. Die Aktie gewann zuletzt noch rund zwei Prozent auf 56 Euro.
In Erwartung schwacher Verbrauchermarktdaten hatten die Automobilhersteller stark nach gegeben. Die Titel von BMW (minus 2,45 Prozent auf 26,70 Euro), Volkswagen und DaimlerChrysler gehörten zu den größeren Verlierern im Dax.
Neuer Markt erholt sich geringfügig
Der Neue Markt war zweitweilig wieder ins Plus dedreht. Die Gewinnerliste im Nemax 50 wurde angeführt von Broadvision (plus 12 Prozent auf 1,08 Euro), United Internet , Aixtron und EM.TV .
Nach einer Umsatz- und Gewinnwarnung verlor die Aktie von Gauss deutlich. Das Papier verbilligte sich um annähernd zwölf Prozent auf 0,45 Euro. Die Softwareschmiede gab zudem bekannt, rund 40 Mitarbeiter zu entlassen.
Deutliche Gewinne verbuchten dagegen die Aktien von Fortec. Der Systemzulieferer für Gerätehersteller von industriellen High-Tech-Produkten hatte zuvor mitgeteilt, seinen Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr um über 50 Prozent auf 68,278 Millionen Mark gesteigert zu haben. Das übertreffe die Prognosen, hieß es. Die Börse honorierte die Zahlen mit einem Kursaufschlag von 19 Prozent auf 18,60 Euro.
Das Medienunternehmen Edel Music gab bekannt, den Neuen Markt freiwillig zu verlassen und statt dessen künftig im Geregelten Markt zu notieren. Das Unternehmen erhofft sich davon Kosteneinsparungen, die Aktie verlor dennoch neun Prozent auf 0,91 Euro.
Euro-Kurs nahezu unverändert
Der Euro kostete gegen 16.20 Uhr 0,9219 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montag auf 0,9164 (Freitag: 0,9200) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 2,1343 (2,1259) Mark.
Der Kurs des Euro werde im Vergleich zum Dollar weiter steigen. Allerdings mit Unterbrechungen durch Gewinnmitnahmen bis auf ein Niveau von 0,93 Dollar, erwarten Marktbeobachter. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde bei der kommenden Sitzung am Donnerstag voraussichtlich keine Zinssenkung beschließen, sagte Chefanalyst Koji Fukaya von der Bank of Tokyo Mitsubishi Ltd. Er ist davon überzeugt, dass die EZB erst nach der US-Notenbank Fed die Zinsen senken wird.