Börse am Nachmittag MLP einsam an der Spitze
Frankfurt am Main - Die vorbörslichen Barometer in New York waren am frühen Nachmittag leicht in die Verlustzone gerutscht. Zudem hat Star-Analystin Abby Joseph-Cohen vom Investmenthaus Goldman Sachs ihre Jahresprognose für den S&P 500, in dem die 500 größten US-Unternehmen notiert sind, nach unten revidiert. Cohen sieht die Zukunft der amerikanischen Wirtschaft also skeptischer. Zugleich drückte auf die Stimmung der Aktienmärkte, dass die Wirkung einer weiteren moderaten Zinssenkung in den USA in Frage gestellt wird. Während der Dax (minus 0,1 Prozent auf 5201 Punkte) bis 14.45 Uhr weiter um seine Vortagesschlusslinie pendelte, konnten die Wachstumswerte im Nemax 50 ihr gegen die Mittagsstunden erreichten Plus auf 0,9 Prozent bei 1064 Zähler leicht ausbauen.
Hat Greenspan die Macht über die Märkte verloren?
Die Mehrheit der Marktbeobachter rechnet mit einer Senkung der Leitzinsen in den USA um 25 Basispunkte auf 3,5 Prozent. Händler merken allerdings kritisch an, dass die Börsen 25 Basispunkte bereits eingepreist und die zurückliegenden sechs Zinssenkungen bislang wenig Wirkung gezeigt haben. Zudem mehren sich die Stimmen, die behaupten, US-Notenbankchef Alan Greenspan hätte die Macht über die Märkte verloren. Deshalb warten Börsianer vor allem auf die Begründung der Entscheidung und den weiteren Ausblick.
Die Aktien des Finanzdienstleisters MLP rannten den anderen Dax-Werten zuletzt mit einem Plus von rund neun Prozent auf 72,50 Euro davon. Analystin Wiebke Hagen von der Conrad Hinrich Donner Bank sieht den Kursanstieg von MLP "als technische Reaktion nach den starken Verlusten der vergangenen Tage". Die MLP-Aktie hatte von Anfang Juli bis heute etwa die Hälfte an Wert verloren.
Vor allem die hohe Bewertung des Unternehmens gelte als Schwachstelle, hieß es an der Börse. Während die 30 im Dax gelisteten Unternehmen im Schnitt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,51 aufweisen, wird MLP mit einem KGV von rund 80 gehandelt.
Die Aktien der Deutsche Post sind am Dienstag auf ein Allzeittief gefallen, obwohl die Halbjahreszahlen im Rahmen der Erwartungen liegen. Nachdem die Papiere kurz nach Veröffentlichung der Unternehmenszahlen zugelegt hatten, brachen sie im Mittagshandel bis auf 16,94 Euro ein. Zuletzt pendelte das Papier um die Marke von 17 Euro. Händler konnten indes keinen konkreten Grund für den plötzlichen Kursverfall nennen. "Mir ist bisher nichts Negatives bekannt", sagte ein Frankfurter Börsianer. "Die Zahlen hatten im Rahmen der Erwartungen gelegen und ansonsten gab es bei der Pressekonferenz keine Überraschungen." Eine anderer Händler mutmaßte, dass einige Anleger nach der Devise "Sell on good News" die Post-Aktie abstoßen. Einen fundamentalen Grund konnte er indes auch nicht nennen.
Unter den Technologiewerten konnte lediglich Infineon (plus 3,27 Prozent auf 23,40 Euro) zulegen. Siemens zeigten sich nahezu unverändert gegenüber dem Vortag bei 54,40 Euro. Epcos rutschten zwei Prozent auf 45 Euro ab.
Die Analysten von Goldman Sachs haben die Aktien von Fresenius Medical Care in einer Erstbewertung auf die "Recommended List" gesetzt. Das teilte die Investmentbank am Dienstag Vormittag in London mit. Demnach wird sich die Aktie nach Einschätzung der Analysten im Vergleich zum Index in den kommenden sechs bis 18 Monaten um mehr als zehn Prozent besser entwickeln. Der Aktie stieg zuletzt moderat um 0,36 Prozent auf 90,90 Euro.
Die T-Aktie konnte ihre Verluste auf 2,37 Prozent bei 16,89 Euro reduzieren. Die Titel wurden belastet von einem Bericht der "Financial Times Deutschland". Die Zeitung berichtet, dass der finnische Telekomanbieter Sonera 72 Millionen Aktien verkaufen will. Dies soll allerdings in enger Absprache mit der Deutschen Telekom geschehen. Die Aktien sollen zwischen September und Dezember auf den Markt kommen.
Am Neuen Markt gerieten die Aktien von D.Logistics nach Vorlage der Geschäftszahlen stark unter Verkaufsdruck. Der Logistikkonzern hat im ersten Halbjahr das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) um 121 Prozent auf rund 14 Millionen Euro gesteigert. Der Umsatz des Unternehmens stieg in Jahresfrist um 159 Prozent auf knapp 325 Millionen Euro und fiel damit besser als erwartet aus. Die Aktien verloren zuletzt 8,65 Prozent auf 9,50 Euro.
Die Zahlen seien "weitgehend im Rahmen der Erwartungen" geblieben, sagte ein Händler der Consors Capital Bank. Ein anderer Börsianer sprach von enttäuschten Anlegern. Zwar habe das Unternehmen für die kommenden Quartale ein starkes organisches Wachstum in Aussicht gestellt. "Doch in solchen Formulierungen sind zu viele Konjunktive drin. Der Markt will Fakten sehen", sagte der Händler. Da in der derzeitigen negativen Marktstimmung ohnehin kaum Vertrauen in Titel vorhanden sei, würden die Investoren sofort ihr Geld aus einem Wert ziehen, sobald sich eine Negativ-Meldung abzeichne.
EM.TV erzielten zuletzt ein Plus von mehr als neun Prozent auf 2,85 Euro und setzten sich damit an die Spitze des Nemax-50. Der Medienkonzern hatte einen Wechsel im Management bekannt gegeben. Finanzvorstand Rolf Rickmeyer scheidet in gegenseitigem Einvernehmen zum 31. August aus dem Vorstand aus. Seinen Platz soll Marius Schwarz einnehmen, der bisher die Finanzgeschäfte bei der CinemaxX leitete. Außerdem berief der Aufsichtsrat Werner E. Klatten zum neuen Vorstandsvorsitzenden. Klatten wird im September sein neues Amt antreten.
Bergauf ging es auch mit den Aktien von Evotec Biosystems. Das Biotechnologieunternehmen hatte seine Halbjahreszahlen vorgelegt und eine Reduzierung des Verlusts vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 7,1 Millionen Euro auf 4,3 Millionen Euro gemeldet. Die Aktien legten um knapp sechs Prozent auf 11,39 Euro zu.
Euro leicht schwächer
Der Kurs des ist am Dienstag leicht gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,9128 (Montag: 0,9149) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1427 (2,1378) Mark. Zuletzt wurde der Euro für 0,9137 Euro gehandelt.