Börse am Nachmittag MLP schmiert ab
Frankfurt am Main - Der Dax hat seine Verluste zum Abend deutlich ausgebaut und fiel bis eine Stunde vor Handelsschluss auf 4507 Punkte, ein Minus von 2,1 Prozent. Die Nebenwerte gaben um durchschnittlich 1,5 Prozent ab und drückten den MDax auf 4161 Zähler. Am Neuen Markt wurde der Nemax 50 erneut von einem massiven Kursrückgang beim Schwergewicht MobilCom belastet. Der Auswahlindex rauschte um 4,8 Prozent auf 678 Punkte nach unten. Das Börsenbarometer erreichte damit das Niveau vom September 2001, als es im Zuge der Anschläge in den USA stark abfiel.
Auch in den USA trübte sich das Bild an der Börse beständig. Der Dow Jones notierte gegen 19 Uhr (MESZ) auf 9487 Punkten, ein Minus von 0,3 Prozent. Die Nasdaq gab um 0,3 Prozent auf 1492 Zähler ab.
Börsianer in Frankfurt begründeten die Verluste auch mit der angespannten Stimmung auf Grund möglicher Terroranschläge. Der Bundesnachrichtendienst (BND) habe Sicherheitsbehörden vor möglichen Anschlägen der islamistischen Al-Qaida-Gruppe auf startende oder landende Flugzeuge gewarnt. Zudem lasteten die massiven Verluste der von MLP und der Tech-Titel auf dem Dax.
Schwächster Wert im Leitindex war der Titel des Finanzdienstleisters Marschollek, Lautenschläger und Partner (MLP). Die Aktien brachen nach einem Bericht von "Börse Online" am Abend um knapp 18 Prozent auf 32,40 Euro ein. Das Anlegermagazin meldete, einiges deutet darauf hin, dass MLP in den Jahren 2000 und 2001 deutlich zu hohe Gewinne ausgewiesen habe. Bereits vor einigen Wochen hatte MLP rund ein Drittel ihres Wertes nach einem Bericht des Magazins über angebliche Bilanztricksereien eingebüßt.
Allianz: Kritik auf der Hauptversammlung
Am Tag der Hauptversammlung sank die Aktie der Allianz um 3,1 Prozent auf 218 Euro. Aktionärsvertreter haben auf der Hauptversammlung vorsichtige Kritik an der Übernahme der Dresdner Bank geübt. Zwar sei das Modell eines integrierten Finanzdienstleisters grundsätzlich plausibel, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW). Auf den Aktienkurs habe sich dies jedoch bislang "nur negativ" ausgewirkt. Auch Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) hob hervor, dass sich der Kurs der Allianz-Aktie nach der Transaktion schlechter als der Branchendurchschnitt entwickelt habe. Deshalb stelle sich die Frage, ob die Übernahme der richtige Schritt gewesen sei und ob dafür ein angemessener Preis gezahlt wurde. In der Dresdner Bank seien "die Probleme des Bankgewerbes ganz besonders kumuliert", meinte Schneider.
Schwach notierte die Aktie des Software-Konzerns SAP , die 6,5 Prozent auf 104,90 Euro verlor. Händler begründeten die Verluste mit der allgemeinen Markttendenz, aber auch mit erwartet schlechten Unternehmensbilanzen für das laufende Quartal beim US-Konkurrenten Siebel Systems.
Techwerte deutlich unter Druck
Zu den schwächsten Werten zählten wieder die Technologiewerte wie Deutsche Telekom , Infineon und Epcos . Die T-Aktie sank zuletzt auf 10,36 Euro - ein Verlust von 2,7 Prozent. Die Anteilsscheine von Infineon und Epcos verloren zwischen fünf und drei Prozent.
Die Autowerte konnten sich dem schwachen Handelstrend ebenfalls nicht entziehen. Volkswagen-Titel sanken um 1,4 Prozent auf 54,20 Euro. Die Aktien von BMW fielen um 2,3 Prozent auf 44,20 Euro und DaimlerChrysler-Papiere gaben 1,2 Prozent auf 49,81 Euro ab.
Nennenswerte Gewinne verbuchten lediglich die Aktien von Adidas Salomon und Metro , die jeweils knapp 0,9 Prozent gewannen.
