Börse am Nachmittag: MLP bricht weg - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag MLP bricht weg

Erneut schwache Konjunkturdaten verkraftet die Wall Street erstaunlich gut. Offenbar haben die Investoren nach den schwachen Daten des Vortages Schlimmeres erwartet. Doch das tröstet wenig. Es gibt kaum einen Grund, Aktien zu kaufen.
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Frankfurt am Main – Neue schwache US-Konjunkturdaten hat die Wall-Street diesmal standhafter hingenommen als noch am Vortag. Der Dow Jones notierte gegen 17.30 Uhr bei 7631 Punkten: ein Plus von 0,5 Prozent. Der Index für die US-Technologiebörse, der Nasdaq Composite, fiel um 0,5 Prozent auf 1166 Zähler ab. In Frankfurt präsentierte sich der Dax 0,1 fester auf 2773 Punkten. Am Neuen Markt gab der Nemax 50 weitere 3,5 Prozent auf 330 Zähler ab.

Einkaufsmanager-Index fällt stärker als erwartet

Der nationale Einkaufsmanagerindex (ISM) ist im September überraschend stark gefallen und deutet erstmals seit elf Monaten auf einen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität hin. Der Index ging von 50,5 Zähler im August auf 49,5 Punkte zurück. Der Index für das Verarbeitende Gewerbe deutet damit erstmals seit elf Monaten wieder eine Schrumpfung an, teilte das Institut for Supply Management (ISM) am Dienstag in Washington mit. Ein Wert unter 50 Punkte deutet auf eine Schrumpfung der wirtschaftlichen Aktivität hin.

Der Rückgang fiel deutlich höher als von Analysten erwartet aus. Volkswirte hatten im Durchschnitt ein leichtes Plus auf 50,7 Punkte im September erwartet. Bereits am Vortag war der Chicagoer Einkaufsmanager-Index schlechter als erwartet ausgefallen.

Marktteilnehmer sagten, es gebe nach wie vor kaum gute Gründe, Aktien zu kaufen. "Ich glaube nicht, dass der Markt steigen wird", sagte ein Aktienhändler. Andere Börsianer ergänzten, es fehlten längerfristige Anschlusskäufe, weil die Anleger noch immer eine konjunkturelle Abschwächung und einen Irak-Krieg fürchteten.

"Allgemein sieht die Wirtschaft nicht robust aus und jetzt fürchten die Leute, dass die Unternehmen ihre Prognosen für 2002 und 2003 senken", sagte ein Händler. Die Diskussion der vergangenen Tage um eine Steuererhöhung spielte indes keine Rolle mehr an der Börse.

Dax-Wackelkandidaten verlieren kräftig Schwächster Dax-Wert war die Aktie des Heidelberger Finanzdienstleisters MLP  , die möglicherweise aus dem Standardwerte-Index herausfallen wird. Ein ähnliches Schicksal könnte Epcos  , dem Hersteller elektronischer Bauelemente, ereilen: "Bei der geringen Marktkapitalisierung der beiden Unternehmen, würde mich ein Rauswurf nicht verwundern", sagte ein Händler. MLP-Papiere verloren rund 13 Prozent auf 7,85 Euro. Epcos gaben 7,65 Prozent auf 6,64 Euro ab.

Die Aktien von SAP   fielen um mehr als sechs Prozent auf 43,45 Euro. Händler sagten, seit Wochen gebe es Befürchtungen um eine drohende Prognoserevision bei dem größten Softwarehersteller in Europa. "Allgemein sieht die Wirtschaft nicht robust aus und jetzt fürchten die Leute, dass die Unternehmen ihre Prognosen für 2002 und 2003 senken", sagte ein Händler.

ThyssenKrupp  -Papiere verloren mehr als sieben Prozent auf 10,50 Euro. Der Stahlkonzern, der traditionell bereits im Oktober seine Versicherungsverträge für das kommende Jahr erneuert, muss künftig für einen geringeren Schutz höhere Prämien zahlen, wie die Helaba berichtete.

Technische Reaktion beflügelt Bayer

Technische Reaktionen beflügelten Händlern zufolge unterdessen die Aktien von Bayer   und Altana  , die um rund vier Prozent beziehungsweise drei Prozent stiegen.

Auch T-Aktien  , die um 1,60 Prozent zulegten, waren gefragt. Die Telekom hat nach Angaben von mit dem Bieterverfahren vertrauten Kreisen für ihre zum Verkauf stehenden TV-Kabelnetze Gebote zwischen knapp zwei und rund 2,5 Milliarden Euro erhalten. Einem Zeitungsbericht zufolge könnte indes die Nachfolge von Ex-Vorstandschef Ron Sommer bereits im Oktober entschieden werden. Insgesamt gebe es vier Bewerber für den Posten. Das Unternehmen lehnte eine Stellungnahme ab.

Hornbach ersetzt Stinnes im MDax

Die Aktie von Hornbach Holding   stieg noch um zwei Prozent auf 51 Euro. Das Unternehmen wird vom 3. Oktober an Stinnes   im MDax ersetzen. Der südpfälzische Baumarkt-Konzern hatte am Donnerstag Halbjahreszahlen veröffentlicht und seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr gesenkt.

Am Neuen Markt überraschte die Aktie von GPC Biotech   mit einem Kursaufschwung von zuletzt noch rund sieben Prozent auf 2,52 Euro. Das Biotechnologieunternehmen kooperiert mit dem US-Mitbewerber NeoTherapeutics bei der Entwicklung des Krebsmedikaments Satraplatin. GPC erhalte die weltweit exklusive Lizenz für den Wirkstoff, teilte das Unternehmen am Dienstag ad hoc mit. Satraplatin ist ein oral verabreichbares Krebsmedikament, das sich in der späten Phase der klinischen Entwicklung befindet.

Mobilcom-Aktien   präsentierten sich vier Prozent leichter auf 2,05 Euro. Am Montag hatten die Titel kräftig zugelegt, nachdem spekuliert wurde, dass der Hongkonger Misch- und Telekomkonzern Hutchison Whampoa   den angeschlagenen Büdelsdorfer Mobilfunkkonzern übernehmen könnte.

Euro schafft den Sprung nicht

Der Kurs des Euro ist am Dienstag trotz schwacher amerikanischer Konjunkturdaten erneut an der Marke von 99 US-Cent gescheitert. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete gegen 16.15 Uhr 0,9854 Dollar, nachdem sie zwischenzeitlich bis auf 0,9892 Dollar gestiegen war. Erst am Vortag war der Euro nach schwachen amerikanischen Konjunkturdaten und der fortgesetzten Talfahrt an den US-Börsen knapp an der 99 US-Cent-Marke gescheitert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte am Dienstag den Referenzkurs auf 0,9861 (Montag: 0,9860) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0141 (1,0142) Euro.

Der Euro profitierte nicht vom Rückgang des viel beachteten ISM-Einkaufsmanagerindex in den USA, der im September überraschend stark gefallen ist und erstmals seit acht Monaten auf rückläufige Geschäfte in der Industrie hindeutet. "Die Zahlen waren nicht ganz so enttäuschend, wie sie auf den ersten Blick aussehen", sagte Michael Lewis, Devisenexperte der Deutsche Bank Global Market Research. "Nach dem am Vorabend veröffentlichten Chicagoer Einkaufsmanagerindex hatte der Markt sogar einen noch deutlicheren Rückgang erwartet." Da dies nicht eingetreten sei, sei der Kurs des Dollar gestützt worden.