MobilCom-Streit eskaliert - Euro etwas stärker
MobilCom-Streit eskaliert
Am Neuen Markt haben MobilCom-Aktien einen Teil ihrer Verluste wieder abgebaut, notierten aber immer noch mehr als 15 Prozent leichter bei 6,13 Euro. Im Tagesverlauf wurde bereits ein Tiefstand von 5,35 Euro markiert. Es gebe noch viele Fragezeichen zur Zukunft des Unternehmens, sagte ein Händler. Deswegen bleibe die Unsicherheit im Markt und die Aktie stark volatil. Am Dienstag hatte der Großaktionär France Télécom ihren Kooperationsvertrag mit MobilCom zum Aufbau des UMTS-Netzes gekündigt. MobilCom teilte mit, es gebe dafür keine rechtliche Grundlage. Die Mobilcom-Aktie war gestern bereits um annähernd 50 Prozent eingebrochen. Ob die von den Franzosen angestrengte Trennung gelingt, ist unter Experten umstritten - Mobilcom will die Trennung rechtlich prüfen lassen.
Die Aktie von France Télécom hat die nach Aufkündigung der Kooperation erzielten Kursgewinne vom Vortag teilweise wieder abgegeben. Der Kurs verlor an der Pariser Börse zuletzt knapp sechs Prozent. Der Anstieg der France-Télécom-Aktie am Vortag um 8,27 Prozent nach Bekanntgabe der Vertragskündigung sei für Gewinnmitnahmen genutzt worden, hieß es am Markt. Die Aktie des hochverschuldeten französischen Konzerns hat seit Jahresanfang mehr als 60 Prozent ihres Werts verloren. Der Druck auf die Telekommunikations- und Technologiewerte wird nach Auffassung von Analysten in Paris andauern. Überwiegend wurde die Entscheidung der France Télécom positiv bewertet. "France Télécom hat endlich Konsequenzen gezogen", erklärte ein Analyst. Ohne Hilfe der Franzosen könne MobilCom die im Juli fällig werdenden Kredite über 4,7 Milliarden Euro nicht bedienen. Vom Maklerhaus Fideuram Wargny hieß es, "die Karte eines möglichen Konkurses (von MobilCom) scheint nun unabänderlich ins Spiel gebracht".
Stark unter Druck standen am Neuen Markt auch die Tech-Werte Trintech (minus 16,8 Prozent auf 1,49 Euro) und Dialog Semiconductors (minus 16,9 Prozent auf 2,11 Euro).
Das Nemax-Schwergewicht T-Online konnte sich am Morgen dem schwachen Trend widersetzen, fiel im weiteren Handelsverlauf jedoch ins Minus. Zuletzt notierte das Papier 4,5 Prozent schwächer auf 8,50 Euro.
US-Vorgaben belasten Nikkei
Die Aktienbörse in Tokio hat am Mittwoch schwach geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte büßte 1,1 Prozent auf 11.327 Punkte ein. Der breiter gefasste Topix gab um 0,7 Prozent auf 1093 Zähler nach.
Die Stimmung für japanische Aktien sei aber trotz der Kursverluste gut, sagte Akira Nakamura von Chuo Securities. Er sah den Grund für die schwache Sitzung in dem Verfall von Optionen am Freitag. Bis dahin könne der Nikkei 225 auf 11.000 Punkte sinken. Danach rechnet er aber wieder mit steigenden Kursen.
Autowerte notierten uneinheitlich. Der Yen-Kurs zum Dollar bringe nur ausgewählten Titeln einen Aufschwung. So verteuerten sich Honda um 40 auf 5380 Yen, Hino Motors notierten mit 376 Yen um elf Yen leichter. Toyota gaben dagegen 20 auf 3230 Yen ab.
Geschwächt durch den Kursrutsch von Tech-Werte an der Wall Street wurden auch japanischen Technologietitel verkauft. Rohm verloren 470 Yen auf 17.820 Yen, TDK gaben 200 Yen ab auf 6240 Yen. Chipwerte gingen den gleichen Weg nach unten. Fujitsu sanken um 14 auf 886 Yen, Oki Electric schlossen um zehn Yen leichter bei 273 Yen. Hitachi verloren sieben Yen auf 860. Nach dem Verfallstag werde sich die Stimmung wieder zugunsten der Tech-Werte drehen, zeigt sich Akira Nakamura sicher.
Kurs des Euro gestiegen
Der Kurs präsentierte sich am Mittwoch wieder stärker. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9452 (Dienstag: 0,9417) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0580 (1,0619) Euro.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6431 (0,6430) Pfund, 118,73 (118,14) Yen und 1,4774 (1,4752) Schweizer Franken fest.